Buchwelt · Rezensionen

Rezension: Den Mund voll ungesagter Dinge

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Eigentlich habe ich Den Mund voll ungesagter Dinge vor einiger Zeit bei meiner Jill beim SuB-Sunday entdeckt. Dabei habe ich mich in den Klappentext und das Cover direkt verliebt und den Roman umgehend in mein Regal einziehen lassen. Im September dann nahmen wir uns vor, die Geschichte um Sophie gemeinsam zu lesen. Jill war in einem Atemzug fertig, ich ein Lungenvolumen später. Und Mensch, liebe Buchmenschen: Ich bin so glücklich darüber, dieses Buch gelesen zu haben! Es ist eines der Bücher, von denen man sich wünscht, man hätte es eher zwischen die Finger genommen.

Fakten

Titel: Den Mund voll ungesagter Dinge
Autorenname: Anne Freytag
Seitenanzahl: 400 Seiten
Genre: Jugendroman
Verlag: heyne>fliegt
Preis: Taschenbuch 14,99 € – E-Book: 11,99 €

Inhalt

Wenn Sophie es sich aussuchen könnte, wäre ihr Leben simpel. Aber das ist es nicht. Und das war es auch nie. Das fängt damit an, dass ihre Mutter sie direkt nach der Geburt im Stich gelassen hat. Und endet damit, dass Sophies Vater plötzlich beschließt, mit seiner Tochter zu seiner Freundin nach München zu ziehen. Alle sind glücklich. Bis auf Sophie.

Was hat es bloß mit dieser verdammten Liebe auf sich? Sophie selbst war noch nie verliebt. Klar gab es Jungs, einsam ist sie trotzdem. Bis sie in der neuen Stadt auf Alex trifft. Das Nachbarsmädchen mit der kleinen Lücke zwischen den Zähnen, den grünen Augen und dem ansteckenden Lachen. Zum ersten Mal lässt sich Sophie voll und ganz auf einen anderen Menschen ein. Und plötzlich ist das Leben neu und aufregend. Bis ein Kuss alles verändert.*

Meine Lesezeit

Verliebtsein ganz nah, ganz echt, ganz gefühlvoll.

Der Schreibstil von Anne Freytag ist beeindruckend, packend und zerreißend real. Die Gedankenwelt von Sophie wird unglaublich gut wiedergegeben. Ich hatte wirklich den Eindruck, mich in einem Teenager zu befinden und die ganze Welt mit den ungesagten Worten anschreien zu wollen. Wie Sophie denkt. Wie sie handelt. Wie sie versucht sich selbst zu finden, zu verstehen, zu begreifen und zu versuchen dabei noch normal zu wirken. Sophie habe ich als Charakter unglaublich lieb gewonnen. Ihre Emotionsachterbahn ging mir als Leser unfassbar nah.

Seit er weg ist, leide ich still und heimlich an den Phantomschmerzen, die an seiner Stelle getreten sind. Seit er weg ist, bin ich allein. Davor war ich einfach nur seltsam.
– S. 12 –

Sie erzählt von ihrem Leben durch eine derart direkte Art, die einem das Herz bricht. Man fühlt sich selbst in die Teenagerzeit zurückkatapultiert, in die Unsicherheiten, die Zukunftsängste, das Leben, das mit einem spielt und wie man versucht zurechtzukommen, obwohl scheinbar überall nur Chaos herrscht. Es beeindruckte mich, wie der Schreibstil sich dabei den Gedanken perfekt anpasste. Der Lesefluss war berauschend, ich konnte nicht aufhören.

Aber es geht nicht um das, was ich will.
Wenn man siebzehn ist, tut es das eigentlich nie.
– S. 13 –

Anne Freytag hat in diesem Roman unterschiedliche Probleme aufgegriffen und dabei die agierenden Personen geschickt immer wieder in Konflikte verwickelt, die den Lesefluss stark anheizten und dafür sorgten, dass man das Buch nicht aus der Hand legen wollte, allerdings nicht um Geheimnisse aufzudecken, sondern vielmehr um zu erfahren, wie es mit den Leben dort eigentlich weitergeht, wie sie sich fühlen, was sie erleben werden und ob auf irgendwem dort eigentlich ein Happy End wartet, oder eben nicht.

Aber wie soll man jemandem verzeihen, der einen nie um Vergebung gebeten hat?
Wie lässt man jemanden los, den man nie hatte?
– S. 21 –

Durch die unterschiedlichen Charaktere, die in der Handlung zum Tragen kommen, wurde der Roman mit unfassbar viel Leben gefüllt. Es herrschte ein Gleichgewicht zwischen der tiefsinnigen, gleichsam verwirrten Gedankenwelt von Sophie und den Unterhaltungen und Zusammentreffen mit den anderen Charakteren. Allen voran habe ich Lukas, Sophies besten Freund, am liebsten gewonnen. Mir gefiel es, wie Anne Freytag diese Freundschaft in Szene gesetzt hat. Die Skype-Telefonate waren meine liebsten im gesamten Roman.

