Schreibwelt

Störfaktoren an die Bücherwelt

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Neben dem Schreiben lese ich auch unwahrscheinlich gerne. Es fängt schließlich irgendwie mit der Liebe zu Geschichten an. Dabei ordne ich mich eigentlich keinem bestimmten Genre zu. Ich lese gerne alles. Ja, wirklich. Solange die Story gut ist, packt mich so gut wie jedes Genre. Aber bitte, bitte, liebe Buchwelt dort draußen: Bring nicht immer dieselben Stories nur mit anderen Namen auf den Markt.

Frust sammelt sich selten allein

Die Idee für diesen Artikel bekam ich, als ich auf anderen Seiten herumstöberte, unterschiedliche Rezensionen las, hier und dort einen interessanten Artikel aufgriff und dann bei Frau Schreibseeles Schreibblog hängen blieb. Sie verfasste einen Post auf ihrer Facebookseite, in dem sie buechereckenliebe vorstellte, die einen Beitrag über die Dinge schrieb, die sie in Büchern nicht mehr lesen möchte. Die Idee stammt von chaoskingdom, die eine Wunschliste aufstellte, mit Dingen, die in Büchern auch mal vorkommen sollten, anstatt immer nur die gleichen Geschichten lesen zu müssen.

Das hat mich dazu gebracht selbst auch etwas in der Art auszuformulieren. Und hier sind sie, meine Störfaktoren an die Bücherwelt. Denn ich sehe das ganze etwas anders. Es ist nicht so, dass wir Autoren keine anderen Ideen haben. Verlage verlangen förmlich, dass man nach dem Trend schreibt. Wenn man sich nicht nach den Geschichten dort draußen orientiert, hat man keine besonders großen Chancen. Dabei mache ich den meisten Verlagen in den Punkt nicht einmal einen allzu großen Vorwurf: Sie wollen schließlich Bücher verkaufen und wenn die Leser nach dem Stoff verlangen, wie können sie dann nein sagen? Ich finde es nur etwas schade. Schade, dass niemand den Mut aufbringen kann, sich an etwas Neuem heranzuwagen.

Die unnötigen unzähligen Bad-Boy-Geschichten

Es ist schon recht eigenartig, was für ein Trend sich eigentlich in der Bücherwelt breitmacht. Da wird einem als Frau ja ganz schlecht. Das interessante ist, dass die meisten Leser Frauen sind. Ich lese ja auch gerne Liebesgeschichten. Und von mir aus, kann auch gelegentlich der Ritter in goldener Rüstung seine Prinzessin retten. Aber ist es denn wirklich notwendig, dass in jedem verdammten Buch der Arsch die Protagonistin am Ende kriegt? Ich mein, echt jetzt? Jetzt mal so richtig im ernst? HALLO?!
Ich weiß ja nicht, vielleicht bin ich in der Sicht einfach zu modern, aber ich persönlich finde es ja nicht so nett, wenn man so beschissen behandelt wird. Aber ok.
Obendrein werden die meisten Bücher auch noch von Frauen geschrieben. Was soll das? Wenn es ein solches Exemplar gibt. Ja gut. Aber mittlerweile scheint es nur noch solche Romancen zu geben, in denen Männer Frauen unglaublich schlecht behandeln und mich beschleicht der Eindruck, je schlimmer, desto größer der Erfolg des Buches.
WHAT IS GOING ON?!
Aktuelles Beispiel: Paper Princess. Ja, ich habe das Buch in dem Wissen gekauft, dass es nicht gerade eine Kuschel-Lektüre ist. Aber meine Güte, ich kann beim besten Willen die Euphorie um diese Roman-Reihe nicht verstehen. Was denkt denn die Bücherwelt über uns Frauen? Die klare Aussage: Je schlechter sie behandelt werden, ganz gleich wie tough sich die Protagonistin gibt, desto mehr mag sie den Typen. Das ist mir mittlerweile echt zu blöd. Als wären Frauen rein oberflächlich gesteuerte Wesen, denen alle anderen Werte total egal sind, solange das Äußere stimmt. Da sag ich nur: Feminismus verabschiede dich wieder, irgendwie hat das hier nicht so gut funktioniert.
Versteht mich nicht falsch. Neckereien sind ja ganz nett. Und ich liebe Liebesgeschichten, ich bin selbst verheiratet und liebe romantischen Kitsch über alles, aber bitte doch nicht so. Gibt es denn keine schönen Geschichten mehr, in denen Frauen auch einfach mal gut behandelt werden? Oder allgemein sich beide gut behandeln, weil sie sich nun einmal lieben und es andere Störfaktoren gibt, als dieser unsinnige selbstverliebte Bad-Boy? Da vergeht einem wirklich die Lust zu lesen. Und im übrigen auch zu schreiben. Denn im Verlagswesen wird ja fast schon erwartet, dass man diesen Klassiker erfüllt.

