10 Gründe Children of Blood and Bone zu lesen

Auf Children of Blood and Bone bin ich durch Jill aufmerksam geworden, die diesen Roman bereits seit dem Hype sehnsüchtig erwartet hat. Kaum, dass sie ihn selbst zwischen den Fingern hielt, musste ich auch zulangen. Und.ich.habe.ihn.verschlungen. Warum ihr dieses Buch unbedingt lesen müsst?

Children of Blood and Bone Tomi.jpg

Rassismus

Tomi Adeyemi ist schwarz. Und obwohl ihre Hautfarbe absolut keine Charaktereigenschaft ist und keine Aussage über ihre Fähigkeit zum Schreiben tätigt, so ist es dennoch gerade für diesen Roman unglaublich wichtig dies zu erwähnen: Denn obwohl die Hautfarbe, Herkunft, das Geschlecht, die sexuelle Orientierung oder sonstige Dinge, die andere meinen als Begründung für Hass zu wählen, keine Rolle spielen sollte, so ist ihre Erfahrung, ihr Leben als schwarze Frau, essentiell für diesen Roman. Denn Tomi Adeyemi erzählt uns in einer unglaublich emotionalen Art und Weise was Rassismus wirklich bedeutet. Vor allem vermittelt sie eines: Wenn man selbst keinen Rassismus erlebt hat, wird man nie verstehen, wie es ist, wie es sich anfühlt, das Opfer zu sein. Und durch die Perspektive von Zélie verleiht sie diesem Charakter die Stimme ihrer persönlichen Gedanken. Sie zeigt uns, was Rassismus heißt. Wie man lebt.

“Children of Blood and Bone was written during a time where I kept turning on the news and seeing stories of unarmed black men, women, and children being shot by the police. I felt afraid and angry and helpless, but this book was the one thing that made me feel like I could do something about it. I told myself that if just one person could read it and have their hearts or minds changed, then I would’ve done something meaningful against a problem that often feels so much bigger than myself.”
― Tomi Adeyemi | Children of Blood and Bone

Wie man behandelt wird. Und dass es allgegenwärtig ist. Im Nachwort erzählt die Autorin davon, wie die Morde an schwarze Teenager aus den USA sie zu dieser Geschichte verleitet haben. Wie sie versuchte ihre Gefühle in dieses Buch zu verkleiden, um ein Zeichen zu setzen und zu zeigen, was es bedeutet von der Gesellschaft ausgeschlossen zu werden. Was es bedeutet, sich zu fürchten. Was es bedeutet, anders behandelt zu werden, nur, weil man anders aussieht. Dabei verdeutlicht sie nicht nur die Perspektive der Betroffenen, sondern auch derjenigen, die rassistisch handeln. Dieser Part war wohl mitunter am interessantesten. Wir lernen kennen, wie Vorurteile den Geist vernebeln, wie sie durch die Familie weitergegeben werden, wie zwanghaft Argumente gesucht werden, um den eigenen Hass zu rechtfertigen. Und all das in einer Fantasywelt. Es ist erschreckend, wie die Vorurteile, Gedanken und Handlungen sich hinsichtlich unserer Gesellschaft ähneln.

“As long as we don’t have magic, they will never treat us with respect. They need to know we can hit them back. If they burn our homes, we burn theirs, too.”

