Buchwelt

Wenn man einen Booknerd mit ins Kino nimmt

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Derzeit lese ich die Reihe Die Bestimmung. Dabei habe ich meine Rezension gepostet und bin überrascht darüber gewesen, wie viele mir von den Filmen abgeraten haben: Denn die Filme habe ich zuerst gesehen und habe mir die Bücher gekauft, weil ich sie so gut fand.

Frust der Booknerds

Wir lieben Bücher. Die Geschichten führen uns in Welten, die unfassbar einzigartig sind. Wir fühlen mit den Charakteren, mit ihrem Leiden, ihren Leben und versinken in den Geschichten, als hätten wir unendlich viele Leben zur Verfügung. Dabei machen wir uns sehr konkret Gedanken dazu, wie die dargestellten Personen, ihre Ausdrucksweise und alles, was wir mit ihnen verbinden, umgesetzt wird. Und wenn wir richtig gute Bücher entdecken. Unfassbar wertvolle Geschichten. Und sie dann auch noch verfilmt werden, eben, weil sie so unglaublich sind, erleiden wir bereits bei der Auswahl der Schauspieler einen kolossalen Nervenzusammenbruch.

SO WAR DAS IM BUCH ABER NICHT!

In erster Instanz wird so ein Buch ja verfilmt, weil das Buch, so wie es geschrieben wurde, unglaublich erfolgreich war. Daher ist es ja auch nur logisch, dass genau dieser Inhalt auch wieder auf der Leinwand wiederzufinden ist, oder? Schließlich wollen wir das Buch, diese Geschichte und keine andere, dort im Kino sehen. SONST HÄTTE MAN AUCH IRGENDETWAS VERFILMEN KÖNNEN UND NICHT DIESES BUCH, ODER?
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Das Problem ist nur: Diesen Umstand verstehen natürlich nur diejenigen, die das Buch auch gelesen haben. Grundsätzlich, um für die Zukunft etwaige Kriege zwischen normalen Kinobesuchern und Büchermenschen zu umgehen, sollte es vielleicht immer die Option von getrennten Kinovorstellungen geben. Die für die Leser und die für die Unwissenden. Für die Idee sollte ich wohl mal ein Patent beantragen.

Die Kunst des Films

Dabei darf nicht außer Acht gelassen werden, dass die Branche des Filmwesens genauso eine kunstvolle Bedeutung zuzuschreiben ist, wie die der Literatur. Gewisse Gedanken lassen sich manchmal nur mit Worten und inneren Dialogen festhalten. Dahingegen schafft es eine Filmszene ganz andere Punkte nicht weniger beeindruckend durch die Schauspielkunst umzusetzen. Und das ist wundervoll. Deshalb lieben wir Filme ebenso, wie Geschichten in Büchern. Meist, wenn es zu den Filmen keine Bücher gibt. Oder wir die Filme zuerst gesehen haben.
Allerdings ist die Qualität des Films stark abhängig davon, wie viel Liebe und Originalität die Filme-People bereit sind zu investieren. Auch hier gilt es einen Bestseller unter den Regisseuren und Produzenten zu finden. Genauso bezüglich der Auswahl der Schauspieler. Und leider ist eine perfekte Buchgrundlage nicht gleich Grund dafür auch ein super Filmteam ans Land zu ziehen. Dabei ist es ein schwieriger Akt alle Gemüter zufrieden zu stellen. Wie es nunmal bei so gut wie jedem Film oder Buch ist. Allerdings hat man bei einer Buchverfilmung von vornherein sehr starke Kritiker im Rücken. Denn wir Leser wissen, wie es EIGENTLICH hätte ablaufen sollen.
Dass Szenen gestrichen werden, ist mehr als verständlich. Schließlich kann nicht jedes Detail, jeder Gedankenzug, jede popelige unwichtige Nebenhandlung, mitverfilmt werden. Allerdings hat wohl nicht jeder Regisseur oder Drehbuchautor das gewisse Feingefühl dafür, was tatsächlich wichtig gewesen wäre.

Weshalb ich Filme gerne zuerst gucke

Um mich nicht über eigentlich belanglose Details aufzuregen und schlussendlich in einer einzigen Tirade während des Films und vor allem noch sehr lange danach, über die Unterschiede zum Buch aufzuregen, sehe ich mir wenn möglich die Filme an, bevor ich die Bücher lese. Natürlich passiert das nicht allzu oft. Schließlich kommen die Bücher weit vorher raus und ganz gleich wie gut das Buch ist, ob es verfilmt werden soll, wird meist erst viele Jahre später beschlossen und umgesetzt. Und ich kann wohl kaum alle guten Bücher umgehen, bis feststeht, ob sich irgendwer dazu durchringt es zu verfilmen.
Für den Fall, dass man hier und dort vielleicht doch eine Buchreihe oder einen Roman übersehen hat, wäre es wirklich von Vorteil sich den Film erst einmal ohne Backgroundwissen anzusehen. Das ist echt entspannend. Und man ist unglaublich unvoreingenommen und kann sich ganz in Ruhe mit allen anderen über die mangelnde Qualität aufregen, ohne als besserwisserischer Booknerd in die Mecker-Ecke abgestellt zu werden. Oder man genießt den Film einfach.

