Rezension: Paper Butterflies

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Auf Paper Butterflies bin ich durch meine wundervolle Jill von Letterheart aufmerksam geworden. Sie hat den Roman im vergangenen Jahr gelesen.
Ihre Rezension hat mich sehr neugierig gestimmt und als wir schließlich gemeinsam in London im November durch die Bücherläden schlenderten, strahlte mir Paper Butterflies entgegen und es war um mich geschehen. Trotzdem dauerte es nun einige Monate, bis ich es zu lesen begonnen habe. Auslöser dafür war (wieder einmal) Becca von Beccas Leselichtung, die den Roman bei Nicci von Trallafittibooks Zuhause entdeckt und direkt reingelesen hatte. Von der Geschichte unfassbar ergriffen, stichelte sie mich an, ebenfalls anzufangen.

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Fakten

Titel: Paper Butterflies | Autorenname: Lisa Heathfield | Seitenanzahl: 312 | Genre: Jugendliteratur | Verlag: Egmont UK Limited | Preis: 6,99 € (TB) – 14,98 € (HC) | ISBN: 9781405275392 | Sprache: Derzeit nur auf Englisch | Kaufen: amazon*  |

Inhalt

June’s life at home with her stepmother and stepsister is a dark one—and a secret one. She is trapped like a butterfly in a net.

But then June meets Blister, a boy in the woods. In him she recognises the tiniest glimmer of hope that perhaps she can find a way to fly far, far away from her home and be free. Because every creature in this world deserves their freedom… But at what price? [goodreads]

Meine Lesezeit
Emotional. Schockierend. So wahr. 

Als ich Paper Butterflies zu lesen begann, wusste ich absolut nicht, was mich erwartete. Beim Kauf vertraute ich blind Jills Empfehlung. Denn irgendwie wollte ich auch nicht wissen, worum es geht. Es sollte mich überraschen. Und diese Überraschung trat schon innerhalb der ersten Seiten ein. Das Leben von June ist von Beginn an geprägt mit seelischen und körperlichen Qualen, die mich mehr als einmal das Buch zur Seite legen ließen. Mit jeder weiteren Situation, jedem weiteren Rückwurf, wird mir immer schwindeliger. Und jedes Mal, wenn ich denke, wow, das war wohl der Höhepunkt, das schrecklichste, was June widerfahren kann, was ein Mensch ertragen kann, ohne daran zu zerbrechen, da lehrt mich Lisa Heathfield eines besseren: Es wird immer schlimmer.

„Thank you“, I say, and I look hard into her eyes. Please ask me, I beg her. Ask me now and I’ll tell you everything.
– June | Paper Butterflies | Lisa Heathfield | page 9

Hier werden große Themen wie Mobbing und Kindesmissbrauch in den Vordergrund gestellt und dies mit einer brutalen Direktheit, die den Leser sprachlos erzittern lässt. Mit einer geradezu sachlichen Sprache, keinen Ausschmückungen und einer gnadenlosen Wahrheit, wird die Geschichte um June erzählt. Gerade noch befinden wir uns in einer scheinbar normalen alltäglichen Situation und plötzlich stürzt in der nächsten Sekunde alles in sich zusammen, ohne Ankündigung, ohne Vorwarnung. Wir als Leser erleben Junes Leben genauso unvorbereitet wie sie und spüren dadurch ihre Verzweiflung und Ausweglosigkeit, die Wut und den Hass, umso intensiver.

„Lying will only make it worse.“ There’s such disappointment in her voice that it almost makes me cry. „I’m not lying“, I say, but I can tell by her eyes that she doesn’t believe me.
-June | Paper Butterflies | Lisa Heathfield | page 16

Wie kann jemand durch ein Leben schreiten, verfolgt von Unterdrückung, Unglück und mehr schlechten als guten Tagen? Wenn jemand in das Leben tritt, der die guten Tage, auch wenn es wenige sind, umso stärker hervorstechen lässt: Blister erscheint. Oh, Blister. Ein Junge, so harmlos und liebevoll und so verdammt gut. Blister und June begegnen sich durch einen Zufall, vielleicht kann man es auch Schicksal nennen. Blister ist Junes Lebensausgleich. Er stellt sich auf die andere Seite der Waage und hilft June ihr Leben auszubalancieren, ganz gleich was für Gräultaten ihr widerfahren, sie hat stets die Aussicht, dass Blister es verbessert.

