Pride to be | Warum ich Queens of Geek liebe

Als Jill fragte, ob Interesse an einem gemeinsamen Beitrag zum Pride Month bestünde, mussten Marion, Becca und ich nicht zögern: Wir sagten direkt zu. Es freut mich, dass wir gemeinsam auf Bücher von Autoren aufmerksam machen, die sich nicht davor scheuen, zu zeigen, dass Liebe überall und bei jedem gleich ist. Ganz gleich, wen man liebt: Es ist Liebe und sollte weder angezweifelt noch angeprangert werden. Für meinen Beitrag habe ich mir den Roman Queens of Geek ausgesucht. Queens of Geek zeigt auf so vielen Arten, wie schön eine Geschichte sein kann, die über jede Liebe berichtet, und wie viel noch getan werden muss, um mehr dieser Geschichten in unseren Alltag wiederzusehen.


Queens of Geek besticht im ersten Moment vor allem durch das wunderschöne Cover. Die pinken Haare strahlen einem aufmerksam entgegen. Es ist kaum möglich nicht wenigstens einen neugierigen Blick in die Richtung zu schielen und sich zu wundern, worum es in dem Roman eigentlich geht. Anhand der Überschrift vermutet man im ersten Moment auch noch nicht, dass dieser Roman ebenfalls Geschichten aus dem Lgbtq+ Bereich in sich trägt. Und das liebe ich eben an diesem Buch: Der Fokus richtet sich nicht darauf, dass alle erdenklichen Beziehungen thematisiert werden, sondern auf unsere Geeks und ihre Liebe zum Fandom. Das Cover zeigt nur zu deutlich, dass es egal ist, welche Liebe wir im Roman antreffen, denn: LOVE IS LOVE.

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Warum ihr den Roman lesen müsst

Wenn ihr euch für Romane aus dem lgbtq+ Bereich interessiert, ist Queens of Geek sicherlich die richtige Wahl. Allerdings gibt es weitaus mehr Gründe, zu diesem Buch zu greifen!

Freundschaft

Der Fokus der Geschichte legt sich auf die Freundschaft unserer beiden Protagonistinnen. Obwohl es genau genommen drei Protagonisten sind. Der Roman wird aus der Perspektive von Charlie und Taylor geschrieben. Sie verlieben sich beide, allerdings nicht ineinander. Sie leben ihre eigenen Liebesgeschichten und bereichern sich selbst mit ihrer gegenseitigen Freundschaft und der unglaublichen Unterstützung darin. Mit im Bunde ist noch Jamie. Diese drei stehen füreinander als beste Freunde in vielen Situationen ein und zeigen ein unglaublich beeindruckendes und beneidenswertes Gespann. Die Art wie sie miteinander umgehen, sich liebevoll unterstützen und sich den Rücken freihalten, hat mich unfassbar gerührt. Selten habe ich in einem Buch über so eine starke Freundschaft gelesen. Sie freuen sich ehrlich und wahrhaftig füreinander.

„We‘re all messy. What kind of friends would we be if we demanded you only show us your prettines? This isn‘t Instagram – it‘s real life. And real life is messy.“

Neid, Eifersucht und Zickereien dringen hier nicht für einen Moment ans Tageslicht. Es war angenehm mal über Freundschaften zu lesen, die aufrichtig sind. Diese Freundschaften trotzten vor Liebe und Zuneigung auf eine Art, die mir manchmal Tränen in die Augen jagte. Mit jeder weiteren kleinen Katastrophe aus der sie sich gegenseitig versuchten herauszuziehen und wieder aufzuheitern, merkte man als Leser wie tief diese Freundschaft sitzt, wie unglaublich gut sie sich gegenseitig kennen und vor allem respektieren. Es ist eine Form von Freundschaft, die ich jedem Wünsche.

Nerdstuff

Der Titel lässt natürlich vermuten, dass es um irgendwelche nerdigen Angelegenheiten geht. Dass der Titel mit Queens of Geek gewählt wurden, passt hinreißend perfekt zum Roman. Denn unsere Protagonistinnen sind genau das: Königinnen in ihrer eigenen Welt. Mit Stolz, Mut und Liebe zu dem, was sie tun, schreiten sie durch ihr Leben. Und auch wenn es nicht immer den Anschein macht, so fürchten auch sie sich vor dem, was vor ihnen liegt und wagen es dennoch sich allen Gefahren zu stellen und dem nachzugehen, was sie lieben.