Dystopie, doch irgendwie ohne Dystopie

Das ist wirklich schade. Dieses Genre hat so viel Potenzial. Ich liebe Dystopien. Mit dem Gedanken zu spielen, wie sich die Welt entwickeln kann. Wie sich die Menschen verhalten, gegeneinander arbeiten, statt gegen die Regierung. Hach, herrlich, wirklich. Und hier und dort gibt es wirklich ausgeklügelte Ideen. Und dann gibt es noch diese Romane, in denen unbedingt eine Liebesgeschichte vorkommen muss. Ich meine Tribute von Panem war einfach super cool. Kein Kitsch. Kein Unsinn. Es geht hauptsächlich wirklich um diese dystopische Welt. Und natürlich kann sich da auch jemand verlieben. Liebe gehört auch zum Leben dazu und das ist auch gut so. Aber sie muss doch nicht in jedem Genre mittlerweile im Vordergrund stehen, vor allem nicht jedes mal mit derselben stumpfen Geschichte. Etwas Originalität bitte, Dankeschön!

Wenn ich bereits im Klappentext Kommissar lese, lege ich das Buch zur Seite

Mir ist schon klar, dass es Sinn macht, dass ein Krimi aus der Sicht eines Kommissars geschrieben wird. Aber warum haben sie alle solche großen Probleme? Und weshalb ist das Mordopfer mittlerweile sooft mit dem Kommissar irgendwie persönlich verbunden? Das sind mir schon so viele Zufälle auf einmal, dass ich nicht einmal ein bisschen das Verlangen habe das Buch überhaupt zu lesen. Etwas mehr Abwechslung täte jedem Genre mal nicht schlecht.

Fantasy ohne Fantasie

Anders kann ich es eigentlich nicht ausdrücken. Immer wieder kommen dieselben Wesen vor. Als wäre selbst Fantasy, ein Genre über Welten und Wesen, die es nicht gibt, also ein Genre in dem man sich so richtig austoben kann, auf ungefähr 5 Wesen beschränkt: Feen. Elfen. Vampire. Werwölfe. Magier. So und das war es dann auch schon! Ähm. Warum? Warum nichts Neues? Warum nicht einfach vollkommen neue Wesen erfinden? Ich sage es euch: Weil es dann zu anders ist. Weil sich das niemand traut. Doch ist es nicht auf Dauer total langweilig?

Es gibt natürlich auch solche, die es einfach können. Fitzek zum Beispiel.

Ja, so ist es. Jedes Buch ist anders. Jede Idee besser, neuer und spannender. Jedes Mal macht mich allein der Funke so neugierig, dass ich das Buch kaufe, bevor ich weiß, worum es geht. Da reicht ein Satz zum Inhalt und zack. So macht es Fitzek. Bitte mehr davon.
Oder auch Walter Moers. Die Bücher sind so verrückt, einzigartig und wundervoll, dass ich wieder gelernt habe Fantasy zu lieben. Nicht immer wieder dieselbe Kulisse oder dieselben Wesen und Figuren. Nein, Walter Moers macht es anders: Er schreibt einfach über Dinge, die niemand kennt und erfindet alles neu. Und genau das erwarte ich auch irgendwie von Fantasy.

Liebe Schreiberlinge & Verlage dort draußen: Traut euch etwas Neues zu entwerfen. Ich bin mir sicher, dass wir Leser auch wagemutig genug sind, um diese Geschichten zu lesen.

