Rezension: Was ihr nicht seht

Was ihr nicht seht fiel mir direkt durch das unheilvolle Cover auf. Die roten Rauchelemente und die durchgedrückte Schrift, die durch Schatten der ausgestanzten Buchstaben einen sehr finsteren Eindruck vermitteln, regte sofort mein Interesse.

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Fakten

Titel:  Was ihr nicht seht | Autorenname: Nuala Ellwood | Seitenanzahl: 416 | Verlag: Goldmann | Preis: 12,00 € | ISBN: 978344220548 | Sprache: Deutsch |

Inhalt

Kate ist eine mutige Frau, die als Kriegsreporterin kein Risiko scheut. Ihre Vergangenheit an der südenglischen Küste hat sie lange hinter sich gelassen. Erst als ihre Mutter stirbt, kehrt sie zurück nach Herne Bay, wo ihre Schwester Sally noch immer lebt. Aber Kate spürt vom ersten Tag an, dass die Heimkehr unter keinem guten Stern steht. Sie hat furchtbare Albträume und hört Stimmen, die ihr keine Ruhe lassen. Und so glaubt ihr auch niemand, als sie meint, die Schreie eines Jungen aus dem Nachbargarten zu hören. Doch Kate will der Sache auf den Grund gehen – nicht ahnend, dass sie und ihre Schwester dadurch in tödliche Gefahr geraten … [goodreads]


Lesezeit

Eindrucksvoll, packend und intensiv.

Was ihr nicht seht zog mich bereits zu Beginn in die Handlung hinein. Als Leser wird man während der ersten Seiten stark gefordert, um den Geschehnissen und Dialogen auch gescheit folgen zu können. Doch genau dieser Punkt macht einen guten Thriller aus: Die Herausforderung an den Leser, die Lücken und Rätsel zu entwirren und zwischen den Zeilen bereits Vermutungen anstellen zu wollen. Leider erschien mir die Bemühung der Autorin etwas zu gewollt. Je weiter ich fortschritt, desto eindringlicher versuchte sie den Leser in eine bestimmte Richtung zu lenken und Stück für Stück ein wenig zu offensichtlich ein Gedanken-Labyrinth aufzubauen.

„Es ist schon eine seltsame Art, sich seinen Lebensunterhalt zu verdienen“, hatte ich geschrieben. „Man stürzt sich immer wieder ins Auge des Hurrikans. Die Leute glauben, wir seien furchtlos, weil wir uns dem Kampf entgegenstellen statt wegzulaufen, aber ich würde mich niemals als mutig bezeichnen. Journalismus bedeutet für mich, Menschen eine Stimme zu geben, die zum Schweigen gebracht wurden, ihre Geschichten zu erzählen und der Welt zu zeigen, welchen Verlust jeder Krieg für die Menschheit wirklich bedeutet.“
Kate | Was ihr nicht seht | Nuala Ellwood

Nuala Ellwood fesselte mich an diese Geschichte vor allem durch ihre akkurate Recherche und den Schauplatz des Geschehens: In einer kleinen Stadt erleben wir eine Familien-Tragödie und werden zwischendurch in die Welt von Aleppo getaucht. Unsere Protagonistin übt einen zugleich unglaublich interessanten und ungemein wichtigen Beruf aus: Kriegsreporterin. Ihre Erlebnisse und die Situation in Aleppo erleben wir als Leser Kapitel um Kapitel und tauchen in eine vollkommen fremde Welt ein. Dabei wählte Ellwood ihren Schreibstil perfekt und passte sich emotional den Gegebenheiten an. Gerade die Erzählungen über Aleppo, die psychische Entwicklung von Kate, unserer Protagonistin, und die Auswirkungen auf ihr Leben, haben mich mitunter am meisten innerhalb der Geschichte gefesselt und fasziniert.

Er tut mir leid, wirklich. Als er sich auf diese Familie einließ, hatte er das alles nicht auf dem Zettel: unseren Kummer und unsere Süchte, unsere schuldvollen Geheimnisse.
Kate | Was ihr nicht seht | Nuala Ellwood

Zwar beeindruckte mich die fortwährende Geschichte, vor allem durch die vielen Details, dennoch hätte ich mir gerade hinsichtlich des Genre Thriller eine andere Entwicklung gewünscht. Das Ende war schließlich, gerade für regelmäßige Thriller-Leser, sehr vorhersehbar und enttäuschte durch den geringen Einfallsreichtum.
Inhaltlich beschlich mich zunehmend der Gedanke, dass dieser Roman in einem anderen Genre weitaus mehr Erfolg und ein gezielteres Publikum erreicht hätte. Gerade die Punkte, die nicht dem Thriller-Genre angehörten, weckten bei mir das meiste Interesse und gestalteten den Roman zu einem großen literarischen Erlebnis. Die Geschichte passt meiner Ansicht nach besser in eine Familientragödie oder in die Buchdeckel eines Gegenwartsromans hinein, wodurch auch die Parts rausfallen würden, die sich schließlich nicht als Überraschung sondern vorhersehbar herausstellten.
Die Atmosphäre wechselte zwischen ruhigen Gedankenspielen, während derer Kate zurück auf ihre Zeit in Aleppo dachte und dem Wahnsinn dem sie anscheinend während ihrer Rückkehr in ihre Heimat verfallen ist. Dabei wechselte man als Leser zwischen einer spannenden Ruhe und einer dramatischen Aufgeregtheit, die beide für sich sehr unterhaltsam waren.

Fazit

Was ihr nicht seht ist ein unglaublich gelungener Roman, der inhaltlich den Leser herausfordert und eine faszinierende und zugleich enorm wichtige Perspektive einer Kriegsreporterin darbietet. Dabei erleben wir ein dramatisches Familienleben, mit vielen Problemen und Konflikten aus der Vergangenheit, die große Auswirkungen auf die Gegenwart ausüben. Der Spannungsgehalt ist gerade für einen Thriller eher mäßig gehalten, doch dafür unterhält diese besondere Geschichte den Leser auf eine so wichtige und einblickende Art, dass ich sie gerne jedem ans Herz legen möchte, der eine besondere und gegenwärtige Geschichte sucht.

lover


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An dieser Stelle möchte ich mich beim Bloggerportal und dem Goldmann Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars bedanken!

LoveSarah

5 Antworten auf „Rezension: Was ihr nicht seht

  1. Liebe Sarah,
    eins sehr tolle Rezension !

    Ich denke auch wenn man das ganze lediglich als Roman mitnehmen hin Wer auf Drama verstehen hätte dann wäre es dort besser aufgehoben. Das ganze ist Psycho aber nicht auf psychothrillerweise.

    Trotzdem ein richtig gutes Buch!

    Xoxo nessi ‚ danke fürs verlinken <3

    Gefällt 1 Person

  2. Ich habe das Buch auch gelesen und war etwas enttäuscht.
    Ich hatte mir auch etwas anderes vorgestellt. Die Punkte, wie die Kriegsschauplätze und den Anfang fand ich echt super, aber alles was danach kam, fand ich sehr langweilig.
    Das Ende hat das Buch leider auch nicht mehr gerettet.

    Aber vielleicht kommt von der Autorin noch was, denn ihr Schreibstil hat mir gut gefallen.

    Gefällt 1 Person

  3. Liebe Buchnachbarin,
    trotz deiner Kritikpunkte (oder gerade wegen?) bin ich sehr neugierig auf das Buch..
    Danke für diese tolle, ehrliche Rezension :)
    Ich mag deinen Schreibstil einfach unfassbar gerne, hihi. Wollte ich mal anmerken.

    Superliebe!

    Gefällt mir

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