To the Weirdos, the Geeks, and the Fandom Queens. To the Outcasts, the Misfits, and Everything in Between. The days of Playing the Sidekick are over. Your are the Superheroes now. You are my people, and this is for you.
Queens of Geek | Widmung

Wir finden uns auf einer der größten Fan-Conventions wieder, die es gibt. Charlie, Jamie und Taylor fiebern diesem Event bereits ewig entgegen und platzen fast vor Aufregung, als sie die Hallen der Convention betreten. Ihre Aufregung und Leidenschaft zu ihrem Hobby ist so intensiv zu spüren, dass mich das Gefühl von Gänsehaut überkam. Ich musste an unsere Tage während der Leipziger  Buchmesse denken. Wie wir eskaliert sind. Wie wir unsere Buchhelden anfeuerten. Wie wir in Ekstasen über einzelne Kapitel aus Büchern ausrasteten, wie wir in endlosen Diskussionen über unsere Lieblingsautoren verfielen, wie wir Merchandise stöberten. All das findet sich in diesem Roman wieder und ließ mein Fangirl-Herz unglaublich hochschlagen. Das Fangirl-Fieber in diesem Roman ist unglaublich ansteckend. Ob Comics, Bücher, Fantasy, Sci-Fi, Cosplay oder Fanfiction: Hier ist alles, was das Geek-Herz begehrt.

Vloggen

Charlie ist eine weltweit bekannte Vloggerin. Es hat mich unglaublich begeistert, dass wir hier nicht die klassischen Nerds vorfinden, dass nicht jeder introvertiert und schüchtern ist, dass ein Nerd eben auch extrovertiert und laut sein kann. Und das ist Charlie. Die Perspektive von Charlie zu lesen war wahnsinnig interessant. Ich selbst habe überhaupt keinen Bezug zum Vloggen. Eigentlich schaue ich mir generell nie YouTube-Videos an, weil ich leider nie wirklich eine Neigung dazu hatte. Hier ihre Perspektive zu lesen, eröffnete für mich also eine ganz neue Welt: Das Vloggen. Wie macht sie das? Wie denkt sie darüber? Warum macht sie das? Wie läuft so ein Vlog eigentlich? Und wie macht man das genau mit dem Video? Was für Themen gibt es und wie sieht generell diese Vloggerwelt aus? Es hat super viel Spaß gemacht, in dem Bereich einen kleinen Einblick zu bekommen.

Hollywood

Durch Charlies Erfolg wird in diesem Roman auch das Thema Rampenlicht und die Aufmerksamkeit von Fans in den Vordergrund gestellt. Es zeigt wie schwierig es ist, sich in dieser Welt und mit so viel Aufmerksamkeit auf einen selbst zurechtzufinden, ohne dabei verschlungen zu werden oder daran zu zergehen. Dabei wird das Thema gar nicht mal so oberflächlich angegangen, wie es den Anschein machen könnte. Immerhin stehen noch so viele andere Dinge zur Debatte, trotzdem hat es Jen Wilde vollbracht und diesen Aspekt ebenfalls noch mit in die Handlung einfließen zu lassen. Sehr deutlich zeigt sie wie aufdringlich und erdrückend ein Leben werden kann. Fans stellen unschuldig sehr persönliche Fragen, Reporter und Journalisten sticheln in Wunden herum, in den intimsten Dingen, wühlen, fragen und nerven, bis sie ihre gewünschten Antworten erhalten. Hier wird verdeutlicht was für ein Druck auf Stars und Personen des öffentlichen Lebens lastet und wie schwierig es ist, sich dem zu stellen und dabei nicht verschlungen zu werden.

Feminismus

Im ersten Moment fällt dieser Teil gar nicht so direkt auf und das beeindruckte mich im Nachhinein noch am meisten: Denn hier finden wir den bekannten Alltags-Sexismus wieder, der sich nur unterschwellig und in Nebensätzen erkenntlich zeigte und trotzdem so viel in einem selbst auslöste. Sehr deutlich wurde dieses Thema in Interviews mit Charlie. Dadurch, dass Charlie eine Frau ist, wird ihr öffentliches Auftreten oft nur auf ihren Körper, ihre Figur und ihr Fitnesstraining beschränkt. Wie hält sie sich schlank? Muss sie Diäten machen? Tiefgründige Fragen an eine weibliche Schauspielerin? Versteht sie das überhaupt? Dem männlichen Gegenspieler hingegen werden immerzu viel komplexere Fragen gestellt, die sein Können unter Beweis stellen. Es war erschreckend das einmal so vor Augen geführt zu bekommen und zu erkennen, wie selbstverständlich so etwas in jedem Bereich einfließt. Charlies Frust konnte ich so wahnsinnig gut nachvollziehen. Frauen werden Fragen über ihr Liebesleben, ihren Körper und Familienplänen gestellt. Männer werden gefragt, wie ihre Karrieremöglichkeiten aussehen und wie viel Erfolg sie im Leben haben.