 

Alles Liebe

SR

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22 Kommentare zu „Störfaktoren an die Bücherwelt

  1. Kann ich so unterschreiben. Ganz besonders den Punkt der Liebesgeschichte in jeglichen Romanen. Ich hab nix gegen bisschen Romantik, aber es gibt Genre, in denen ich das weder brauche noch erwarte. Und dann ist sie doch da, die Liebesgeschichte, die den ganzen Rahmen der Handlung durcheinanderbringt und unnötig streckt oder verkompliziert.

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  2. Liebe Sarah,
    das hast die großartig zusammengefasst. Ich könnte jeden deiner Sätze unterschreiben. In letzter Zeit greife ich immer mehr zu Belletristik, eben wegen dieser Geschichten nach Schema F. Klar finde ich das auch gut (ausgenommen Paper Princess!), ab und an mal und in Maßen. Doch der Buchmarkt wird regelrecht mit Bad Boys, Werwölfen und so weiter geflutet. Wirklich schade, denn es geht besser. Dann lieber weniger Masse, dafür mehr Qualität ☺️
    Liebe Grüße,
    Anna

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    1. Hey Anna,
      Ich lese auch im Moment die Obsidian-Reihe und es ist ja auch mal schön wieder diese klassischen Liebesgeschichten zu lesen mit ein Klischees. Allerdings muss es auch authentisch wirken und die Geschichte zu etwas Besonderem machen. Doch diese Bad-Boy-Angelegenheiten in Paper Princess sind einfach das totale K.O für mich 😅
      Immerhin gibt es noch schöne Bücher dort draußen, sonst würde ich verzweifeln. Ich hoffe, dass auch die Verlagsbranche mit der Zeit merkt, dass man nicht jeden Trend nacheifern muss.

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      1. Hi Sarah,
        die ganze Paper Princess-Thematik zu verfolgen ist wirklich ungeheuer interessant. Vor allem aber ist spannend, was unter anderem durch dieses Buch an Bewegung losgetreten würde ☺️
        Die Branche wird sicherlich bald wieder ihren Schwerpunkt auf andere Geschichten setzen. Hoffe ich 😅

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      2. Ja es ist wirklich faszinierend, dass es solche kontroverse Ansichten gibt 😄 mich stört auch nicht an dem Buch, dass es unter die Gürtellinie geht, nur wie sich die Protagonistin verhält 😄 aber ich werde wohl doch noch eine Rezension dazu nachholen 😄

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  3. Kann ich auch so unterschreiben. Es braucht neue Ideen und nicht ständig aufgewärmtes. Und dieses Frauenbild. Unmöglich. Ich frage mich ob Shades of Grey das nicht mit ausgelöst hat? Ich habe die Bücher nicht gelesen – aber sind danach irgendwelche geheimen Barrikaden gefallen. Wollen wir wirklich so behandelt werden? Also ich nicht und ich will es auch nicht lesen.
    LG

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    1. Fifty Shades of Grey habe ich ebenfalls nicht gelesen. Allerdings Paper Princess. Ich hoffe, dass Verlage sich darüber im Klaren sein werden, dass dies keine Bücher für Teenager sind, die noch lernen müssen, wer sie sein wollen.
      Ich hoffe auf bessere Geschichten 💙

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    1. Die Verlage könnten die Buchbranche so stark positiv beeinflussen. Es ist schade, dass sich oft nur kleine Verlage für besondere Geschichten stark machen, obwohl man meinen könnte, dass gerade die Größeren die Ressourcen hätten mal etwas Neues zu wagen. Ich bin gespannt wie der nächste Trend aussehen wird 😅

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  4. Liebe Sarah,

    wow ein toller Beitrag den ich nur unterstreichen kann.
    Es ist schlimm, dass diese Klischees einfach so überlaufen sind und die Verlage auch gar nichts anderes wollen. Krimis (außer die von Fitzek) lese ich schon gar nicht mehr, weil sie alle eigentlich gleich sind und nichts Neues mehr bieten und auch bei Fantasybüchern achte ich mittlerweile stark darauf, nichts typisches zu lesen, wenn es geht. Neue Wesen, neue Ideen, alte Mythologien … sowas ist doch viel interessanter.

