Rezension: Nur drei Worte | Love, Simon

Ich muss gestehen, dass mir der Roman in der deutschen Ausgabe unter dem Titel Nur drei Worte zwar in den Monaten des Release sehr deutlich aufgefallen ist, es jedoch bei mir persönlich kein wirkliches Interesse auslöste. Der Trailer hingegen schon. Erst durch den Kinofilm habe ich wieder an diese Story gedacht und mir durchgelesen worum es geht. Nicht nur die Tatsache, dass es meine erste Story über einen schwulen Protagonisten, der sich noch nicht geoutet hat, sein sollte, auch die Thematik mit den anonymen E-Mails und einer Lovestory innerhalb der Highschool lockte mein Interesse ungemein.

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Fakten

Titel:  Nur drei Worte | Love, Simon (engl.: Simon vs. the Homo Sapiens Agenda) | Autorenname: Becky Albertalli | Seitenanzahl: 320 | Verlag: Carlsen | Preis: 14,80 € | ISBN: 978-3-551-55609-7 | Sprache: Deutsch |

Inhalt

Was Simon über Blue weiß: Er ist witzig, sehr weise, aber auch ein bisschen schüchtern. Und ganz schön verwirrend. Was Simon nicht über Blue weiß: WER er ist. Die beiden gehen auf dieselbe Schule und schon seit Monaten tauschen sie E-Mails aus, in denen sie sich die intimsten Dinge gestehen. Simon spürt, dass er sich langsam, aber sicher in Blue verliebt, doch der ist noch nicht bereit, sich mit Simon zu treffen. Dann fällt eine der E-Mails in falsche Hände – und plötzlich steht Simons Leben Kopf. [Carlsen]


Lesezeit

Zuckersüß, herzerwärmend und wachrüttelnd.

“Why is straight the default? Everyone should have to declare one way or another, and it shouldn’t be this big awkward thing whether you’re straight, gay, bi, or whatever. I’m just saying.”  Simon vs. the Homo Sapien Agenda

Die Geschichte um Simon wird aus seiner Perspektive erzählt, was mir sehr viel Freude bereitet hat, obwohl ich gestehen muss, dass ich gerade zu Beginn etwas Schwierigkeiten mit dem Schreibstil hatte. Je mehr ich jedoch aus Simons Sicht gelesen habe, umso echter und authentischer wirkten seine Gedanken. Die Autorin hat sich seinem Denken genau angepasst. Im Roman wird sogar später erwähnt, dass Simon genauso schreibt wie er spricht und eben das trifft auf diesen Schreibstil zu. Zunächst hatte ich angenommen, dass es sich um den Schreibstil der Autorin handelt, der mich zunächst beim Lesen beeinträchtigte und vielleicht etwas verwirrte. Doch sobald die E-Mails aus Blues Sicht erschienen, wurde klar, dass sich die Autorin schlichtweg perfekt an die Gedanken und das ganze Sein von Simon angepasst hat. Wirklich beeindruckend. Mit der Zeit konnte ich mir Simon als reale Person ausgezeichnet vorstellen.

“What’s a dementor?“
I mean, I can’t even. „Nora, you are no longer my sister.“
„So it’s some Harry Potter thing,“ she says.”

Je mehr ich von Simon erfuhr, desto sympathischer wurde er mir. Vor allem sein Humor hatte es mir ungemein angetan und die Art, wie die Aufregung ihn jederzeit übermannte und man seine Gefühle so unglaublich nah erleben konnte. Gerade in den Momenten, da er sich an Blue richtete, spürte ich seine Nervosität und wurde selbst ganz unruhig. Auf diese Art fieberte ich jeder E-Mail entgegen und freute mich wahnsinnig auf jede neue Nachricht.

“He talked about the ocean between people. And how the whole point of everything is to find a shore worth swimming to.”

Ich mochte es, wie Simons Unsicherheiten ausgelegt wurden. Die Art wie er dachte und nichts überdramatisierte und gleichzeitig klarstellte, dass es ok ist, sich in unangenehmen Situationen zu manövrieren. Es gehört zum Erwachsenenwerden dazu. Allerdings regte er sich auch über die Ungerechtigkeiten auf, die nur ihn betrafen. Weil er schwul ist. Eine sexuelle Orientierung ist keine Charaktereigenschaft. Man verändert sich nicht plötzlich, nur, weil man diesen Teil von sich preisgibt. Und genau das ist die Angst, die Simon seit je her davor bewahrt hat, sich zu outen: Er will nicht, dass sich irgendetwas verändert. Schließlich ist und bleibt er immer noch Simon. Seine Gedanken und Entwicklung mitzuverfolgen, berührte mich sehr und erschütterte mich, gerade zum Ende hin.

