Rezension: Nevernight | Das Spiel

The englisch review will follow during the next couple of days, promise!

Achtung! Bei dieser Rezension handelt es sich um den zweiten Teil einer Reihe. Wer nicht furchtbar gespoilert werden möchte, sollte nicht weiterlesen. Zur Rezension des ersten Romans geht es hier entlang: Nevernight | Die Prüfung. Ansonsten kann ich an dieser Stelle nur sagen: Ihr wurdet gewarnt. 

Conquer your fear. Conquer the world.

Als Jill im letzten Jahr begann, von Nevernight zu schwärmen und überall ein gewisses Feeling für diese Bücherreihe ausbrach, habe ich mir, ohne groß darüber nachzudenken, direkt die Romane auf Englisch geholt. Aus dem Grund ist auf dem Bild auch nur die englische Version von Nevernight | Das Spiel zu sehen: Godsgrave. Ich ahnte nicht, was für ein mörderischer Schreibstil dort auf mich lauerte. Doch ich habe die Herausforderung in Jay Kristoffs unfassbarem Meisterwerk geliebt, obwohl ich beim zweiten Band etwas länger benötigt habe, da mich die Sprache immer wieder herausforderte, so bin ich dieser Romanreihe hoffnungslos verfallen. Ich liebe die Nevernight-Chroniken und kann immer noch nicht fassen, dass es noch mindestens ein Jahr dauert, bis der dritte Band auf Englisch erscheint (was bedeutet, dass der Deutsche wohl bis 2020 auf sich warten lässt, ‚byss and blood!).

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Fakten

Titel:  Nevernight | Das Spiel (engl. Godsgrave) | Autorenname: Jay Kristoff | Seitenanzahl: 704 | Verlag: FISCHER TOR FANTASY | Preis: 22,99 € | ISBN: 978-3596297597 | Sprache: Deutsch |

Inhalt

Mia kehrt zurück nach Gottesgrab, die Stadt der Brücken und Gebeine. Als Assassine folgt sie den Befehlen der Roten Kirche aufs Wort und tötet, ohne Fragen zu stellen. Ihr eigentliches Ziel bleiben jedoch die Männer, die ihre Familie auf dem Gewissen haben: Konsul Scaeva und Kardinal Dumo.

Als Mia herausfindet, dass der Assassinenorden in Wahrheit Scaeva schützt anstatt ihr zu helfen, kehrt sie ihm den Rücken und fasst einen folgenschweren Entschluss: Sie verkauft sich selbst in die Sklaverei, um als Gladiatorin bei den Großen Spielen anzutreten. Denn dem Gewinner, so heißt es, wird eine private Audienz bei der Elite des Reiches gewährt … Ist das ihre Chance, an Scaeva und Dumo heranzukommen? [FISCHER TOR]


Lesezeit

Episch, überwältigend und ausnahmslos meisterhaft.

Der zweite Band der Nevernight Reihe startet mit einer stürmischen Ruhe, anders kann ich es kaum beschreiben. Wir werden sanft in die Handlung durch den Erzähler geführt. Allerdings ist das Geschehene bereits zu Beginn mit einer fast schon beeindruckenden Gewalteinlage beschrieben. Jay Kristoff vollbringt es selbst blutige Szenen mit einem gewissen Charme niederzuschreiben, ohne, dass einem als Leser unwohl zumute wird, selbst wenn gerade einige ihr Leben verlieren.

„Hear me, Niah“, Mia whispered. „Hear me, Mother. This flesh your feast. This blood your wine. This life, this end, my gift to you. Hold him close.“
Mai | Godsgrave | Jay Kristoff | page 18

