Rezension: Vintage

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Bereits das Cover sprach meine Neugier an und weckte mein Interesse an Vintage von Grégoire Hervier. Ein Roman über die Geschichte und Leidenschaft zur Musik, eingebettet in einen Kriminalroman, einer Abenteuerreise durch Amerika und seine Verbindung zur Rockmusik. Meine Freude war schließlich gewaltig als mir der Diogenes Verlag ein Rezensionsexemplar zukommen ließ. Vielen Dank an dieser Stelle für diese Bereitstellung!

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Fakten

Titel: Vintage | Autorenname: Grégoire Hervier | Seitenanzahl: 400 | Genre: Gegenwartsroman | Verlag: Diogenes Verlag | Preis: 20,99 € | ISBN: 978-3-257-60812-0 |

Inhalt

Einem jungen Gitarristen und Journalisten bietet sich der große Deal und die Story seines Lebens: eine Million, wenn er beweisen kann, dass die ›Gibson Moderne‹, die legendärste Gitarre aller Zeiten, tatsächlich existiert hat. Auf seiner Suche begegnet er besessenen Musikliebhabern, leidenschaftlichen Sammlern, zwielichtigen Gestalten und sagenumwobenen Instrumenten. Eine faszinierende Reise quer durch Amerika und die gol­denen Jahre von Blues und Rock. Ob Freak oder Liebhaber, ›Vintage‹ ist eine Geschichte, bei der in jedem eine Saite erklingt. [Diogenes]

Meine Lesezeit
Musikalisch. Abenteuerlich. Leidenschaftlich.

Grégoire Hervier hat mit Vintage einen intensiven Roman über die Leidenschaft zur Rockmusik niedergeschrieben. Dabei ist es ihm auf eine wirklich beeindruckende Art gelungen, unfassbar viele Informationen hinsichtlich der Musikgeschichte in die eigentliche Handlung unterzubringen. Je weiter sich die Geschichte vertieft, desto mehr erfahren wir über die Schaffensart von Gitarren, die Wichtigkeit derer im Verlauf der Rockgeschichte und wie sie zu spielen sind. Dabei vollbrachte es Hervier, ungemein viele Fakten mit einer beeindruckenden Genauigkeit in eine prosaische Ummantelung zu verpacken.

„Keinen Erfolg gehabt?“
„Kann man so sagen.“
„Haben Sie auch eigene Stücke geschrieben?“
„Ja.“
„Musik, die Ihnen gefiel, oder Musik, von der Sie glaubten, sie könnte gut ankommen?“
„Hm. Gute Frage… Ich würde sagen, eher Musik, die mir gefiel.“
– Thomas | Vintage – Grégoire Hervier | Seite 28

Durch die Fülle an Informationen garantiert dieser Roman absolut keine Langeweile. Ich glaube zuvor ist mir noch keine Geschichte untergekommen, die so viel Input lieferte, dass ich zwischendurch versucht war, Schrift zu führen. Es geschieht so viel, dass ich manchmal langsam weiterlesen musste, um der Handlung auch wirklich folgen zu können. Wie selbstverständlich schilderte der Autor eine Hintergrundgeschichte nach der anderen, über bekannte Rockmusiker und Gitarrenbauten. Die Fülle war derart beachtlich, dass der Roman schon fast als Weiterbildung im Bereich Musik gelten könnte, und sei es nur, um etwas Blut in dem Bereich zu lecken.

„Ob man, wie in Ihrem Beispiel, Musik machen will, zu der man nur selbst Zugang hat, oder Musik, die einen Teil des Planeten berührt.“
| Vintage – Grégoire Hervier | Seite 29

Hinter jedem Satz ist die Leidenschaft des Protagonisten deutlich spürbar. Die Musik bestimmt sein Leben, sie nimmt es derart umfassend ein, dass ihm jegliche Mittel auf seinem Weg recht sind, um allem auf den Grund zu gehen. Seine Leidenschaft zur Musik wirkt ansteckend. Nicht selten schlug ich Musiker und Songs nach, über die er in Ekstase verfiel, um selbst nachvollziehen zu können, was ihn reizt und vorantreibt. Dieser Roman ist mehr als eine Geschichte. Es führt den Leser auf eine Entdeckungsreise durch die Musikgeschichte.

„Was nützte mir das Geld, wenn ich nicht einmal die Musik machen kann, um die es mir geht?“
– Seite 269 | Vintage – Grégoire Hervier

In seiner Leidenschaft zur Musik steuerte Grégoire Hervier allerdings die Handlung mitunter in wirklich fragwürdige Richtungen. Was zu Beginn noch nach einer wohl durchdachten Reise klang, auf die er uns mitnehmen wollte, wurde mit der Zeit zu einer Verkettung von Ereignissen, die etwas zu bewusst platziert schienen, um schließlich zum Schluss zu gelangen. Wo Hervier bei der Musik an Details keineswegs sparte, ließ er die eigentliche Handlung eher skurril verlaufen. Gerade das Ende empfand ich etwas merkwürdig und zu gestellt, um es wirklich nachvollziehen zu können, obwohl es mir gleichzeitig ein Schmunzeln abverlangte.

Mein Fazit

Mit Vintage serviert uns Grégoire Hervier eine wahrhaftige Rockkomposition getarnt als Roman ab. Hinter jeder Zeile steckt die Leidenschaft zur Rockmusik, die vor allem durch die Detailtreue und Vielfältigkeit verdeutlicht wurde und dafür sorgte, dass diese Liebe zur Musik auf den Leser überspringt. Die Euphorie wirkte geradezu ansteckend auf mich. Zwar erschien die Handlung zwischendurch etwas fragwürdige Wege zu durchlaufen, dennoch mochte ich den wirren Stil, der den Leser bis kurz vor Schluss nicht ahnen lässt, wohin uns der Autor eigentlich führen möchte. Dieser Roman gibt so viel mehr als eine Geschichte über eine Gitarre her. Gerade zwischen den Zeilen steckt unfassbar viel Liebe zur Musik und eine Botschaft, die einen nachdenklich zurückblicken lässt.

Aufgrund der unglaublichen Leidenschaft, die auch mich zwischendurch ergriffen und in seinen Bann gezogen hat und ja, vielleicht auch, weil ich Rockmusik liebe, wandert dieser Roman in die Kategorie Lover.

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LoveSarah

6 Antworten auf „Rezension: Vintage

  1. Liebe Sarah,

    Auch, wenn das Buch wahrscheinlich nichts für mich wäre, liebe ich deine Rezension dazu. Generell freue ich mich über jeden neuen Beitrag von dir, weil du es schaffst, deine Meinungen unglaublich gefühlvoll rüberzubringen!
    Danke dafür ❤

    Liebste Grüße ❤ Jill

    Gefällt mir

  2. […] Vintage gehört zu den Romanen, die durch ihre detailtreue punkten. Es ist faszinierend, wie viel man als Laie durch diesen Roman von der Musikgeschichte erfährt, ohne vollkommen überladen zu werden. Grégoire Hervier führte uns mit einer Selbstverständlichkeit durch die Rockgeschichte, verpackt in einem Krimi-Setting und einem Roadtrip durch die USA. Zwar reihten sich einige Zufälle durch den Roman an, dennoch begeisterte mich die Bandbreite an Informationen, die einem zuteil wird, und das in einer Nebensächlichkeit, ohne zu aufgedrungen zu wirken, dass es für die Schreib- und Erzählkünste des Autors spricht. […]

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