Rezension: Palast der Finsternis

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Vorab möchte ich mich beim Diogenes-Verlag für das Rezensionsexemplar Palast der Finsternis bedanken. Den Roman habe ich gemeinsam mit Nicci und Jill gelesen, was mir wieder ein großes Lesevergnügen bereitet hat. Der Palast hat mich von der ersten Seite an verschlungen, konnte mich jedoch am Ende nicht vollkommen überzeugen.

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Fakten

Titel: Palast der Finsternis | Autorenname: Stefan Bachmann | Seitenanzahl: 400 | Genre: Fantasy, Jugendroman | Verlag: Diogenes | Preis: 14,99 € (e-Book), 18,00 € (Paperback) | ISBN: 978-3-257-60805-2 |

Inhalt

Die Außenseiterin Anouk ist mit vier anderen Kandidaten nach Paris gekommen, um einen lange verschütteten unterirdischen Palast zu erforschen, den ein verrückter Adliger zur Zeit der Französischen Revolution als Versteck für seine Familie erbauen ließ. Doch nachdem die Jugendlichen einmal durch die Tür mit dem Schmetterlingswappen getreten sind, erwartet sie in jedem weiteren Raum ein neuer Abgrund, den sie nur gemeinsam bezwingen können. [Diogenes]

Meine Lesezeit

Spannend. Wortgewaltig. Humorvoll. 

Stefan Bachmann stellt uns einen Roman aus der Perspektive einer Außenseiterin vor, die ihrem Leben etwas mehr Aufregung und Aufmerksamkeit verleihen möchte und sich Hals über Kopf in ein mysteriöses Abenteuer stürzt. Die Geschichte spielt in zwei Zeitzonen, dessen unregelmäßige Abwechslung zwischen den Kapiteln, für die aufreibende Spannung des Romans sorgt und den Leser zwischen die Seiten heftet. Es war kaum möglich das Buch abzulegen, jedes neue Kapitel erzeugte mehr Aufregung, Rätsel und Fragen.

Pete, der Papagei. Uralt, ständig deprimiert, unglaublich nervig. Gewissermaßen meine Seele in Vogelgestalt.
-Anouk | Seite 13

Anouk, die Protagonistin, spricht nicht sonderlich viel, da sie glaubt, so jeden von sich zu stoßen. Es ist wie eine Abwehrreaktion ihrerseits: Sobald sie einen anderen Menschen begegnet, reagiert sie mit schwarzem Humor, Sarkasmus und direkten, taktlosen Kommentaren. Als Leser ist es unfassbar witzig, Teil ihrer Gedankenwelt zu sein. Anouk ist unglaublich intelligent und erfasst die Situationen stets schnell und gekonnt. Zwar ist sie erst Siebzehn, weiß jedoch ihr Leben in die Hand zu nehmen. Was nicht bedeutet, dass sie selbst nicht auch reichlich Fehler macht. Ihre Gedanken sind meist trist, was Stefan Bachmann jedoch durch ihren Zynismus für den Leser als angenehmes Erlebnis verkleidet. Es macht Spaß, Anouks Perspektive zu lesen und diese Geschichte durch ihre Augen zu sehen.

Die Menschen besitzen ein besonderes Talent, nämlich, dass sie überall unglücklich sein können, egal wo sie sind. Doch Menschen haben noch eine andere besondere Gabe: Wir können fast überall glücklich sein. Wir können glücklich sein, weil wir nicht allein sind.
– Anouk | Palast der Finsternis by Stefan Bachmann

Über den gesamten Roman hinweg, stellt sich die Frage, was eigentlich dieser Palast ist, wieso er überhaupt existiert, wer ihn errichtet hat und was für Geheimnisse er hütet. Es ist ein düsterer, unglaublich gefährlicher Ort, den Anouk mit vier weiteren Jugendlichen zu erkunden versucht. Jedes neue Geheimnis bringt neue Gefahren. Stefan Bachmann hat mit brutalen Szenen und menschlichen Abgründen nicht gespart.