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    1. Hallo 🙂
      freut mich, dass du vorbeischaust.
      Ja, es ist in der tat wirklich sehr schade, dass sich die Trends durch alle Genre ziehen. Es dauert wirklich lange, bis mich ein Klappentext anzieht und ich es wirklich lesen will. Die Ideen überschneiden sich so drastisch, dass ich nur die Augen rollen kann. Was wirklich schade ist. Es gibt so viele Romane, die Potenzial hätten, aber Verlage trauen sich in vielen Fällen einfach nicht etwas Mut zu zeigen.
      Ich hoffe, dass sich mal neue Trends entwickeln und Geschichten auftauchen, die Freude am Lesen bereiten :‘)
      Liebe Grüße
      Sarah

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  5. Ich bin da immer etwas zwiegespalten. Zu Paper Princess kann ich nichts sagen – aber gerade wegen der Kontroversen, die es hervorruft, wegen der unterschiedlichen Meinungen (ich kenne mittlerweile verdammt viele, die es entweder vergöttern oder verdammen – anscheinend geht dort nur schwarz/weiß) wird hier auch der Verlag an mir wohl noch verdienen und die Reihe in meinen Besitz wandern, rein interessehalber.
    Generell ähnelt sich in letzter Zeit viel … aber das kann ich entschuldigen, wenn die Umsetzung perfekt ist. Royal und Selection sind beides keine innovativen Werke, sondern verlagern den Bachelor in eine monarchistisch-dystopische Welt – und gehören dennoch zu den besten Büchern, die ich seit langem gelesen habe. Und wenn ich dann noch daran denke, wie viele Märchenbücher/-Adaptionen es derzeit gibt. Aber wenn ich an die Meisterwerke von Julia Adrian, Halo Summer oder Nina MacKay denke, möchte ich das Leseerlebnis um nichts auf der Welt eintauschen …, da verzichte ich gern auf das ein oder andere Experiment abseits des Mainstreams, auch wenn sich dort ebenfalls viel Wertvolles tummelt. Ah, und als (zumindest teilweise) Romance-Autor stören mich Liebesgeschichten in Büchern auch nicht – auch nicht in genrefremden Titeln :).

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    1. Hey Erik 🙂
      ich kann es gut nachvollziehen, was du geschrieben hast 🙂 Für einige Zeit störte es mich eigentlich auch überhaupt nicht. Ich lese auch unwahrscheinlich gerne Liebesgeschichten und mag es auch, dass sie sich in anderen Genres einmischen. Allerdings fehlt es mir an mancher Stelle an Authentizität. Obendrein vermischen sich die Grenzen und mir scheint, dass die Qualität bei so manchen Romanen auf der Strecke bleibt.
      Dennoch freut es mich zu hören, dass es dir bislang noch nicht so ergangen ist 🙂 das ist schön. Genieß die Lesezeit. Welches Buch verschlingst du denn im Moment?

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      1. Ich habe heute – etwas Abwechslung von den Märchen muss sein^^ – mit „BookElements“ von Stefanie Hasse begonnen, als nächstes folgt dann sogar ein SP-Buch mit „Seductio“ von Regina Meißner, bevor ich dann zum Drachenmond Verlag mit „Snow Heart“ von Andi Dutter/Olivia Mikula zurückkehre 🙂

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      2. Ich habe dafür den ersten Teil der Obsidian-Reihe zu liegen ^^ – und auch nen meterhohen SuB :). Andis Buch ist jetzt halt reingerutscht, da ich am fantastischen Lesefrühling teilgenommen habe und er einer der beteiligten Autoren war^^. Immerhin bin ich so zu einigen Drachen gekommen 🙂

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      3. OH du MUSST Obsidian lesen 😀 hach, die Reihe treibt mich total in den Wahnsinn. Die nächsten Rezensionen folgen Morgen und Sonntag, damit ich die restliche Welt, die dem Fieber nicht so verfallen ist, vor meinem Elan schone, haha.

        Achso sieht das aus. Na immerhin, schaffst du es deinen SUB irgendwie abzuarbeiten. Bei mir läuft es eher so: Ein Buch gelesen, zwei Neue wieder da xD

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      4. Ach nein, abgebaut wird hier auch gar nicht, wenn ich mit Grausen an die Buchmesse zurück denke *g*. Ich lese zwar in letzter Zeit wieder mehr, aber das verlangsamt nur das Wachsen des SuB – umkehren kann ich es noch nicht^^.

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