One day, I’ll shout and scream that I exist. One day, they’ll know I’m here.
– June | Paper Butterflies | Lisa Heathfield | page 32

Er ist ihr bester Freund. Ihre Stütze. Und das, obwohl er selbst nur die halbe Wahrheit kennt und eigentlich selbst nur ein Kind ist. Doch Lisa Heathfield zeigt mit einer beeindruckenden Direktheit wie viel Kinder leisten und vor allem ertragen können. Wie stark Kinder wirklich sind und vor allem wie tapfer. Es ist kaum zu fassen, was June alles widerfährt und wie sie es aushält. Ich selbst konnte manche Situationen schon durch das alleinige Lesen kaum ertragen. So schlimm ist es. So schrecklich ist es. Und gleichzeitig ist da Blister, der alles auffängt, der durch seine Kinderaugen ihre Welt verbessert. Beides Kinder, die unterschiedlicher nicht hätten aufwachsen können und sich trotz allen Widrigkeiten verstehen.

„It’s impossible to be so mean to someone and not feel bad somewhere. Deep down, right inside them, I bet they wish they didn’t do it.“
„Even Ryan?“
„Even Ryan.“
„And Cherry?“
„Yes. And Lauren. And they better watch out, because karma will be waiting for them.“
„Who’s Karma?“
„My mom told me about it.“ Blister sits up and crosses his legs. The anger has left him and his face looks serious. „She says that the bad things you do will always come back to you. Even if it’s years in the future. That’s why you’ve got to be nice.“
– Blister & June | Paper Butterflies | Lisa Heathfield | page 57

Die Geschichte nimmt einen Verlauf an, mit dem ich absolut nicht gerechnet habe. Die Wendung trifft mich mit einem heftigen Schlag. Ich war so fassungslos, so geschockt, dass ich erst einmal nicht weiterlesen konnte, es nicht wollte. Die Geschichte steuerte zu einem Punk hin, an dem selbst ich dachte: Jetzt wird es besser. Und dann kam noch so viel mehr, was mich zerstört, aufgewühlt und vor allem unfassbar nachdenklich zurückließ.

„Life’s unfair at times“, Mickey says, her words scraping the air. „But you mustn’t let the bad weigh your life down. Try to fill the other side of the scales with good things.“
– Mickey | Paper Butterflies | Lisa Heathfield | page 127

Obwohl ich später noch lange über das Ende nachgedacht habe, bin ich mir immer noch nicht sicher, ob ich es stimmig empfinde. Im ersten Moment war ich überrascht, dass es vorbei ist und im nächsten widerfuhr mich ein Wort: Endlich. Wenn ich einen negativen Kritikpunkt aufführen müsste, wäre es wohl das Ende, trotz, dass ich irgendwie damit zufrieden bin, habe ich etwas anderes erwartet. 

Mein Fazit

Paper Butterflies ist eine Geschichte, die nichts für Zwischendurch ist. Sie bewegt. Sie schockiert. Sie spricht Wahrheiten an, die niemand sehen will und thematisiert Leben, die ignoriert und nicht gesehen werden. Lisa Heathfield zwingt den Leser ganz genau hinzusehen und die brutale Wahrheit zu erkennen. Dabei lehrt sie nicht nur die Grausamkeiten zu erkennen, sondern auch, wie damit umzugehen ist. Paper Butterflies ist ein Jugendroman, dem ich wirklich jedem zu Herzen legen möchte. Es ist eine Geschichte, die gelesen und anerkannt werden muss. Ein Roman von dem ich zutiefst hoffe, dass er ins Deutsche übersetzt wird und von dem ich erwarte, dass er Kinosäle erobert. Denn ist eine Geschichte, die jeden von uns beeinflussen wird.

