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Mondlicht

Emma schlug plötzlich ihre Augen in mitten der Nacht auf, ihr Herz schlug hastig, als wäre sie gerade einer Flucht entronnen. Sie schaute zum Fenster hinüber, wo boshafte Schattenspiele auf dem Boden ihr Unbehagen einjagten. Es waren wilde Tänze, als würden Heinzelmännchen im Mondlicht vor ihrem Fenster Krawall und Irrsinn treiben. Verunsichert trat sie an ihr Fenster heran, um den wirren Gespinsten in ihren erloschenen Träumen ein Ende zu bereiten. Mit den Fingerspitzen schob sie sachte die purpurnen Vorhänge zur Seite und konnte so auch noch einen Blick auf ihre Zimmerpflanzen erhaschen, die verstohlen in den Nachthimmel schauten. Auch sie wandte daraufhin ihre Augen zum Mond hinüber und betrachtete ihn mit neugierigen Gedanken. Er erstrahlte den Nachthimmel so friedvoll und gleichsam geheimnisvoll an, wie es das Sonnenlicht niemals schaffen würde. Werwölfe heulten den Mond an und verwandelten sich in gruselige Albträume, die Kinder heimsuchten und aus dem Schlaf rissen. Vampire lauerten herum und bestaunten das aufmerksame Licht, die nächtliche Sonne, die die finsterste Nacht in Helligkeit tunkte und jeden irrläufigen Wanderer den Weg zeigte. Mystisch starrte der Mond auf die Erde hinab und zeigte sich in dieser Nacht in voller Pracht. Wunderschön und vollendet, dachte Emma. Und keineswegs boshaft. Mit einem Lächeln kletterte sie wieder unter ihre Bettdecke und dachte mit wohlwollen an die strahlende Sonne der Nacht.

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