In gekonnter Manier schreibt Jay Kristoff diese Geschichte mit Worten, die Bilder malen könnten. Sein Schreibstil trägt etwas Poetisches inne. Jeder Satz ist in sich stimmig, jeder Absatz perfekt ausgedacht, jedes Kapitel gezielt gesetzt. Die Formulierungen sind wortgewandt und trotz, dass wir hier ein gewisses sprachliches Niveau antreffen, so wird es einem nicht langweilig. Eher im Gegenteil. Die Sprache fordert den Leser heraus, sie spielt mit uns und lässt die Szenen lebendig werden. Der Erzähler sitzt uns stets im Ohr, schwankt zwischen den Zeiten und den Protagonisten umher, so, wie es der Spannung am besten in die Hände fällt. Es ist episch, geradezu makellos. Durch seine Wortwahl ist beim Lesen eine gewisse Aufmerksamkeit geboten: Selbst harmlos erscheinende Szenen werden im weiteren Verlauf zum Tragen kommen.
Dabei punktet Jay Kristoff sowohl in der erzählerischen Art, der zwischenzeitlich vulgären, doch genau richtig betonten Gespräche und der Beschreibung dieser Welt. In diesem Roman werden alle Einheiten eines perfekt durchdachten Storytellings zur Show geboten. Sowohl die Dialoge, die Ausarbeitung der Charaktere als auch das Worldbuilding, der Verlauf der Geschichte, die exakten Wendepunkte, die Strukturierung des Romans, werden allesamt mit einer beeindruckenden Detailtreue niedergeschrieben. Dieser Roman ist allein aufgrund der sprachlichen Vielfalt und der Lebendigkeit der Geschichte ein einziges Meisterwerk der Literaturszene.

No place for pride here. No place for pain. Only steel. And blood. And glory.
– Mia | Godsgrave | Jay Kristoff | page 208

Natürlich treffen einen auch hier wieder die altbekannten Fußnoten an, die dieser Romanreihe auf eine gewisse Art auch etwas Nostalgisches einflößen. In den Fußnoten spielt Jay Kristoff mit uns, macht sich über den Leser, seinen Protagonisten, die gesamte Geschichte lustig. Der Humor ist unübertrefflich und auch hier mit den richtigen Nuancen versehen: Nicht zu viel, nicht zu wenig. Es wirkt nicht humoristisch, auch nicht zu ernst. Der Sarkasmus wird genau an den richtigen Stellen miteingebunden, um dem gesamten Storyverlauf eine Leichtigkeit trotz gewalttätiger und ernster Thematik zu  geben. Obwohl es um Mord, Rache und Verlust geht, schafft es Jay Kristoff durch den Erzähler und der Schreibweise dem Roman einen geradezu schelmischen Charme zu verleihen.

„A Girl like you has no place in this sort of business.“
„Believe me, Captain“, Mia replied. „You’ve never met a girl like  me.“
Mia and the Captain | Godsgrave | Jay Kristoff | page 36

Bei Romanreihen läuft man manchmal Gefahr, auf immer wiederkehrende Muster zu treffen, die sich mit jedem Folgeroman so stark ähneln, dass die Geschichte mit der Zeit langweilig wird, weil nichts sonderbar Neues passiert. Manchmal zerstören Folgeromane gar den ersten Band. Jay Kristoff nutzt jedoch keine Geschichte, die wir schon kennen. Im zweiten Band der Nevernight-Chroniken präsentiert er uns ein vollkommen neues Setting. Wir treffen zwar wieder auf alte Gesichter, doch wir lernen auch viele neue Charaktere kennen, jeder mit seiner eigenen Vergangenheit und mit seinen eigenen Ambitionen. Und auch hier beeindruckte es mich, wie gut Kristoff die Handlungen der neuen Charaktere beschrieb und sie in den eigenen Gedanken lebendig werden ließ. Dabei verliert er sich nicht in endlosen Beschreibungen oder penibel detaillierte Vorstellungen. Es sind vielmehr die besonderen Kleinigkeiten, die jeden einzelnen zu etwas Besonderem werden lässt und damit im Gedächtnis hängen bleibt. Obwohl es einige Charaktere sind, die hier neu auftreten und mit vielen alten Charakteren vermischt werden, so wird der Roman keineswegs unübersichtlich oder überladen. Ich hatte zu keinem Zeitpunkt das Gefühl, den Faden zu verlieren oder nicht ganz zu begreifen, wer genau zu wem gehört. Die gesamte Geschichte spielte sich wie ein Film in meinem Kopf ab. So gut schreibt Jay Kristoff. So genau hat er diese Romanreihe ausgearbeitet. Manchmal überkam mich das Gefühl, die Charaktere bereits zu kennen, bevor ich mehr über sie gelesen habe. Manchmal  genügten gewisse Reize, um sie real und individuell erscheinen zu lassen.

