Rezension: Die Maske

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Vorab möchte ich mich beim Diogenes Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars bedanken. Der Roman Die Maske überraschte mich mit seiner Thematik und dem direkten Schreibstil auf eine überaus positive Art. Mit jeder Seite zog es mich weiter in den Bann, bis ich es in einer Nacht in einem Rutsch durchgelesen habe. Es freut mich, dass Jill [Letterheart] mich zu diesem Schmuckstück der Literatur-Szene verleitet hat und ich die Seiten gemeinsam mit ihr genießen konnte. 

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Fakten

Titel:  Die Maske | Autorenname: Fuminori Nakamura | Seitenanzahl: 300 | Genre: Gegenwartsroman | Verlag: Diogenes Verlag | Preis: 24,00 € | ISBN: 978-3-257-07021-7 | Sprache: Deutsch | Erhältlich bei: Amazon*  Diogenes Verlag |

Inhalt

Die mächtige japanische Kuki-Familie folgt einer menschenverachtenden Tradition: der jeweils jüngste Sohn wird dazu erzogen, das Böse über die Menschheit zu bringen. Und so erhält Fumihiro eine Ausbildung, deren Ziel Zerstörung und Unglück ist, so viel ein einzelner Mensch nur vermag. Doch er hat andere Pläne: Fumihiro liebt das Waisenmädchen Kaori und will sie beschützen – und damit wird sein eigener Vater zu seinem schlimmsten Feind. [Diogenes]


Lesezeit

Abstrakt. Faszinierend. Wahnsinnig.

„Was ich dir zu sagen habe, wird für dein Leben von großer Bedeutung sein“, damit beginnt der Roman und legt eine beeindruckende Startvorlage hin. Fuminori Nakamura lockte mich durch seinen Klappentext, der jedoch rückblickend so viel weniger über den Roman aussagt und einen nicht auf das vorbereitet, was im Roman letztendlich auf einen wartet: Die menschliche Tiefe.

Warum tat ich das alles nur, wenn ich doch eigentlich gar nicht existieren wollte?
Die Maske | Fuminori Nakamura

Der Schreibstil ist recht distanziert, obgleich er aus der Perspektive des Protagonisten in Ich-Form geschrieben ist, so betrachten wir das Geschehene relativ nüchtern. Was die Gesamtvorstellung jedoch umso grotesker, makabrer und faszinierender gestaltete. Obwohl es nicht emotional geschrieben wurde, fühlt man sich dem Geschehenen dennoch nahe und kann jeden einzelnen Gedankengang perfekt nachvollziehen.

Wenn wir nachdenken, brauchen wir Wörter. Leute, die Bücher schreiben, denken über nichts anderes als Wörter nach. Während alle anderen eine Menge Dinge tun, beschäftigen sie sich ausschließlich damit, wie das Leben in Sprache übersetzt werden kann. Wenn ich deren Bücher lese, dann könnte das meine Gedanken bereichern, mich aus meiner eigenen Welt befreien, dachte ich.
Die Maske | Fuminori Nakamura

Die Gedankengänge sind es, die mich am meisten in den Bann zogen. Der Autor ließ uns in die tiefen Abgründe der menschlichen Psyche blicken und rollte Themen auf, die absolut nicht alltäglich sind. Wir verfallen einem Wahnsinn, der kaum in Worte auszudrücken ist. Die negativen Aspekten der Menschheit werden hier in den Vordergrund gerückt und ließen mich nicht nur einmal erschaudern. Meist spielt ein Roman eher darauf ab, das Leben in seiner ganzen Schönheit zu betrachten. Doch hier steht der Fokus auf der gegenteiligen Seite: Es geht um Mord, Tot, Krieg und die Sinnlosigkeit des Lebens. Während des Lesens verfällt man stellenweise dem Größenwahn der überall durchsickert. Und obwohl die Thematik von negativer Natur ist, fühlte ich mich selbst, eben durch den distanzierten Schreibstil, nicht befangen oder in meiner Laune beeinträchtigt. Es war schlichtweg wahnsinnig interessant und gleichsam erschreckend aufregend diese Geschichte zu lesen.

Ich fühlte mich von mir und meinem vergangenen Leben wie losgelöst. Alles schien mir seltsam klar. Vielleicht habe ich diesen Zustand damals sogar genossen. Sämtliche Hoffnungen und Wünsche verloren zu haben und nur noch Zuschauer zu sein, das erleichterte mich.
Die Maske | Fuminori Nakamura

Der Roman ist in mehrere Abschnitte eingeteilt, die alle für sich einen Zweck verfolgen. Die Entwicklung des Protagonisten und auch der Nebenfiguren waren beeindruckend ausgearbeitet. Die menschliche Psyche analysierte Fuminori Nakamura ausgesprochen akribisch und machte sich Schritt für Schritt Gedanken um die Konsequenzen jedes Handelns.

Und ich bin immer noch am Leben. Immerhin. Ich werde hungrig, schwitze, habe das Bedürfnis, von einer Frau berührt zu werden, so wie jetzt. Diese körperlichen Zwänge waren mir schon immer unangenehm, aber ich kann ja nichts dagegen machen. Sie lassen mich spüren, dass ich lebendig bin. Als dränge sich mir das Leben mit aller Macht auf, als wollte es mich dem Abgrund entreißen.
Die Maske | Fuminori Nakamura

Die Maske ist ein Roman, bei dem ich nicht mit solch einer Tiefgründigkeit gerechnet habe. Die Abgründe, in denen wir uns begeben, treten unerwartet und schockierend auf. Durch diesen unvermuteten Handlungsverlauf, entfaltete sich für mich eine spannende Lektüre, die mich Seite um Seite packte. Trotz der einnehmenden und wirklich anspruchsvollen Thematik rund um die menschliche Psyche, wurde es nicht ansatzweise langweilig oder langatmig: Eher im Gegenteil. Je mehr ich mich in den Gedankengängen und Reden über das Leben einlas, desto mehr wollte ich darüber erfahren.