Liebe

Auf dem Cover wissen wir bereits, dass es um zwei Liebesbeziehungen gehen wird. Im Klappentext erfahren wir dazu etwas mehr: Taylor verliebt sich in ihren gemeinsamen besten Freund Jamie und verunsichert sich durch ihren eigenen Charakter immer wieder selbst. Charlie verliebt sich in den Internetstar Alyssa Huntington und platzt bei jedem Treffen fast vor Aufregung. Diese Liebesbeziehungen spielen sich im Hintergrund ab. Die Probleme, die auftauchen haben stets etwas mit den Protagonistinnen selbst zu tun. Dabei gibt es keine äußerlichen Einflüsse, sondern nur ihre eigenen Ängst, die sich auf vollkommen unterschiedlichen Ebenen abspielen.
Neben diese Liebesgeschichten werden allerdings noch am Rande hier und dort Beziehungen thematisiert. Es gefiel mir, wie Jen Wilde durch Konflikte und vergangenen Geschichten aufzeigte, wie eine schöne und gleichgestellte Beziehung aussehen kann und wie eine, in der ein Partner vernachlässigt oder benachteiligt wird. Und vor allem: Was passiert, wenn man sich selbst innerhalb einer Beziehung aus den Augen verliert.

Lgbtq+

Ich habe es geliebt, wie aus dieser Bewegung kein Drama gemacht wurde. Hier gibt es kein großes, peinliches Coming-Out. Hier wird der Fokus nicht auf Charlies Sexualität gelenkt und trotzdem wird das Thema angesprochen. Allerdings auf eine so schön und so wichtige Art: Vorurteile werden aus dem Weg geräumt und aufgeklärt. Jen Wilde zeigt wo die Probleme im Alltag liegen und wie sehr es verletzt, wenn man nicht ernst genommen oder die Liebe, die man empfindet nicht als echt wahrgenommen wird. Wie schrecklich es ist, wenn einem vorgeworfen wird, die eigenen Gefühle seien nichts Wahres, nichts Nachvollziehbares, weil sie andere nicht verstehen können. Es zeigt die eigene Aufgewühltheit und vor allem, wie viel noch getan und gesagt und erklärt werden muss, um es zu ermöglichen, dass Liebe am Ende nur Liebe ist und kein Wer oder Was.
Und was unglaublich schön ist: Wie normal und hinreißend jede Liebe ist und wie gleich die Gefühle sind, die jeder von uns empfindet.

„History and experience have proven to me that it‘s very hard for people to understand, and all too easy fot them to judge.“


Weitere Buchempfehlungen und Gedanken zum Pride Month findet ihr bei Jill, Becca und Marion. Schaut unbedingt bei ihnen vorbei, es befinden einige Schmuckstücke unter den Buchtipps, die ihr nicht verpassen dürft!

Weitere Beiträge zu Pride to be

Marions Beitrag über Must-Reads zum Pride Month
Jills Beitrag über Lgbtq+ Buchtipps
Beccas Beitrag über Den Mund voll ungesagter Dinge


27 Antworten auf „Pride to be | Warum ich Queens of Geek liebe

  1. Liebe Buchnachbarin,
    ich finde es echt schön, dass ihr euch dem Thema angenommen habt. :)
    In den nächsten Tagen werde ich dazu sicherlich auch noch etwas schreiben.
    Deinen Beitrag habe ich nur überflogen, weil ich es ja noch vor mir habe, aber die Überschriften machen mich schon mal neugierig. <3
    Und ich habe erst gar nicht gecheckt, dass das auf dem Cover Haare sind, erst als das mal jemand gesagt/geschrieben hat :-D

    Superliebe!

    Gefällt 1 Person

    1. Liebe Stella,
      ach wie schön! Es hat mir wirklich unglaublich gut gefallen :) Es steckt einen während des Lesens total an und gleichzeitig ist es so emotional. Ich habe mich selbst in vielen Situationen wiedergesehen und total mitgefühlt :) Es war ein richtig schöner Roman <3 Und das Cover!

      Alles Liebe,
      Sarah

      Gefällt mir

    1. Liebe Katja,
      Vielen Dank für deinen Kommentar! Ach das freut mich aber sehr :) dann bin ich gespannt, wie es dir gefallen wird! Ich hoffe du wirst die Lesezeit genießen :)
      Vielen lieben Dank, es freut mich, dass dir die Idee hinter unserer Aktion gefallen hat :)
      Alles Liebe,
      Sarah

      Gefällt mir

  2. Liebe Sarah,

    ein wundervoller Artikel. Das Buch liegt schon seit Ewigkeiten auf meinem SUB, ich hatte es auch zwischendurch immer mal wieder in der Hand, aber irgendwie kamen mir immer andere Bücher dazwischen und das obwohl ich schon so häufig gesehen/gehört habe, dass das Buch einfach großartig ist!

    Ich denke, ich werde es in Zukunft mal in Angriff nehmen. Du hast mich mit deinem tollen Beitrag jedenfalls noch neugieriger auf das Buch gemacht!

    Liebste Grüße
    Ivy

    Gefällt 1 Person

    1. Liebe Ivy,
      vielen lieben Dank <3
      Hach, das Buch war einfach zuckersüß und echt schön :') es ist wie ein nach-Hause-kommen und Freunde-finden. Gerade als Booknerd findet man sich dort soo unfassbar gut wieder. Es liest sich zudem superschnell durch! Ich bin total gespannt, wie es dir gefallen wird :) Es freut mich, dass ich dich neugierig stimmen konnte <3

      Alles Liebe,
      Sarah

      Gefällt mir

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