Soon.
Mia grit her teeth, silently vowing to herself.
Soon, the sky itself will know my name. 
– Mia | Godsgrave | Jay Kristoff | page 209

Die Kombination aus Mia und Mister Kindly ist mitunter die großartigste Mischung, die Jay Kristoff erschaffen hat. Deren Zusammenspiel verleiht der Geschichte eine sehr persönliche Note und lässt es zu, dass die Gespräche zwischen Sarkasmus, Boshaftigkeit und einer gewissen Tiefgründigkeit schwanken. Wenn Mister Kindly auftritt, ist stets mit einem lebendigen und manchmal auch höchst wichtigem Akt zu rechnen. Die Nicht-Katze hat in dieser Romanreihe meine absolute Favoritenrolle erlangt. Die Art wie Jay Kristoff die Schattenkatze auftreten lässt, ihre Bewegungen und die Wortwahl beschreibt, ist beeindruckend akkurat. Die Nicht-Katze erhält ihre ganz eigene Persönlichkeit, ihre eigenen Dialoge, eigene Handlungen und irgendwie auch ihr eigenes Leben. Sie reflektiert Mias Gedanken mit gezielten Worten, ohne zu aufdringlich zu wirken, ohne zu übertreiben, mit einer Direktheit, die selbst den Leser im Rausch wieder ernüchtert. Durch all die Intrigen und Missetaten umgarnt, bringt Mister Kindly eine gewisse Ordnung und Logik in die Geschichte, die einen als Leser alles hinterfragen lässt und dafür Sorge trägt, dass wir beginnen, jedem zu misstrauen.

It’s funny, but when you take a person out of the world, you don’t just take them, do you? You take everything they were, too. Do you ever think about that?
Godsgrave | Jay Kristoff | page 326

Auch in diesem Band werden Geheimnisse aufgedeckt, die mich zum Teil schockiert haben. Wir erfahren mehr über das Leben von Mia, ihrer Vergangenheit, die ihrer Familie. Und mit jedem weiteren Kapitel beginnt man jedermanns Motiv zu hinterfragen und sich zu wundern, worauf all das hinauslaufen wird. Worin steckt das große Ganze? Was werden wir alles noch aufdecken, welche Geheimnisse hat Jay Kristoff noch versteckt, was muss Mia noch durchleiden, bis sie ihr Ziel erreicht? Obwohl hier und dort immer wieder Andeutungen auftauchen, so trifft einen jede Wendung trotzdem mit einer gewissen Überraschung. Selbst in Mometen, in denen ich mit bestimmten Ausgangspunkten gerechnet habe, übermannte mich gerade die Art wie es geschah jedes mal mit einem nachdrücklichen Schock.


Fazit

Nevernight | Das Spiel bietet ein gewaltiges Literaturerlebnis auf so vielen Ebenen, dass diese Rezension kaum ausreicht, um dieser meisterhaften Geschichte in irgendeiner Weise gerecht zu werden. Diese Reihe belebt den Leser auf eine Art, die begeistert und nicht mehr loslässt. Die Geschichten der Charaktere, die Welt in der wir uns wiederfinden und die Tiefe, mit der Jay Kristoff schreibt, sind ein Genuss für die eigene Gedankenwelt. Der zweite Band der Nevernight-Reihe ist beeindruckender denn je und lässt mit einem epischen Ende den dritten Band mit unbändigerer Neugier näher rücken.

Soulmate


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LoveSarah

 

6 Antworten auf „Rezension: Nevernight | Das Spiel

    1. Allerliebste Jill,
      ouh vielen lieben Dank <3 hach Jill, es tut mir immer so wahnsinnig gut, wenn ich deine Kommentare lese :) Ich danke dir sehr für deine superlieben Worte <3
      Ein unfassbares Meisterwerk! Ich könnte richtig heulen, dass wir noch sooo lange auf den dritten Band warten müssen!
      Alles Liebe,
      deine Sarah

      Gefällt mir

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