Ich denke oft, am Ende besteht unser Leben nur aus Verstrickungen. Unser Wille und unsere Wünsche, sie treiben uns vielleicht an, aber sie sind eben auch nur Resultat unserer Verstrickungen. Verstehst du, was ich meine?
Die Maske | Fuminori Nakamura

Der rote Faden ist zunächst nicht ersichtlich, doch gerade durch diese Art zu schreiben, wurde der Roman zu einer Art Kunstwerk. Das Gesamtkonzept ist grotesk und fast schon mit einem surrealen Gemälde zu vergleichen, welches nicht direkt Aufschluss über dessen Intention gibt. Doch gerade das ist der Grund, weshalb Die Maske so faszinierend ist: Es ist nie klar, wohin uns der Autor leitet und welche Abgründe wir noch erforschen sollen, welch makabrem Wahnsinn wir uns noch aussetzen müssen, bevor er den Schlussstrich mit dem Wort Ende zieht.

Das ist der Vorteil einer Depression. Ich kann erkennen, dass der Tod nicht das ende ist. Er ist nur ein Baustein, ein Baustein auf dem Weg zu mir selbst.
Die Maske | Fuminori Nakamura


Fazit

Mit Die Maske hat Fuminori Nakamura ein unfassbar beeindruckendes Werk über die Abgründe der Menschheit geschrieben, eingeflochten in einer Liebesgeschichte mit einer Tiefgründigkeit, die mich auch nachhaltig noch prägt. Dieser Roman ist unvorhersehbar, gleicht einem unergründlichen Kunstwerk, welches einen gleichzeitig begeistert, fasziniert und verwirrt. Ein unbedingt lesenswerter Roman, der einen in den Bann ziehen wird und Wege aufweist, über die man so gewiss nicht allzu häufig und in der Intensität nachgedacht hat.

lover


Weitere Rezensionen

Letterheart
Buchperlenblog

Habt ihr auch Die Maske gelesen und eine Rezension geschrieben? Schickt mir gerne eure Links in den Kommentaren zu, damit ich stöbern kann!

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LoveSarah

16 Antworten auf „Rezension: Die Maske

    1. Liebste Buchnachbarin,
      hach, das freut mich total! Ich glaube auch, dass du es sehr mögen wirst. Es wird dich definitiv überraschen. Mir gefiel einfach alles an dem Buch. Skurril, anders, ganz komisch. Einfach toll.
      Alles Liebe,
      deine Buchnachbarin

      Gefällt 1 Person

  1. Liebe Sarah,
    das Buch klingt unheimlich spannend und deine Rezension hat definitiv Lust darauf gemacht, es zu lesen!
    Ich glaube– Schande über mein Haupt!– ich habe noch gar kein Buch des Verlags in meinem Regal, aber das hier könnte es definitiv ändern!

    Liebst,
    Rika ♥

    Gefällt 1 Person

    1. Liebe Rika,
      ouh neeeein! Ich LIEBE den Diogenes Verlag! Die Bücher sind alle unfassbar einzigartig und jede Geschichte für sich besonders. Gerade lese ich Leinsee und bin auch schwer begeistert. Danach warten noch vier Weitere und das neue Programm wird großartig und hach… lies unbedingt eines! Oder mehr! :D
      Alles Liebe,
      Sarah

      Gefällt 1 Person

  2. SARAH! Jetzt muss ich dieses Buch lesen! Ich muss es einfach lesen! Zu erst hat mich ja schon der Klapptext total gefesselt un dich dachte mir so … wow … das klingt gut und dann kamen die Zitate und dein Fazit und wow… jetzt bin ich wohl mal wieder Opfer deines Blogs geworden. Ich hoffe du kannst damit leben <3

    Eine tolle und aussagekräftige Rezension :)

    Gefällt 2 Personen

    1. Liebe Marion,
      jaaa wirklich! Marion es war einfach so unglaublich gut und unvorhersehbar! Ich habe absolut nicht mit diesem Inhalt gerechnet und ich glaube, das konnte man auch einfach nicht erwarten. Es ist so skurril und anders und hach… wirklich strange! Aber gleichzeitig auf eine sehr gute, sehr tiefgründige Art.
      Ich bin gespannt, was du sagen wirst, solltest du es dir holen & lesen :) Und VIELEN LIEBEN DANK für deine Worte!

      Alles Liebe,
      Sarah

      Gefällt mir

  3. Ok, dieses Buch und deine Rezension klingen wirklich vielversprechend! Direkt. Mal. Näher drüber informiert, ich muss dieses Buch haben und LESEN😍
    Danke dafür, auch, wenn ich immer ärgerlich darüber bin, wenn ich neue Bücher finde… Hab doch noch so. Viele🙈
    Aber ich kann ja deiner guten Rezension die Schuld geben 😉😅
    Liebe Grüße von der Luna ❤️

    Gefällt 1 Person

    1. Liebe Luna,
      wie schön, dass du vorbeischaust! <3
      Vielen lieben Dank für deinen Kommentar!
      Zuerst einmal: Man kann ja eigentlich nie genug Bücher haben! <3 Und hach, ich nehme die Schuld gerne auf mich! Ich hoffe, es wird dir gefallen :)
      Alles Liebe,
      Sarah

      Gefällt 1 Person

      1. Na wenn du mit dieser Schuld Leben kannst ;)
        Und du hast recht,,, zu viele Bücher geht gar nicht^^
        Liebe Grüße <3

        Gefällt mir

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