Gut umgesetzte Filme

Schwierigkeiten finden sich vor allem oft in Umsetzungen von Fantasyromanen. Überall muss immer mit einem gewissen begrenztem Budget gearbeitet werden. Was vor allem im Fantasy-Genre ein Problem darstellt, und leider eben dort auch oft zu schlechten Ergebnissen führt.
Was allerdings oft leicht oder vielleicht etwas einfacher und geschickter umzusetzen scheint, sind solche Romane, die zunächst einmal nicht sonderlich viele Charaktere und Beziehungen vorzuweisen haben, schließlich muss an dieser Stelle auch nicht viel gestrichen werden, genauso, wie ein einfaches Setting. Wenn der Fokus zum Beispiel auf der Beziehung zwischen zwei Menschen steht (dabei muss es sich nicht grundsätzlich um eine Liebesbeziehung handeln) ist es nicht allzu schwer die Vorlage des Romans zu nutzen und das meiste umzusetzen oder nur den Umständen entsprechend zu ändern. Dies soll bedeuten, dass es nun mal Dinge gibt, die zwar im Buch interessant zu lesen sind, auf der Leinwand aber vielleicht nicht allzu gut oder genauso tragend umzusetzen sind und daher durch ebenso gute Szenen ersetzt werden können. Und irgendwie ist es auch manchmal schön, wenn man als besserwisserischer Leser plötzlich Szenen zu sehen bekommt, die man gar nicht kennt und sie trotzdem fantastisch in die Geschichte hineinpassen. Es wäre schließlich auch sehr langweilig, wenn man 1:1 alles übernimmt.

Dabei gefielen mir folgende Filme von der Umsetzung her sehr gut: 

Ein ganzes halbes Jahr. Buch zuerst gelesen und sowohl bei Film als auch beim Buch Rotz und Wasser geheult. Die Schauspieler wurden so perfekt gewählt! Emilia Clarke hat eine so unglaublich lustige und emotionale Darstellung aufs Parkett gelegt, wirklich wunderbar gelungen.

Beim Leben meiner Schwester. Dabei kannte ich den Film zuerst und könnte ihn immer wieder sehen. Es ist unfassbar schön. Das Buch habe ich danach aus Interesse gelesen und muss gestehen, dass ich an dieser Stelle im Buch auf ein paar Szenen und Zwischenhandlungen hätte verzichten können, was die Geschichte allerdings nicht weniger schön gestaltete. Hier empfand ich es keineswegs störend, dass sich einige Dinge stark unterschieden oder gänzlich gestrichen wurden. Beide Stories vermitteln einen ganz eigenen Punkt und das auf eine sehr einzigartige Weise.

Harry Potter. An dieser Stelle muss ich gestehen, dass ich zuerst die Filme 1-5 gesehen habe, bevor ich die Bücher gelesen habe. Wofür ich sehr dankbar bin. Nachdem ich die Bücher gelesen habe, wunderte ich mich, wie man eigentlich auch nur ein Wort aus den Filmen verstehen kann OHNE ALL DAS RESTLICHE WISSEN! Die Filme wurden so gut umgesetzt, dass es als Unwissender eigentlich gar nichts ausmacht, dass quasi alles fehlt. Und gleichzeitig stört es als Potterhead nicht, dass nicht jedes Detail der Zaubererwelt umgesetzt wurden, schlichtweg, weil auch nicht alles möglich gewesen wäre und die zentralen Punkte schließlich vorgekommen sind. Dazu ist der Charme der Filme einfach unvergleichlich und weckt Kindheitserinnerungen.

Twilight. Gut. Robert Pattinson wäre jetzt  nicht unbedingt meine erste Wahl für Edward gewesen, dennoch haben mir die Filme sehr gefallen und ich bin den Filmen wie ein verrückter Groupie entgegengefiebert. Dabei war es allerdings auch nicht sonderlich schwierig sich fast vollständig an die Buchgrundlage zu orientieren. SO VIEL passiert schließlich auch wieder nicht. Auf sonderlich viel Handlung kommt es in dem Bereich ja auch nicht an. Dabei fand ich vor allem Breaking Dawn sehr gut umgesetzt (eigentlich viel besser, als das Buch, das hat sich so entsetzlich in die Länge gezogen, GÄHN).

Der Marsianer. Ich habe zuerst den Film gesehen und fand ihn so witzig! Oh mein Gott! Es gehörte zu meinen totalen Highlights 2016. Danach habe ich mir das Buch geholt und fand es ebenso gut. Der Humor wurde perfekt umgesetzt, genauso wie die Details aus dem Buch und der Nervenkitzel.