Die Protagonisten

Ich kann gar nicht so genau benennen, welche Perspektive mir am meisten zugesagt hat. Fasziniert hat mich vor allem Inan. Seine Entwicklung und der stetig anhaltende innere Zwiespalt haben mich zum verzweifeln gebracht. Die Art wie er mich beeinflusste und einnahm, ließ meine Gedanken rasen und oft innehalten, um das zu verarbeiten, was er sich zusammengesponnen hat.
Zelié entspricht absolut keinem Stereotypen und ich kann sie kaum mit einem anderen Protagonisten vergleichen. Sie ist nicht nett. Sie hat kein Mitleid. Sie ist mutig, stark und gleichzeitig besitzt sie so viel Herz und Gefühle, dass sie es vollbrachte, mich nicht nur einmal zu Tränen zu rühren oder mich mit ihren Gedanken und Ängsten zu schockieren. Ihre Art vor anderen aufzutreten, sich nicht zu verstecken, für ihre Werte und Ansichten einzutreten und vor allem ihre Stärke und ihr Selbstbewusstsein, taten es mir ungemein an und ließen sie zu einem Herzenscharakter heranwachsen.
Amari ist zuckersüß und herzensgut. Sie gleicht die Wut, die Ungerechtigkeit und all den Hass der verbreitet wird durch ihr Verlangen nach Frieden und Harmonie aus. Sie lässt sich nicht unterkriegen. Sie ist in ihrer Ruhe stark und trotz, dass sie zunächst als Schwächste erscheint, beweist sie mitunter den größten Mut und die bemerkenswerteste Courage.

“As it fades, I see the truth – in plain sight, yet hidden all along. We are all children of blood and bone. All instruments of vengeance and virtue. This truth holds me close, rocking me like a child in a mother’s arms. It binds me in its love as death swallows me in its grasp.”

Charakterentwicklung

Im Roman lernen wir drei Perspektiven kennen. Jeder einzelne sticht mit einem perfekt herausgearbeiteten Charakter hervor. Zwar sind die Kapitel mit den Namen der jeweiligen Perspektive versehen, doch das wäre bei dem Schreibstil und der Treue zum jeweiligen Protagonisten gar nicht von Nöten gewesen: Die Autorin hat die Eigenschaften und vor allem die Art wie jeder einzelne denkt, ausgezeichnet niedergeschrieben. Sie hat ein ausgesprochen bemerkenswertes Talent dafür, sich in die Gedanken anderer hineinzuversetzen und sie genauso wiederzugeben, dass man das Gefühl hat, mit drei gänzlich unterschiedlichen Menschen zu sprechen. Sie schreibt diese Passagen so differenziert, dass sie gerade diese drei in meinem Kopf zum Leben erweckt hat. Ihre Gesichtszüge, die Art sich zu bewegen, jedoch vor allem was jeden von ihnen antreibt, was sie wollen, was sie denken, wie sie handeln. Jede Handlung ergibt Sinn und ließ perfekt auf den Charakter zurück schließen.
Dabei gefiel mir allen voran die Entwicklung jedes einzelnen. Es war faszinierend zu beobachten, wie die Reise, auf die sie sich auf unterschiedlichste Art begaben, sie zunehmend veränderte und wie ihre Erfahrungen die Gedanken und den Charakter schließlich prägten. Dabei nahm sich Tomi Adeyemi Zeit, die Geschichte langsam aufbauen und die Protagonisten eine authentische Entwicklung durchleben zu lassen, ohne, dass man als Leser das Gefühl erhielt, nicht nachvollziehen zu können, wie sich plötzlich so ein Sinneswandel ergeben konnte. Die Art wie sie die Geschichte gesponnen hat, passte sich perfekt an und ließ jede Handlung authentisch wirken.

“Your people, your guards – they’re nothing more than killers, rapists, and thieves. The only difference between them and criminals is the uniforms they wear.”