Lukas darf das, weil er Lukas ist. Mein bester Freund.
Er darf das, weil er weiß, wie es in mir aussieht und wer ich wirklich bin.
Manchmal denke ich, er weiß es sogar besser als ich.
– S. 22 –

Mir gefiel, dass die Autorin den Fokus nicht ausschließlich auf Sophies Beziehung gelegt hat, sondern den Blick auf Sophies gesamtes Leben. Dabei spielte vor allem auch ihr Vater und seine Beziehung zu ihr, sowie zu seiner Freundin, eine große Rolle. Die Umsetzung hat mir ausgesprochen gut gefallen, vor allem, wie alle Parteien untereinander agierten und auseinandergingen. Die Art, wie Lena mit Sophie umging, fand ich so grandios vorbildlich, dass es mich in so manchen Situationen echt zu Tränen rührte. Der Vater spielte dabei die perfekte Rolle des überforderten Elternteiles, der erstmal selbst lernen muss, wie er mit seiner Sophie eigentlich richtig umgehen sollte.

Das bin nicht ich. Vor allem nicht im Moment. Alle starren mich an und warten auf meine Reaktion. Sie warten auf den Freudenschrei. Aber ich schreie nicht.
Ich stehe nur da und fühle mich verloren.
– S. 32 –

So manch einer würde sagen, dass Sophie zickig war. Ich nicht. Ich finde Sophie hat sich wie ein vortrefflicher Teenager verhalten. Missverstanden. Wütend. Traurig. Verliebt und verwirrt. Der Titel Den Mund voll ungesagter Worte, spiegelt dabei unglaublich gut den Zustand eines jeden Menschen wieder. Dinge, die man gerne sagen würde, gesagt hätte und sie dann am Ende doch lieber verschweigt, weil man nicht das Gefühl hat, dass das Gegenüber wirklich verstehen würde, was man eigentlich mitzuteilen hat.

Ich wollte mich immer verlieben. Ich wollte das alles fühlen. Alles auf einmal. Ich wollte überschwemmt werden von Emotionen, die ich nicht verstehe. Die ich nicht erklären kann. Ich wollte mich in jemanden verlieren und gleichzeitig in ihm wiederfinden. Ich wollte jemanden, der über mein Gesicht hinaussieht und mich auch dann noch liebt, wenn ich es am wenigsten verdient habe, weil ich es nämlich genau dann am meisten bräuchte.
– S. 217 –

Das Hauptthema in diesem Roman bezieht sich auf die Beziehung zwischen Sophie und ihrer Nachbarin Alex. Die Entwicklung zwischen den beiden durchläuft perfekte Phasen, um einem als Leser das Verständnis von Liebe und Unsicherheit auszulegen. Die Umsetzung war so real, das sich nicht selten einfach vergessen habe, dass Alex eigentlich ein Mädchen ist. Denn so ist es mit der Liebe: Es ist ein Gefühl, das jeder gleich fühlt.

Wenn Menschen, die einem wichtig sind,
gute Dinge sagen, sind sie gleich noch besser.
– S. 208 –

Zum Ende hin wurden mir einige Szenen etwas zu lang gezogen, verloren sich in Zwischengeschichten, die etwas an Spannung verloren. Allerdings empfand ich es nicht allzu schlimm, da der Schreibstil und die Kleinigkeiten, die uns die Autorin immer mal wieder unerwartet zuwarf, wieder alles in die richtige Bahn lenkte, um den Lesefluss stets aufrecht zu halten.

Übrigens: Mir hat die Art gefallen, wie die Autorin immer wieder Musik als Beigeschmack mit in den Text einfädelte. Zudem mochte ich es sehr, dass der Roman in München spielte, da ich selbst noch nie dort war und er mich dadurch total neugierig gestimmt hat. 

Mein Fazit

Mit Den Mund voll ungesagter Dinge hat Anne Freytag einen Jugendroman der Extraklasse aufs Papier gebannt. Die Figuren sind so lebendig, dass sie immer noch in meinem Kopf schwirren. Die Liebe wird so echt und nah dargestellt, dass es mir manchmal selbst das Herz zerriss. Die Wortwahl und überhaupt der Schreibstil waren einfach unglaublich perfekt und sorgten für eine wahnsinnig gute Unterhaltung, mit viel Liebe und Sinn für das Leben.

Blogger des Vertrauens

Jill
Becca
Michi

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Quelle:
Klappentext: Randomhouse

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7 Kommentare zu „Rezension: Den Mund voll ungesagter Dinge

    1. Liebe Miriam,
      wie schön, dass du hergefunden hast 🙂 Dankeschön für deine lieben Worte.
      Du musst dieses Buch lesen! Es ist wirklich wundervoll, ich habe es sehr geliebt, es zu lesen ❤
      Ich schaue direkt bei dir vorbei! Danke 🙂
      Alles Liebe,
      Sarah

      Gefällt mir

  1. MEINE SARAH ❤

    Schande über mich! Wieso habe ich hier noch gar nciht kommentiert?! :O
    Gelesen hatte ich deine Rezension nämlich wirklich sofort und finde einfach, dass du die perfekten Worte dafür gefunden hast!
    Ich konnte das Buch einfach nicht mehr aus der Hand legen, weil ich es einfach so gut und authentisch fand. Natürlich hat es die Anne auch hier wieder geschafft, mir die Tränen in die Augen zu treiben…gerade auch bei den Situationen mit Lena (Stiefmutter).
    Hach, genau wie du sagst: gerade, weil hier der Fokus gar nciht einzig und allein auf der Bezieheung liegt, sondern auf Lenas gesamten Leben.
    Einfach wundervoll.

    Drück dich ❤ Jill

    Gefällt mir

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