Tribute von Panem. Ich habe diese Bücher-Reihe so durchgesuchtet! WOAH und die Filme sind einfach unglaublich umgesetzt worden. Haben alle meine Erwartungen übertroffen und Befürchtungen begraben. Die Wahl der Schauspieler ist so perfekt, genauso, wie die gewählten übernommenen Details. Als wäre ein Fan der Bücher selbst am Werk gewesen, gefällt mir sehr gut.

Die Bestimmung. Aktuell gefällt mir der erste Filme sehr gut und dass, obwohl ich damit wohl die einzige zu sein scheine. Wie oben erwähnt habe ich zuerst die Filme gesehen und nun erst die Bücher gelesen. Dabei kenne ich den ersten und zweiten Film. Ich bin sehr überrascht darüber, wie schlecht die meisten die Filme fanden. Selbst, nachdem ich nun das erste und zweite Buch gelesen habe, muss ich sagen, dass mir die Umsetzung dennoch sehr gut gefällt! Natürlich: Sie unterscheiden sich in manchen Gegebenheiten extrem, vor allem im zweiten Film, aber so ganz ohne Wissen, wie es eigentlich ausgegangen wäre, haben mir die Filme sehr gut gefallen. Wahrscheinlich, weil mich vor allem die Grundidee, die schließlich beibehalten wurde, sehr gefallen hat und mich in den Bann zog.

The Notebook. Schnief. Einfach schön. Beides. Perfekte Schauspieler, perfektes Setting, einfach wunderschön.

Welche Filme mir nicht so gefallen haben

Die Edelstein-Trilogie. Oh. Mein. Gott. Die Filme sind eine totale Katastrophe. Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll. Dabei liegt es keineswegs an den gravierenden Unterschieden zum Buch (wobei da wahrscheinlich einiges hätte gerettet werden können!), sondern einfach an allem. Die Umsetzung des Films ist teilweise so grausam schlecht! An einigen Stellen wird einfach zu deutlich, dass man hätte wohl noch etwas mehr Geld investieren müssen, um wirklich etwas daraus zu machen. Allein die Special-Effekts. OH MAN! Darüber hinaus wird total unvermittelt plötzlich Hip-Hop-Musik in einer Kampfszene eingespielt? HÄ? Dazu hat mir die Wahl der Schauspieler nicht sonderlich gefallen. Irgendwie konnten sie die Charaktere nicht so verkörpern, dass sie authentisch wirkten. MEEEEEEEEH. Bitte noch einmal in gut, ja?

Eragon. Ich habe ja muss ich gestehen nur das erste Buch gelesen. Es ist nicht so mein Fall, aber ich dachte mir, dass mich vielleicht der Film überzeugen kann. Dabei ist der noch schlimmer, als das Buch. HIEKS.

Tintenherz. Die Bücher sind so wunderschön. Und der Film ist so blöd. Die Idee alle drei Bücher in einen Film zu packen, wer hatte die nochmal? Was für ein Reinfall. Meist werden Filme noch aufgesplittet, um eine Buchreihe umfangreich zu verfilmen. Doch hier ist das irgendwie in die verkehrte Richtung gegangen und das fand ich wirklich schade. DREI BÜCHER IN EINEM FILM?!

Filme, bei denen ich die Bücher noch nicht gelesen habe

Der Herr der Ringe. Ja, lüncht mich, ich habe die Bücher nicht gelesen (oder vielmehr das fette Buch, welches in mehreren eingeteilt ist). Es liegt schmollend auf dem SuB. Die Filme sind dahingegen großartig und dürfen bei keinem Filmemarathon bei uns Zuhause fehlen.

Der Hobbit. Same here.

Die Chroniken von Narnia. Ich finde die Filme echt schön, auch wenn sie an manchen Stellen etwas schräg sind. Das Buch liegt allerdings auf dem SUB.

Der goldene Kompass. Ein wunderbarer Film, mit so coolen Elementen! Das Buch muss ich mir allerdings noch kaufen, wenn ich mir mein Regal so angucke.


Na, was sind eure Erfahrungen? Nehmt ihr das nicht so ernst, regt ihr euch auch auf oder wie seht ihr den Vergleich von Buch und Film und Buchverfilmungen?
Habt ihr Beispiele, die ihr besonders mochtet, oder auch solche, über die ihr euch unglaublich aufregt?

Alles Liebe SR


Quelle:
Bilder: Pixabay.com
Titelbild: Copyright by Sarah Ricchizzi

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6 Kommentare zu „Wenn man einen Booknerd mit ins Kino nimmt

  1. Ich fande die Edelsteintrilogie gar nicht mal so schlecht, besonders die Schauspieler nicht ^^ Aber das mag auch daran liegen, dass ich einen Großteil der Schauspieler vorher kannte und sehr mochte.

    Und ja, Harry Potter ist und bleibt perfekt, in jeglicher Hinsicht. ❤

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  2. Hallöchen Sarah,
    Ich fande die Umsetzung von ,, Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ ,,margos spuren“ und,, kein Ort ohne dich“ wirklich gut verfilmt. Mein Standard Spruch im Kino wäre dann ,, das ist ganz anders im Buch, so ein Mist!“
    LG Shana 🙂

    Gefällt 1 Person

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