Lisa Heathfield hat einen Jugendroman geschrieben, der wichtig für die eigene Nachdenklichkeit und der Wunsch nach Veränderung ist. Sie zeigt, wie die Welt aussieht und was wir machen können, um sie ein stückweit besser zu machen. Aus dem Grund, durch diese unfassbare Wichtigkeit und der blanken Wahrheit, die sie uns niedergeschrieben hat, fällt Paper Butterflies in die Kategorie Soulmate.

Soulmate

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LoveSarah

15 Antworten auf „Rezension: Paper Butterflies

  1. Liebe Sarah,
    das klingt nach einem brutalen, aber sehr wichtigen Buch. Ich finde es wichtig, dass solch schwierige Themen angesprochen werden, auch wenn sie mich beim Lesen selbst oft traurig stimmen.
    Nichtsdestotrotz wandert das Buch mal auf meine Wunschliste :)
    Hab einen schönen Tag!
    Liebe Grüße,
    Janika

    Gefällt 1 Person

  2. Liebe Sarah,

    Bei deinen Worten habe ich gleicjnwieder Gänsehaut bekommen, möchte weinen und mich unter der Decke verkriechen. Kein Buch hat mich jemals so zerstört wie dieses, auch wenn einige nah dran waren.
    Du hast einfach unglaublich passende Worte für diese Geschichte gefunden ❤

    Liebste Grüße ❤ Jill

    Gefällt 1 Person

    1. Liebste Jilly,
      dankeschön :)
      Ja, hach… es war so schlimm :( und diese Wendung… ach überhaupt alles was dort passiert ist… Das schlimmste ist einfach, dass so etwas WIRKLICH passiert. Es kommt mir einfach nicht in den Kopf.

      Alles Liebe,
      deine Sarah

      Gefällt mir

    1. Liebe Michéle,
      leider gibt es den Roman ausschließlich auf Englisch. Ich hoffe aber sehr, dass sie ihn irgendwann übersetzen :) Ich muss aber dazu sagen: Es ist ein wirklich sehr leichtes englisch, vielleicht versuchst du es mal und liest in die Leseprobe rein? :)

      Alles Liebe,
      Sarah

      Gefällt mir

  3. Ich bin durch.
    Im wahrsten Sinne des Wortes.
    So ein wahnsinnig ergreifendes, mitreißendes, wichtiges Buch!
    Bei dem Ende, und natürlich auch dem Rest, stimme ich dir zu.
    Ich habe zum Schluss auch etwas anderes erwartet.
    Aber auch bei dem Aspekt, dass es übersetzt, und am besten auch verfilmt werden sollte bin ich ganz deiner Meinung.

    Liebe! <3

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  4. Wow, das klingt ja wirklich überzeugend!
    Da fragt man sich direkt, was genau denn June passiert und was sich hinter dieser Geschichte versteckt.
    Aber wenn es wirklich so hart emotional ist, wie du es beschreibst, wüsste ich nicht, ob ich das gut lesen kann :/ das muss ich wohl mal auf mich wirken lassen, aber interessiert bin ich auf jeden Fall!

    Liebste Grüße
    Jenny

    Gefällt 1 Person

  5. […] Paper Butterflies beschäftigt mich thematisch nach wie vor nahezu täglich. Ich möchte nichts vorweg nehmen, aber ich kann euch sagen, dass die Geschichte wirklich krass ist. Es geht um Kindesmisshandlung, ebenfalls mit der Begründung einer minderen Rasse. Der Verlauf hat mich emotional sehr mitgenommen, insbesondere weil wir June den Großteil ihres Lebens begleiten. An dieser Stelle möchte ich euch die Rezension von Sarah empfehlen. […]

    Gefällt 1 Person

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