Texte

Der Dach-über-dem-Kopf Meister

Es war einmal (oh ja, so fange ich heute mal an, es hat mich irgendwie gerade dazu getrieben). Oh, noch mal von vorn, die Magie ist verblasst, kurz durchatmen, jeden Moment geht es weiter, schließt die Augen, ihr tretet in eine neue Welt…

Es war einmal eine kleine Stadt, sie lag friedlich, fern von jeglicher Gewalt und Armut, zwischen Bäumen, ruhig gebettet nahe eines Flusses. In dieser Stadt lebten durch und durch normale Menschen. Der Durchschnitt. Niemand, der sonderlich auffiel. Keiner, der es darauf anlegte bekannt zu werden oder für irgendwelche außergewöhnlichen Handlungen geehrt zu werden.

Bis schließlich der Junge zur Welt kam, der anders sein wollte. Ja, man könnte behaupten, dass er die Welt verändern wollte. Geboren wurde er in einer Familie, die sich generell in keine Angelegenheiten einmischten. Sei es ein Streit der Nachbarn, eine Diskussion oder Abstimmung über irgendwelche wichtigen Regelungen oder Spenden. Nein, diese Familie hielt sich aus allem raus. Dann hatten sie schließlich auch ihre Ruhe und niemand konnte sich beklagen oder Beschwerde einreichen, wenn etwas nicht so verlief, wie es sein sollte. An ihnen lag die Schuld am Ende nicht. Sie trugen weder etwas bei noch verursachten sie irgendeinen Schaden. Im allgemeinen nahmen sie am Leben nicht wirklich teil, zumindest nicht an dem Leben der Welt. Der Junge, er wurde Jonathan gekauft, schien schon während seiner ersten Tage auf dieser Welt recht anders als die anderen dieser Familie zu sein. In ihm schlummerte viel mehr Energie. Er wollte nicht immer gehorchen, noch tat er Dinge so, wie seine Eltern es beabsichtigten. Nein, er unterschied sich von ihnen in jeglichen Zügen. Seinen Eltern war diese Abenteuer- und Lebenslust ihres Neugeborenen durchaus nicht entgangen und obwohl sie mit allen Mitteln versuchten ihn zu zähmen, so konnten sie sich nicht helfen und schließlich kam es wie es kommen musste: Auch in dieser Hinsicht mischten sie sich keineswegs ein. Sollte er doch sein, wer er wollte. Sollte er doch sehen, was er davon hat, wenn er anders war. Nicht mit dem Strom, sondern zickzack – dagegen schwamm und dies auch noch in einem absurd hohem Tempo! Er würde schon sehen, was er am Ende davon hat. – So dachten sie.

Als er schließlich älter wurde, wollte er mehr von der Welt erfahren. Diese Stadt barg nichts, was von sonderlichem Interesse war und so machte er sich schließlich, als er sich bereit fühlte, auf in die Welt und wollte erfahren, wie die Menschen dort draußen so lebten.

Doch was er sah war nicht  ganz das, was er sich erträumt hatte. Abenteuer, große Städte, wirre Urwälder, atemberaubende Aussichten, das waren die Dinge, die er erwartet hatte. Doch tatsächlich traf er auf seiner Reise auf Menschen, Menschen mit den unterschiedlichsten Geschichten. Geschichten, die ihn rührten, die ihn bewegten und zum Nachdenken anregten.

Durch die Welt reisen und sie sehen, erleben und kennenlernen, das waren seine Ziele gewesen. Schließlich allerdings musste er feststellen, dass das Erleben nicht die Erfüllung war, die er gesucht hatte. Das Leben der Menschen, die er traf, sie waren es, die ihm die Eingebung haben, die ihm seine Berufung verliehen. Es waren Menschen, die auf der Straße lebten. Menschen, die kein Geld hatten, um sich anständiges Essen und Trinken zu leisten. Menschen, die keine Arbeit mehr fanden, oder Menschen, die hart arbeiteten und trotzdem nicht genug verdienten. Menschen, die ausgenutzt, ausgebeutet und hinaus geworfen wurden. Und denen wollte er helfen. Und so begann er zu bauen. Stein auf Stein. Fortan wollte er derjenige sein, der jedem Menschen einen Dach über dem Kopf verleihen wollte. Niemand solle alleine leben. Niemand solle hungern oder frieren müssen. Niemand solle gedemütigt unter einer Brücke, auf dem nassen, kalten Boden eines dreckigen Kopfsteinpflasters schlafen müssen. Nein, niemand.

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