Magie

Obwohl in den meisten Fantasybüchern Magie thematisiert wird, so kann ich mich an diesem Thema nicht sattlesen. In jedem Buch erscheint Magie in einer anderen, vollkommen unterschiedlichen Form. Und so auch hier. Dabei beschreibt Adeyemi die Art der Magie so echt, so intensiv, dass sie real wirkt. Jede Form der Magie, die Art wie sie einst existierte, wie sie auftrat, ihr Ursprung, all das wirkt so akkurat und durchdacht zu Papier gebracht, dass es sich zwischenzeitlich wie ein Lehrbuch liest. Als befänden wir uns im Geschichtsunterricht von Harry Potter, doch mit weitaus mehr Gewalt und vor allem dem Umstand, dass Magie ausgelöscht wurde. Nach und nach lernen wir kennen, was Magie einst bedeutet und vor allem wie sie sich angefühlt hat. Wie sie zurückgeholt werden könnte und wie sie überhaupt erst verschwinden und ausgelöscht werden konnte. Faszinierend ist dabei vor allem, dass es zehn unterschiedliche Formen der Magie gab, die sich in zehn Völker aufteilte. Zu Beginn werden diese zehn Völker kurz vorgestellt, doch durch die Handlung und die Geschehnisse, die uns begleiten, lernen wir die Fähigkeiten nach und nach kennen. Ihre guten und schlechten Seiten.
Am meisten hat mich beeindruckt, wie Tomi Adeyemi das Gefühl von Magie beschrieben hat.

„You don’t have to be afraid-“
„I am always afraid!“
I don’t know what shocks me more-the power in my voice or the words themselves. Afraid. I am always afraid.

Schreibstil

Der Roman ragte durch die intensive Art des Schreibstils heraus. Es beeindruckte mich wie die Autorin uns die Gefühlswelt der Protagonisten darlegte, jeder mit seiner eigenen Sprache, jeder mit seinen eigenen Worten. Der Schreibstil allein unterstrich jeden Charakter und verlieh ihnen einen eigenen Charme. So flüssig und abwechslungsreich, wie Adeyemi den Text verfasste, gleiten wir als Leser einwandfrei durch die Handlung. Allein wie die Handlung beschrieben, wie die Kapitel gegliedert wurden, berauschte meine Sinne und ließen mich in diese Handlung versinken.

They will always hate me in this world. I will always be afraid.
„Zélie-“
„No“, I breathe through my sobs. „Stop. You think you know what it’s like, but you don’t. You never will.“

Nervenkitzel | Spannung

Obwohl ich bei der Charakterentwicklung von einer langsamen Handlung gesprochen habe, so spiegelt sich dies allerdings nicht auf den Roman wieder. Die Spannung und die aufeinanderfolgenden Ereignisse kurbeln die Stimmung zum bersten an. Die Atmosphäre knistert vor Aufregung und Action. Direkt zu Beginn werden wir schonungslos von der Autorin in das Grauen geworfen, was Zélie jeden Tag durchleben muss. Wir erfahren sehr schnell, was es bedeutet, eine Ausgestoßene zu sein. Jemand der gehasst wird, allein aufgrund der eigenen Herkunft.

„… I want to understand.“
„You can’t. They built this world for you, built it to love you. They never cursed at you in the streets, never broke own the doors of your home. They didn’t drag your mother by her neck and hung her for the whole world to see.“

Worldbuilding

Wie in Fantasybüchern üblich, wird eine ganze Welt kreiert, in der wir uns erst zurechtfinden müssen. Meistens trifft man auf ähnliche Gliederungen und durchstreift Städte, magische Geschäfte und Königreiche im Mittelalterstil. Hier jedoch nicht. Zwar befinden wir uns auch in einem Königreich, doch wir leben im Slum. Wir leben in den armen, in den ausgestoßenen Vierteln. Die Umgebung wechselt sich durch unsere Reise: Wüste, Dschungel, Tempel… uvm. Die Landkarte, die zu Beginn gezeigt wird, verdeutlicht was für ein Ausmaß diese Welt hat und was wir noch alles erleben werden.

He has no magic. No weapon. No way to fight.
The guard doesn’t care.
His sword slashes down.