Es gibt nur ein Heilmittel, wenn man sich nach etwas sehnt, was man nie besitzen kann, und das it, es vollständig zu zerstören.
Seite 381

Vor allem die tiefgründigen Gedanken Anouks, die Themen über das Konstrukt der Familie, die Gesellschaft und Erwartungen an das Leben beinhalten, lassen diesen Roman zu weitaus mehr als eine Fantasygeschichte entwickeln. Gerade diese Unterhaltungen und Analysen sind es, die mich zwischendurch zum Nachdenken gebracht haben.
Der Schreibstil von Bachmann ist beeindruckend und trug mehrfach dazu bei, dass gerade die Art, wie er Wörter nutzt, die Spannung und Unterhaltung in die Höhe schießen ließ. Die Sätze lasen sich flüßig und es machte schlichtweg Spaß, die spitzen Bemerkungen von Anouk mitzuerleben.

Alles, wovon man träumt, ist möglich, Anouk. Manchmal träumt man einfach nur zu früh.
Seite 344

Mit der Zeit wuchs die Erwartung auf die Lösung aller Rätsel. Warum geschehen all diese merkwürdigen Dinge? Was hat es mit dem Palast auf sich? Und wer genau ist eigentlich Anouk? Und die anderen Mitspieler? Je länger die Rätsel aufgeschoben wurden, je mehr Dramatik und Tod sich durch die Gänge des Palastes schlich, desto größer wurde meine Neugier und entsprechende Freude auf die finale Auflösung.

Ob es immer so ist, wenn der Tod kommt? Minimales Drama. Bloß Ursache und Wirkung, und das Universum endet für dich.
Anouk | Seite 118

Leider blieb die große Überraschung und Begeisterung am Ende aus. Irgendwie ließ mich die Auslösung enttäuscht zurück. Nachdem ein gewaltiger Spannungsbogen erschaffen wurde, ständig neue Fragen aufgeworfen wurden und der Tod einem im Nacken saß, rechnete ich mit etwas Unglaublichem, vor allem da Bachmann in den Seiten zuvor bereits gezeigt hat, dass er unglaublich besondere Geschichten schreiben kann. Doch verglichen mit der gesamten Story, erschien mir das Ende leider eher gewöhnlich, geradezu abgegriffen. Eben leider nicht besonders. Es ist nichts, was mir länger in Erinnerung bleiben würde, weil es dem Spannungsbogen und all den Geschehnissen zuvor einfach nicht gerecht wurde.

Ich glaube einfach nicht daran, dass die Menschen im Grunde ihres Herzens gut sind. Im Gegenteil: Ich glaube, dass die Leute im Grunde ihres Herzens am allerschlimmsten sind.
-Anouk | Seite 44

Auch die Charakterentwicklung empfand ich zum Schluss etwas eigenartig und zu schnell abgehandelt. Es schien mir alles viel zu abrupt. Wo noch zuvor jedes Detail präzise geplant schien, wirkte das Ende und die Charaktere irgendwie Fehl am Platz. Ich hatte das Gefühl, als hätte ich etwas verpasst. Dazu geschah alles so plötzlich, wo noch vorher nichts dem Zufall überlassen wurde, geht zum Schluss alles wie nach Schema X, Hauptsache der Schlusspunkt folgt.

Mein Fazit

Stefan Bachmann hat mit dem Fantasy-Jugendroman eine unglaublich sprachgewandte Geschichte niedergeschrieben, die sich hinsichtlich der Spannung und Originalität sehen lassen kann. Leider endete das Finale eher ernüchternd, weshalb es mich mit einem enttäuschten Gefühl zurück ließ. Da ich den Roman allein wegen der grandiosen Unterhaltung sehr mochte, würde ich es trotzdem jeden zum Lesen empfehlen.

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7 Antworten auf „Rezension: Palast der Finsternis

  1. Liebe Sarah,

    Mal wieder eine richtig tolle und erfrischende Rezension. Ich lebe deine Beiträge unglaublich gerne, weil du es immer schaffst, alle Aspekte zu beleuchten.
    Mir hat das gemeinsame Lesen auch sehr viel Spaß gemacht ❤
    Ich freue mich schon auf jede weitere Geschichte, die wir gemeinsam in Angriff nehmen!

    Liebste Grüße ❤ Jill

    Gefällt 1 Person

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