“But I’m tired of coming out. All I ever do is come out. I try not to change, but I keep changing, in all these tiny ways. I get a girlfriend. I have a beer. And every freaking time, I have to reintroduce myself to the universe all over again.”

Neben Simons Liebesleben, dreht sich der Roman ebenfalls um das Erwachsenwerden und was es bedeutet, sich immerzu zu verändern. Gerade diesen Teil konnte ich so gut nachvollziehen und vor allem nachempfinden. Seien es Hobbys oder so etwas simples wie die Lieblingsmahlzeit oder der Kleidungsstil. Wir verändern uns in unseren Vorlieben ständig und zu jeder Zeit, allerdings scheint es für andere immer wieder ein Schock zu sein, wenn diese Veränderung tatsächlich stattfindet, obwohl es etwas vollkommen Natürliches ist. Es hat mich gefreut, diesen Teil aus Simons Perspektive zu erleben, vor allem, da die meisten Jugendromane aus einer weiblichen Sicht stattfinden und Simons männliche Gedanken mal eine berauschende Abwechslung darstellten.

“I take a sip of my beer, and it’s – I mean, it’s just astonishingly disgusting. I don’t think I was expecting it to taste like ice cream, but holy fucking hell. People lie and get fake IDs and sneak into bars, and for this? I honestly think I’d rather make out with Bieber. The dog. Or Justin.”

Neben der Geschichte zwischen Simon und Blue und all den Momenten während der Schule und den Teenager-Anektdoten, mochte ich die Zeit mit seiner Familie sehr. Mir gefiel es, wie er seine Eltern beschrieb und trotz, dass sie ihn mit seiner Art nervten, spürte man sehr deutlich wie viel Liebe und Unterstützung dort auf ihn wartet und vor allem, dass er sich dessen auch bewusst ist. Es gefiel mir, dass wir in Simon einen ruhigen, gleichzeitig schüchternen und aufgeregten Charakter entdecken, der mit der Liebe zu kämpfen hat, wie alle anderen Teenager auch.

“Sometimes it seems like everyone knows who I am except me.”


Fazit

Nur drei Worte oder auch Love, Simon ist eine sehr schöne und vor allem unglaublich wahre Liebesgeschichte, die mich sehr berührt hat. Gerade die Art, wie Becky Albtertelli mit dem Thema Sexualität umgegangen ist, ohne ein zu großes Drama und gleichzeitig ein wahnsinnig wichtiges Thema zu erschaffen, berührte mich sehr. Die Geschichte zwischen Blue und Simon verlief aufregend und ruhig zugleich. Zwar fehlte mir in dem Punkt etwas die Spannung, allerdings gefiel mir die niedliche, geradezu bedacht liebevolle Art, wie sie aufeinander zugekommen sind und man ihre Unsicherheiten und gleichzeitig die Liebe dazwischen spüren konnte. Definitiv eine klare Leseempfehlung und ein nachdenklich stimmendes Buch für Zwischendurch.

lover


Weitere Rezensionen

Letterheart  |  Paradise for Bookworms  |  Kielfeder  |  Favolas Lesestoff


LoveSarah

 

 

5 Antworten auf „Rezension: Nur drei Worte | Love, Simon

  1. Liebe Sarah,

    hach ja, wie schön, dass dir das Buch gefallen hat! Ich liebe „Nur drei Worte“ einfach so sehr, es gehört zu meinen absoluten Lieblings- und Herzensbüchern. Den Film fand ich ebenso großartig und ich kann schon jetzt den DVD Release kaum erwarten hihi

    Ganz liebe Grüße
    Ivy

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  2. Latha math, Sarah.
    „Love ain’t the atrocity, that divides, degrades & devastates – hate is it. So why is hatred, among the people, such highly regarded…“
    (Samaire & Saoirse O’Boinor)

    Ich denke die Unaufgeregtheit, mit der das Thema Schwul-Sein bedacht wird, gehört zu den Stärken des Romans wie der Verfilmung. Was den Grundton des Films angeht, so wird John Hughes als respektvolle Referenz erwähnt, während manche Kritik sich am romantischen Ende, oder dem Ambiente der heilen Vorstadtwelt leicht störte. Allerdings fügen sich die Elemente erzählerisch ineinander – auch weil nicht jede Story die Unwägbarkeiten des ganzen Lebens umfassen kann & sollte.
    Manchmal ist eine gute, schöne Geschichte eben eine schöne, gute Geschichte.

    bonté

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