Schreiben · Themen der Welt

Was wäre, wenn niemand lügen könnte?

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Wie wäre unsere Welt, wenn niemand lügen könnte? Wenn es die Option zu Lügen gar nicht gäbe? Wäre unsere Welt dann besser oder schlechter?

Kleine Lügen

Lügen fangen klein an und können sehr groß heran wachsen. Es beginnt bei einer alltäglichen Nachfrage nach dem Befinden, bei dem nicht jeder von uns ehrlich antwortet, ganz einfach, weil wir uns nicht jeder dahergelaufenen oder selbst einer nahstehenden Person zu jeder Zeit emotional offenbaren wollen. An sich auch keine Große Sache. Wie geht es dir? Gutgut und selbst? – Ist eine Floskel, die bei fast jedem von uns im Standardrepertoire der Selbstverteidigung der Seele sofort abrufbereit ist. Dann entstehen schnell bei der Hand Ausreden in Form von Lügen bei Zuspätkommen, Absagen oder irgendwelchen Unannehmlichkeiten, die man gerne verschönert ausdrückt, um nicht ganz so blöd dazustehen. Und wem schaden schon diese Alltagslügen? Sind sie denn so schlimm, obwohl es Lügen sind?

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Große Lügen

Daher laufen noch Lügen, die bodenlos erfundene Geschichten zum Vorschein bringen. Für einen Autor gar nicht mal so schlecht von Bedeutung, für die Realität jedoch kann es große Folgen haben. Neben der Politik und den Medien, werden wir überall und zu jeder Zeit von den Mitmenschen in großer Form belogen und hintergangen. Oft verstrickt sich jemand in solch einem Lügennetz, dass einem auf dem Weg dorthin die Wahrheit verloren geht. Die großen Lügen schaden oft unserem Leben. Sie dienen dazu, um etwas ebenso großes vertuschen zu können. Ein Beispiel hierfür dürfte weit oben in der List das Fremdgehen sein. Ein Lügennetz, welches am Ende jedem Schaden zufügt.
Und je höher die Rangposition des Menschen, desto größeren Schaden richtete am Ende die Lüge an. Bestes Beispiel wären in dem Fall die Politik, die nicht alles offenbart, um uns scheinbar zu schützen, doch sobald Wahrheitsfunken zum Tageslicht kommen und wir unsere eigene Meinung bilden können, ist es schon zu spät. Beim zweiten Weltkrieg wurden viele Lügennetze gestrickt, um jedem Deutschen klarzumachen, dass alle Anderen schlecht sind und nur sie die einzig wahren und Guten dieser Welt.

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Wären wir also ohne Lügen besser dran? 

Wenn von heut auf Morgen das Lügen schlichtweg nicht mehr möglich wäre, dann bin ich mir ziemlich sicher, würden wir uns in ein gewaltiges Chaos stürzen. Die Etikette nicht direkt jedem die Wahrheit ins Gesicht zu sagen (sieht mann, dass ich zu zugenommen habe? – Ähm, nee gar nicht…), um derer Gefühle zu schützen und sich in keinen mutwilligen Streit zu verwickeln, hat uns daraufhin erzogen, Unannehmlichkeiten aus dem Weg zu gehen. So habe wir stets uns und unsere Umwelt versucht zu schützen. Doch wenn wir plötzlich jedem die Wahrheit sagen, obwohl jeder es sein Leben lang gewöhnt ist, belogen zu werden, ich fürchte, dass viele Menschen (leider) schnell in Streitigkeiten verstrickt wären. Andererseits kann ich mir auch vorstellen, dass wir uns, wie mit so manch anderen Dingen die Neu sind, an die Situation gewöhnen würden. Und dann, ja vielleicht würden wir dann besser leben. Wesentlich besser. Keine Intrigen, keine Lügen, jeder müsste sich seinen Problemen stellen und viele Psychologen und Anwälte wären Arbeitslos. Oder es würden mehr Anwälte benötigt als zuvor, wer weiß das schon. Menschen würden merken, dass sie sich gar nicht leiden können und nur vorgaben Freunde zu sein, andersherum finden sich vielleicht so nur noch Freunde, die richtig sind? Keine Falschen Freunde mehr? Keine falschen Beziehungen mehr? Findet dann jeder zum Richtigen Menschen oder enden wir am Ende alle einsam und allein?
Bei der Politik hingegen und in den Medien wird es dann vielleicht zunächst ganz düster aussehen. Ich wüsste nicht, ob sie sich davon erholen könnten. Die Bild-Zeitung muss wahrscheinlich dann auf ein seriöses Blatt umsteigen.