Die Autorin

Was für eine unglaubliche Frau! Nicht nur, dass sie in Harvard studiert hat, gleich darauf folgte ihr Abschluss in Brasilien in afrikanischer Mythologie. Sie schrieb dieses Buch für all diejenigen Schwarzen, die eine Geschichte suchen, in der sie sich verstanden fühlen. Tomi Adeyemi beeindruckt mich. Durch ihren Lebenslauf. Durch ihren Charakter. Durch all die Liebe, die sie in diesen Roman gesteckt hat. Ihr Herzblut und die Ehrlichkeit mit der sie ihre Gefühle zu Papier gebracht hat, sind deutlich zu spüren und lassen diese Geschichte zu einem Herzensbuch werden. Zu einer authentischen, echten Geschichte, die man gar nicht vergessen kann, weil sie einen einnimmt, packt, verfolgt und so intensiv umschlingt, als hätte sie diese einem persönlich erzählt.

 Lovestory

Auch wenn ich der Ansicht bin, dass dieser Roman vielleicht sogar gänzlich ohne Liebesgeschichten ausgekommen wäre, so sind sie dennoch ein Teil dieser Geschichte. Was mir sehr gut gefallen hat, ist die langsame Entwicklung und die Vorsicht, mit der diejenigen miteinander umgehen. Ich erwähne bewusst nicht, um wen es sich handelt, damit ihr nicht unnötig gespoilert werdet. Die Art wie die Paare zueinander gefunden haben und wie sich die Gefühle mit Bedacht entwickeln, ist wirklich schön umgesetzt worden. Auch wenn sich manche Fügungen etwas rasant ergeben haben, so wirkte es aufgrund der Charaktereigenschaften und der Gegebenheiten trotzdem authentisch. Dennoch bin ich der Meinung, dass dieser Roman wunderbar ohne Liebesbeziehungen zurecht gekommen wäre, auch wenn ich verstehen kann, dass dann so mancher Leser enttäuscht gewesen wäre, immerhin handelt es sich hierbei immer noch um Jugendfantasy.

Das Cover

Ja, es ist ein ziemlich trivialer Grund, aber dennoch: Ist es nicht umwerfend? Es sagt so viel über diesen Roman aus! Dieser stechende Blick. Die grellweißen Haare, die uns entgegenleuchten, die starke Überschrift. Dieses Cover vermittelt so unglaublich viel, auch ohne, dass man die Geschichte kennt oder überhaupt den Klappentext gelesen hat: Es zieht einen an. Selbst, wenn einem der Inhalt nicht zusagen sollte, so ist das Cover definitiv ein Blickfang und lohnt, um das Regal zu schmücken. Wobei es eine absolute Verschwendung wäre, die Story nicht gelesen zu haben!


Fakten

Titel:  Children of Blood and Bone | Autorenname: Tomi Adeyemi | Seitenanzahl: 624 | Verlag: FISCHER TOR FANTASY | Preis: 18,99 € | ISBN: 978-3-8414-4029-7 | Sprache: Deutsch |

InhaltSie töteten meine Mutter.
Sie raubten uns die Magie.
Sie zwangen uns in den Staub.
Jetzt erheben wir uns.

Zélies Welt war einst voller Magie. Flammentänzer spielten mit dem Feuer, Geistwandler schufen schillernde Träume, und Seelenfänger wie Zélies Mutter wachten über Leben und Tod. Bis zu der Nacht, als ihre Kräfte versiegten und der machthungrige König von Orïsha jeden einzelnen Magier töten ließ. Die Blutnacht beraubte Zélie ihrer Mutter und nahm einem ganzen Volk die Hoffnung.

Jetzt hat Zélie eine einzige Chance, die Magie nach Orïsha zurückzuholen. Ihre Mission führt sie über dunkle Pfade, wo rachedurstige Geister lauern, und durch glühende Wüsten, die ihr alles abverlangen. Dabei muss sie ihren Feinden immer einen Schritt voraus sein. Besonders dem Kronprinzen, der mit allen Mitteln verhindern will, dass die Magie je wieder zurückkehrt … [FISCHER VERLAG]


Rezensionen

Letterheart  |  Teilzeithelden  |  Ina’s Little Bakery  |  Valaraucos Buchstabenmeer |  Stürmische Seiten | Zeilenwanderer


LoveSarah

 

4 Antworten auf „10 Gründe Children of Blood and Bone zu lesen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s