Rezension: Olga

XXX

Olga. Beim alleinigen Titel versprach ich mir, um ehrlich zu sein, nicht viel. Keine zu hohen Erwartungen. Eine Frau. Ein sehr kurzer, eher unauffälliger und gleichzeitig durch seine altmodische Erscheinung wiederum sehr auffälliger Name. Doch ich hatte einige Leserstimmen gehört, die viel Großes und Gutes von diesem Roman versprachen, also war ich neugierig gestimmt. Dann auf der Leipziger Buchmesse gerieten wir mit dem Diogenes Verlag ins Gespräch und prompt fragten wir Olga als Rezensionsexemplar an. Meine Neugier sollte vom Roman erhört werden.

Vielen Dank an dieser Stelle an den Diogenes Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!


IMG_4919.jpgFakten

Titel:  Olga | Autorenname: Bernhard Schlink | Seitenanzahl: 320 | Verlag: Diogenes Verlag | Preis: 24,00 € [Leinenband] | ISBN: 978-3-257-07015-6 | Sprache: Deutsch | Erhältlich bei: Amazon* Diogenes Verlag |

Inhalt

Die Geschichte der Liebe zwischen einer Frau, die gegen die Vorurteile ihrer Zeit kämpft, und einem Mann, der sich mit afrikanischen und arktischen Eskapaden an die Träume seiner Zeit von Größe und Macht verliert. Erst im Scheitern wird er mit der Realität konfrontiert – wie viele seines Volks und seiner Zeit. Die Frau bleibt ihm ihr Leben lang verbunden, in Gedanken, Briefen und einem großen Aufbegehren. [Diogenes]


Lesezeit

Überraschend ruhig mit einer hingebungsvollen Zerrissenheit

Der Anfang und auch der erste Verlauf der Geschichte barg zunächst nichts sonderbar Neues oder Überraschendes. Ich muss gestehen, dass ich sogar begann, mich zu langweilen. Es schien noch nicht genug. Irgendwie fehlte mir etwas, das meine Neugier und all die Hoffnung, dass dieser Roman mehr in sich trägt, befriedigen sollte. Obwohl ich zunächst noch nicht allzu überzeugt war, reizte mich die Ruhe der Geschichte und vor allem der faszinierende Charakter von Olga. Sie war es, die nicht nur all die Menschen in ihrer Umgebung durch ihre fordernde Art in den Bann zog, sondern auch mich weiter in die Geschichte hineinriss, ohne, dass ich zunächst benennen konnte, was es war, dass mich mit der Zeit so sehr an ihr begeisterte.

„Ich weiß nicht, was ich will. Ich will mehr, als das hier, die Felder, das Gut, das Dorf, mehr als Königsberg und Berlin und mehr als Garde, nicht weil es die Garde zu Fuß ist, mit der Garde zu Pferd wäre es nicht anders. Ich will etwas, das all das hier hinter sich lässt.
– Herbert | Olga | Bernhard Schlink | Seite 34

Die zuerst sehr distanziert erscheinende Perspektive passte perfekt zur auflauernden Handlung. Denn das ist es, was der Geschichtsverlauf mit dem Leser macht: Sich vorbereiten. Wir lernen Olga in ihrem gesamten Sein kennen. Es beginnt tatsächlich am Anfang ihres Lebens und verfolgt ihre ganze Geschichte in einer Detailtreue, die bemerkenswert geschildert wurde. Dabei redete Bernhard Schlink nicht unnötig um den Plot herum: Eine gezielte Wortwahl und ein strammer Handlungsstrang begleiten uns durch den Roman. Dabei ist es beachtlich, wie der Autor neben der eigentlichen Story um Olga, auch die geschichtlichen Aspekte in die Handlung miteinfließen ließ, ohne, dass es dem Leser zu überdrüssig schien oder wie eine Geschichtsnacherzählung wirkte. Durch diese Nebenhandlungen gewann der Roman an Authentizität und ließ die Atmosphäre um Olga und ihr Leben echt erscheinen. So als hätte sie wirklich dieses Leben gelebt.

Zum ersten Mal war alles wirklich: der Verlust, der Abschied, der Schmerz, die Trauer. Sie begann zu weinen und konnte nicht aufhören.
Olga | Bernhard Schlink | Seite 102

Nach der anfänglichen Ruhe, die einen stets begleitet, nimmt der Roman eine Wendung, mit der ich so absolut nicht gerechnet habe. Diese Wendung flößte der Geschichte das Leben ein, welches ich zuvor vermisst hatte. Doch damit nicht genug: Es erschütterte mich. Mit den folgenden Ereignissen habe ich nicht gerechnet und sie ließen mich den gesamten Roman mit alle seinen Details und Geschichten noch einmal reflektieren. Plötzlich leuchtete einem der Plan auf, den Schlink die gesamte Zeit über verfolgt hatte und den Leser damit bewusst auf einen anderen Pfad wies, um uns dann vollkommen zu überwältigen.

Das Gute an unserer Trennung ist, dass ich Dir schreibe kann, wie sehr ich Dich vermisst.
Olga | Bernhard Schlink | 234

Der Schreibstil passte sich den jeweiligen Ereignissen perfekt an. Gerade zum Ende hin ergriffen mich die unerwarteten Emotionen und rissen mich gänzlich aus meiner ruhigen Leselandschaft. Plötzlich nahm ich die Geschichte ganz anders wahr. Sie rührte und begeisterte mich, ließen mich mit Olga und ihrem Schicksal, ihrem ganzen Leben fühlen, auf eine Art, die mich überraschte und mitten ins Herz traf.


Fazit

Bernhard Schlink servierte uns mit Olga einen unerwartet emotionalen Roman, der mich ohne Vorbereitung mit der Ruhe lockte und schließlich zum Ende hin mit so vielen Gefühlen umschloss, dass ich die Geschichte um Olga mit einer rührenden Begeisterung beenden konnte. Eine klare Empfehlung, vor allem von Liebhabern von Stolz und Vorurteil und Sturmhöhe.

lover


LoveSarah

9 Antworten auf „Rezension: Olga

  1. Hey liebe Sarah,

    Was für eine schöne Rezension. Ich muss gestehen ich hab das Buch das erste Mal bei dir gesehen. Zuvor hab ich es noch nicht gekannt. Die Geschichte klingt super viel versprechend. Ich freue mich dass dich der ruhige Auftakt und das emotionale Finale dann doch noch so positiv stimmen konnte.
    Das Buch werde ihn mir definitiv genauer anschauen.

    Ganz liebe Grüße, Stella

    Gefällt mir

    1. Liebe Stella,
      ouh da warst du aber flott mit dem Lesen, hihi <3
      Ich kannte es ehrlich gesagt auch nur von der Messe! Ich erlebe es immer wieder, dass mich die Romane aus dem Diogenes Verlag vollkommen überraschen. Von Außen wirkt alles immer wie "langweilige Schullektüre" und plötzlich wartet eine vollkommen neue Geschichte auf einen :)
      Ich wünsche dir einen schönen Restabend <3
      Alles Liebe,
      Sarah

      Gefällt 1 Person

  2. Sarah, 💚
    Das hört sich ganz toll an und obwohl es wirklich nicht ganz meine Richtung ist habe ich es nun auf meine Wunschliste gepackt. Du hast ganz großartige Worte gefunden dieses Buch zu beschreiben.

    Alles lieve nessi von Nessis Bücher 💚

    Gefällt 1 Person

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