Ohne Lügen aufwachsen 

Wenn wir jedoch ganz ohne Lügen aufwachsen, es also gewohnt sind mit der Wahrheit angesprochen zu werden, dann glaube ich, wäre dieser Ort vielleicht ein besserer. Vielleicht gäbe es keine Anschläge, keine Morde und vielleicht wird niemand hintergangen oder betrogen, vielleicht werden weniger Fehler gemacht, weil einfach jeder über seine und über all unsere Probleme spricht und so ganz vielleicht, keine Probleme mehr entstehen würden. Doch auch nur vielleicht. Es wäre ein schrecklicher Gedanke, wenn unsere Welt nur bestehen könnte, weil es Lügen gibt.

Was meint ihr?

X

Sarah

Comics: islieb.de
Titelbild: pixabay.com

 

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14 Kommentare zu „Was wäre, wenn niemand lügen könnte?

  1. Schwierige Sache. Die generellen Punkte hast du ja schon angesprochen.
    Ich würde allerdings zu der Annahme tendieren, dass eine Lügenfreie Welt noch mehr Chaos hervorbringen würde, als es ohnehin schon der Fall ist. Du sagst ja selbst, dass man gerne mal lügt, um die Gefühle anderer nicht zu verletzen. Aber wie reagieren Leute auf die Wahrheit? Enttäuschung und Aggressionen wären wohl die voraussichtlichste Folge. Es gibt eben solche und solche Menschen. Wenn du mir sagst, dass ich zugenommen habe, zucke ich nur mit den Schultern. Wenn ich dir das gleiche sage, reagierst du wahrscheinlich anders. Ein Dritter wiederum wäre vielleicht richtig angepisst.
    Dazu kommt natürlich die angesprochene Politik. Ohne Lügen, keine Politiker. Wer wählt denn den Typen da oben aus dem Bild? Keine Sau. Und wenn alle so sind wie er, weil niemand mehr lügt? Dan geht keiner wählen. Demokratie würde so nicht weiter existieren können.
    Zum Schluss der negativen Aspekte dann noch die Fiktion. Jede fiktive Geschichte ist ja genaugenommen eine Lüge. Also gäbe es keine erfundenen Geschichten mehr. Wäre irgendwie eine sehr langweilige Welt.

    Proargumente wären aber tatsächlich, dass man wohl einfach weniger verarscht würde, oder hingehalten (wie im Bild oben mit den Ausreden). Aber andererseits sind solche Sache auch Erfahrungen, mit denen man wächst und dazu lernt. Also will man die wirklich missen?

    Ich weiß nicht. Eine Welt ohne Lügen würde einfach nicht funktionieren, glaube ich.

    Interessant wäre allerdings auch mal der Gedankengang, was wohl hier los wäre, wenn die Lüge einfach nie existiert hätte.

