Schreibwelt

Der fiese Wordcount und warum er uns Autoren in den Wahnsinn treibt

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Oft werde ich gefragt, wie viele Seiten ich am Tag so schreibe. So generell, was denn mein Schnitt wäre. Dabei wird diese Form der Frage eher von Lesern oder Freunden formuliert. Autoren würden in der Hinsicht ganz anders nachfragen.

Seite ist nicht gleich Seite

Klingt vielleicht erst einmal komisch, doch von einer regulären Seite zu sprechen ist zunächst einmal kritisch zu betrachten. Denn es ist so: Nicht jeder Autor schreibt in der gleichen Formatierung. Wie ist die Seite eingerichtet? Wie lautet der Zeilenabstand? Schriftgröße? Schriftart? All das trägt dazu bei, dass auf einer Seite gleich mal die doppelten Wörter reinpassen und daher ein wirklicher Austausch oder eine direkte Aussage darüber, wie viel man eigentlich an Seiten pro Tag schafft, eher schlecht getroffen werden kann.

Die Normseite

Bevor jetzt die bösen Zeigefinger auftauchen und das Geschrei groß wird: Eine tatsächliche gängige Formatierung einer Seite, die viele Autoren kennen, gibt es wirklich. Sie wird die Normseite* genannt. Klingt simpel, doch sie erfüllt ihren Zweck. Denn sie ist ein Mittel, um sowohl anderen Autoren, vor allem jedoch Verlagen mitzuteilen, wie lang so ein Roman denn eigentlich ist. Denn mit Normseiten arbeiten vor allem Lektoren. So tauchen keine eigenartigen Schriftarten auf, nichts wird auf eine Seite gequetscht und alles sieht herrlich gleichschichtig aus. Wenn so manch Autor von der Anzahl seiner Seiten oder dem Fortschritt des Romans spricht, dann kann es sein, dass er die Aussage über die Normseite trifft. So lässt sich leicht beurteilen, wie weit das Werk ist oder wie umfangreich. Auch lässt sich einschätzen wie viel oder wenig man am Tag dadurch schafft.
Allerdings arbeiten nicht alle Autoren mit Normseiten. Zum Schluss wird der Text einfach in ein zweites Dokument geladen und zur Normseite formatiert, damit es auch Verlagskonform ist. Allerdings wirkt der Text recht langweilig, so dass viele einfach in einer selbst eingerichteten Seite arbeiten.
Ich persönlich schreibe alles komplett in Normseite.

Der Wordcount

Die meisten jedoch sprechen darüber, wie viele Wörter sie am Tag schaffen. Oft nimmt man sich eine gewisse Wortanzahl am Tag vor, die es zu erreichen gilt. Ein bestimmtes Montagsziel darf es auch gerne sein. So ist es leicht seine Ziele zu verfolgen und schnell reihen sich so viele Wörter aneinander und man hat direkt das Gefühl furchtbar viel an einem Tag geschafft zu haben. Stephen King zum Beispiel nimmt sich vor 2000 Wörter am Tag zu schreiben. Das ist ein wirklich guter Schnitt.
Mein höchster Satz an einem Tag waren 12 000 Wörter. Meinen Schnitt kann ich gar nicht so genau nennen, denn ich dokumentiere meine Wortanzahlen erst seit Januar 2017. Davor habe ich einfach geschrieben, ohne darauf zu achten. Viele würden sagen, dass das doch auch vollkommen in Ordnung sei, schließlich sollte der Spaß nicht verloren gehen und wenn man sich bis zu einer gewissen Wortzahl zwingt, geht die Freude daran verloren. Das würde ich allerdings nicht so unterschreiben. Die Sache ist nämlich die: Es gibt Tage, da läuft es echt schlecht. Der Plot ist nicht aufgefeilt genug, irgendetwas stimmt nicht, eine Passage muss überarbeitet werden, damit weiter geschrieben kann und irgendwie geht es nicht voran. Es ist dann gut zu wissen, wie viel man überhaupt geschafft und dass man rückwirkend sehen kann, wie viel man zuvor erreicht hat und weiß, dass so kleinere Phasen vollkommen in Ordnung sind. Denn die guten Schreibtage gab es schließlich auch.

