Was wäre, wenn…

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Für diese Idee muss ich meinem Mann danken, der mit dem Einfall über die Zeit daherkam. Im Moment haben wir die Serie Timeless verfolgt, die sich mit Zeitreisen befasst. Das Thema Zeit steht dementsprechend groß im Vordergrund, weshalb ich mich auf die heutige Frage sehr freue. Die Schreibaufgabe kann wie jede Woche, ganz gleich in welchen Zeitraum und ganz gleich in welcher Form, umgesetzt und hier unter meinem Beitrag gepostet werden. Ich freue mich auf eine große Vielfalt an Beiträgen und viel Kreativität! 


Was wäre, wenn die Zeit stehenbleiben würde?

Der Moment ist gekommen. Und wie oft streifte mich schon der Gedanke, einen Augenblick anzuhalten? Für immer festgefroren oder nur kurz pausiert, um eine Erinnerung noch ein wenig länger durchleben zu können? Wie oft hofft man, die Zeit irgendwie manipulieren zu können? Natürlich hat das Vorspulen auch so seine Vorteile, vor allem, wenn eine Situation unangenehm ist oder so langweilig, dass man droht einzuschlafen. Oder man möchte zurückkehren, um das Geschehene immer und immer wieder zu durchleben. Weil dieser Moment so schön war.
Doch was ist, wenn man es einfach einfrieren könnte? Die Zeit? Diese Sekunde der Perfektion. Den Augenblick, in dem alles der Vollkommenheit gleicht, der geradezu den absolute Höhepunkt beschreibt? Ja… wir denken an die schönen Dinge, die es sich lohnt, nicht vergessen zu werden oder wie in einem Bild einzufangen und für immer einzurahmen, nur mit dem Gefühl und der ganzen Situation dazu und nicht nur in Farbe und wie nachgezeichnet.
Aber was ist, wenn es ein schlimmer Moment ist? Wenn die Zeit stehenbleiben soll, weil etwas Schreckliches passieren wird? So wie jetzt. So wie gleich.
Der Moment ist gekommen.
Wir müssen Abschied nehmen.
Und das für immer.
Für immer.
Für. Immer.
Das ist eine verdammt lange Zeit. Dieses für immer. Drumherum kommen wir nicht. Doch was ist, wenn man den Moment vor dem Für-Immer einfrieren könnten und genau der Moment davor einfach anhält? Wenn wir uns nicht trennen müssten, von den Dingen, die wir lieben, wenn wir nicht zurückblicken müssten, wenn wir das Vermissen nicht kennenlernen müssen, wenn wir nicht leiden müssten, wenn… ja, was wäre, wenn die Zeit stehenbleiben würde?
Der Moment ist gekommen.
Ich spüre es ganz genau. Der letzte Atemzug.
Mein letzter Atemzug. Wie sie meine Hand hält, ihre Finger zittern, als sie über meine Haut gleitet, versucht zärtlich zu sein, obwohl so viel Leid in ihr selbst verborgen liegt, Leid über unser Schicksal, das hier endet. Enden soll. Der Versuch nicht zu weinen, ist kläglich gescheitert, doch das macht nichts. Es hat fast schon etwas Beruhigendes, zu wissen, dass man vermisst wird. Und gleichzeitig zerstört es mich innerlich, fast mehr als all die Metastasen in mir mich wirklich wahrhaftig zerstören. Es ist ein zwiespaltendes Gefühl, die Hoffnung so viel in jemandem bewegt zu haben, dass man nicht vergessen wird und gleichzeitig zu wissen, dass man der Grund für viele Tränen und viel Schmerz sein wird. Es ist furchtbar schön. Furchtbar und schön zugleich. Dass es ungerecht ist, darüber brauchen wir nicht zu streiten, es liegt klar auf der Hand. Zeit ist etwas verräterisches. Wie oft wir sie vergessen und nur in bedeutenden Momenten wieder begreifen, ist fast schon erbärmlich bemitleidenswert. Obwohl Filme, Bücher und Geschichten uns immer wieder an die Zeit erinnern, die uns entrinnt, so nehmen wir es dennoch nicht wahr. Wer will das auch schon? Den Tod auf der Schulter lasten haben? Es wäre schrecklich, den Gedanken immer mit sich zu tragen, also vergessen wir es und lassen die Zeit vergehen, als hätten wir sie geschenkt bekommen. Für immer. Und nun liege ich hier und sie sitzt mir gegenüber, traut sich nicht ins Bett, aus Angst, ich würde sonst auseinander fallen. Obwohl ich das schon tue. Sie streichelt meine Hand und schluchzt und lacht und wir sehen uns an und wissen: Der Moment ist gekommen. Ich werde gehen und sie muss bleiben und es ist schrecklich und nicht zu ändern. Also lasse ich diesen Moment stehenbleiben. Für immer. Dieser Moment bleibt. Eine Zerrissenheit zwischen Leid, Schmerz, Trauer und einer nicht zu beschreibenden Schönheit, die mich auch etwas Glück empfinden lässt, kurz bevor ich nie wieder zurückkommen werde. 


LoveSarah

10 Antworten auf „Was wäre, wenn…

  1. Wow! <3 So intensiv geschrieben – man fühlt den Schmerz, das Leid, die Trauer mit jeder Zeile. Und der Gedanke, dass man die Zeit kurz anhält, auch wenn es bedeutet, dass man dann den Schmerz in Dauerschleife spürt… wirklich gut!

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  2. Sarah – ich hab mich gerade in dich verliebt (jep). Du schreibst wundervoll ich bin völlig aus dem häuschen und muss bei der nächsten gelegenheit unbedingt dein Buch kaufen ! Allein die Idee finde ich schon super kreativ und die Umsetzung geht unter die Haut ganz ganz toll.

    Alles Liebe, Nessi von Nessis Bücher :*

    Gefällt 1 Person

    1. Liebe Nessi,
      awww <3 wie lieb von dir! Hach, ich bin ganz sprachlos. Vielen lieben Dank für deine Worte, sie rühren mich sehr :') Oh wow! Solltest du dir mein Buch kaufen, erzähl mir unbedingt, wie es dir gefallen hat!
      Alles Liebe,
      Sarah

      Gefällt mir

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