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    1. Danke für deine ausführlichen Kommentar😊 ja das kann ich mir durchaus auch vorstellen, dass Reaktionen dementsprechend ausfallen würden. Das mit den Geschichten hatte ich in die andere Richtung gar nicht in Betracht gezogen… dann gäbe es wohl nur noch Sachbücher und Biographien😄

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  2. Die Fragestellung hat mich etwas an „Equilibrium“ erinnert – eine Welt komplett ohne Gefühle oder ein bisschen auch an „Brave New World“ in dem alle so zugedröhnt und konditioniert sind, dass Lügen eigentlich auch nicht existieren. „Konsens“ aller Visionen ist dabei, dass sowas vielleicht kurzfristig gut läuft, langfristig aber im Chaos endet.
    Zwar ist das etwas anderes, wenn sowas menschengegeben verboten, unterdrückt oder irgendwie manipuliert abgeschafft wird, als wenn es von Anfang an nie Lügen gegeben hätte, aber ich glaube, dass damit vieles schwerer und nicht einfacher werden würde – auch wenn die Grundprämisse, dass es keine Lügen gibt sicherlich verführerisch und erstrebenswert klingt. (Puh, das war jetzt irgendwie doch komplizierter, als ich gedacht hätte – sollte es unverständlich sein entschuldige ich mich mit der späten Uhrzeit (eine Lüge? Wer weiß^^))

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  3. Ich bin mir da nicht sicher. Vor einigen Jahren habe ich mal ein Experiment gemacht und diese kleinen Alltags-Schonlügen gelassen. Das hat den Freundeskreis doch ziemlich reduziert. Heute denke ich aussortiert. Ich versuche immer noch Ausreden und Lügen zu vermeiden, also im engsten Kreis und mir selber gegenüber. Das war eigentlich das Schlimmste, zu erkennen wie oft man sich selber versucht zu belügen. Wie leicht die leichten Kopfschmerzen zu einer fetten Migräne werden, weil man eigentlich nicht vor die Tür will.
    Ich denke die Natur oder was auch immer uns die Fähigkeit zu lügen mitgegeben, damit das Miteinander relativ reibungslos verlaufen kann. Aber wir haben es mittlerweile bis zur Meisterschaft entwickelt, besonders durch die sogenannte Zivilisation. Seit Menschen enger und in größeren Gruppen zusammenleben, dürften die Lügen zugenommen haben. In kleinen engen Gemeinschaften bleibt zu gut wie nichts geheim.
    Interessantes Thema. Muss ich noch mal weiter drauf rumdenken.
    Gruß Hilary

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    1. Danke für deinen Beitrag😊 wenn nur ein einzelner die Wahrheit beschliesst zu sagen und nicht mehr zu lügen, dann ist das natürlich am schwierigsten, weil alle anderen noch gleich sind und nur der einzelne anders ist. Die Selbstlüge ist sehr interessant, schwierig sich dabei zuvertappen

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  4. Ich selbst halte von Lügen generell nichts. Selbst wenn es im Alltag mal besser wäre, eine Notlüge zu verwenden.

    Ich mache es jetzt so, bevor ich lügen müsste, sage ich nichts. Besteht die Person auf eine Antwort, so frage ich sie, ob sie stark genug für die Wahrheit wäre.

    Wenn ich keine Lust zu etwas habe, dann sage ich das auch und schiebe nicht irgendwas vor.

    Klar hat man vielleicht nicht den größten Freundeskreis, jedoch die Menschen, die ich zu meinen Freunden zählen kann, sind meine Freunde, gerade weil ich direkt und ehrlich bin, genua das mögen sie an mir 🙂

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  5. Lügen sind im Allgemeinen nicht gut, aber Notlügen bzw. Ausreden wird fast jeder mal getätigt haben. Schlimm ist es allerdings, wenn durch Lügen Menschen zu Schaden kommen. Nicht nur im privaten Bereich, sonder auch, wenn Leute (Politiker usw.) ihren Beruf dazu benzten

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    1. Das sehe ich genauso, gerade in der Politik oder auch in den Medien wird so viel gelogen, dass es schwierig ist die Wahrheit überhaupt noch zu finden. Das Problem ist, dass gerade durch solche großen Instanzen eine breite Masse zu Schaden kommen kann

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