Monatsziele

Sich selbst ein Monatsziel zu setzen, ist wirklich super. Durch den NaNoWriMo (National Novel Writing Month, Wortziel im November 50 000 Wörter) kam dieser Gedanke überhaupt erst auf. Danach galt es sich zu überlegen: Wie viel will ich eigentlich regulär in einem Monat schaffen?
Die Schreibnacht hat sich dazu auch Gedanken gemacht und den WriYoBo ins Leben gerufen. Es ist ein Schreibmarathon der gesonderten Art: Wir wurden in vier Gilden aufgeteilt. Es gilt so viel in einem Jahr zu schreiben, wie es einem möglich ist, einen Wordcount von 10 000 im Monat darf jedoch nicht unterschritten werden. Zu wissen, dass auch andere dieses Ziel haben, motiviert ungemein selbst auch zu schreiben. Dadurch tauchen keine faulen Ausreden auf. Mal abgesehen davon, dass es ein unglaubliches Gefühl ist zu wissen, dass dort draußen so viele Schreiberlinge sind, die genau dasselbe tun: Nämlich in ihre Geschichten eintauchen und weiterschreiben. Schreiben. Schreiben. Schreiben.

Den Überblick behalten

Wenn man nicht unbedingt der Typ für eine größere Community ist, oder einfach nur für sich die Wörter zählen möchte, um einen kleinen Schubser für zwischendurch zu erhalten, der kann sich entweder einfach selbst eine Jahres-Excell-Tabelle erstellen, in dem jeder Monat auftaucht und alles aufs Jahr gestaffelt wird. Oder man lädt sich eine App runter. Es gibt unglaublich viele Apps die dabei behilflich sein können. So manch eine erinnert einen daran zu schreiben, wenn man den täglichen Wortcount noch nicht eingetragen hat. Wirklich praktisch. Und auch wenn es sich so manch einer vielleicht nicht vorstellen kann: JA, wirklich! Es spornt einen an zu schreiben, auch, wenn so mancher Tag vielleicht nicht so gut verlaufen ist. Probiert es aus, vielleicht entdeckt ihr ja was für euch.

 

SR


Ein paar Definitionen, die andernfalls den Lesefluss vielleicht stören:
*Normseite, dieDie Normseite ist eine Hilfsgröße, mit der man den Umfang eines Manuskripts abschätzen kann. (…) 30 Zeilen zu jeweils maximal 60 Anschlägen. (…) Von der VG Wort vereinfacht als Normseite à 1500 Zeichen.

 

Quelle:
Wikipedia

 

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11 Kommentare zu „Der fiese Wordcount und warum er uns Autoren in den Wahnsinn treibt

    1. Hallo Michael 🙂
      schön, dass du vorbei schaust :3
      ouh, gut, dass du diese Frage stellst, dann werde ich auch gleich mal ein paar Apps im Artikel hinzufügen 🙂
      ich persönlich habe „Habitica“ mal ausprobiert. Das ist eine App, in der man selbst seine Aufgaben und Ziele feststeckt. Wenn man sie erreicht, dann kriegt man dafür eine Belohnung, in Form von Punkten. Eine witzige Art von Motivation 🙂
      Für den Word-Count selbst, habe ich mehrere Varianten gefunden. Zum einen „Novel Word Count“ kostet allerdings 0,99€.
      Darüber hinaus noch „Word Keeper“ Die App sieht ziemlich cool aus, kostet allerdings 4,99 €.
      Ich selbst habe die ausschließlichen Word-Count-Apps nicht ausprobiert. Suche jedoch noch nach einer passenden und werde dann einen ausführlichen Bericht erstatten, welche mir am Ende am besten gefallen hat 🙂
      Liebe Grüße
      Sarah

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      1. Vielen Dank, Sarah, für die umfangreichen Tipps! Dann werde ich mich gelegentlich auch mal umschauen. Besonders halt für den Word-Count. Hier habe ich ein wenig die Eigenmotivation verloren, mir das aufzuschreiben/zu merken und vielleicht bekomme ich die mit App-Hilfe ja zurück.

        Liebe Grüße
        Michael

        Gefällt 1 Person

  1. Ich glaube, ich würde mich am ehesten an einem eigenen Durchschnitt orientieren, statt im Vorhinein plump eine bestimmte Zahl festzulegen. Dann entsteht kein übermäßiger Druck, sondern man schreibt im eigenen, „natürlichen“ Tempo und hat dennoch einen gewissen Zwang, täglich diese gesetzte Menge zu erreichen.

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    1. Das eigene Wortziel ist auch nur eine grobe Orientierung 🙂 Meist ist es nur eine niederige Zahl, zB 300 Wörter, um sich überhaupt an den PC zu setzen 🙂 wenn man die Anzahl nicht schafft, ist es ja nicht schlimm :3 Allerdings muss jeder selbst erfahren, welche Methodik am besten ist 🙂 für mich funktioniert es so super, weil ich mich dann wirkliche regelmäßig an mein Manuskript setze – dieses tägliche Schreiben hat mir früher sehr gefehlt, dadurch kam ich nur schleppend voran und bin oft nicht wirklich im Text selbst dringewesen und brauchte erst einige Zeit, bis ich wieder wusste, was ich eigentlich schreiben oder wo ich fortfahren wollte. Jetzt habe ich eine eigene Routine 🙂 das tut echt gut ^_^

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