Rezension: Fuck you, Love

Durch Jill bin ich bereits vor einiger Zeit auf diesen New Adult Roman aufmerksam geworden. Vor allem ihre Aufgewühltheit und der Zwiespalt der sie während ihrer Worte in ihrer Rezension durchtrieb, weckte meine Neugier ungemein.


Fakten

Titel:  Fuck you, Love | Autorenname: Daniela Hartig | Seitenanzahl: 404 | Verlag: Twentysix | Preis: 12,90 € | ISBN: 978-3-7407-3406-0 | Sprache: Deutsch |

Inhalt

»Wenn ich eine gute Fee wäre, was würdest du dir wünschen?«, fragt sie.
»Eine Zeitmaschine. Um alle Fehler, die ich jemals gemacht habe, ungeschehen zu machen.«
Wenn aus einer harmlosen Party eine Nacht wird, die in einer Katastrophe endet.
Wenn eine einzige Sekunde dein ganzes Leben verändert und du eine getroffene Entscheidung nie wieder rückgängig machen kannst.
Was tust du dann? 


Lesezeit

Erschütternd, dramatisch und zerstörerisch.

Für diesen Roman Worte zu finden, fällt mir sehr schwer. Obwohl ich zuvor durch Jill auf diese Geschichte aufmerksam geworden bin, hatte ich gänzlich vergessen, worum es eigentlich geht. Umso gewaltiger traf mich schließlich bereits nach dem ersten Kapitel die Erkenntnis. Dieses Thema schockiert. Es zerbricht einen. Stück für Stück. Immer noch bin ich aufgewühlt und meine Gedanken schweifen ab, wenn ich daran denke, was in diesem Roman alles geschehen ist. Diese Geschichte ist keineswegs etwas für zart besaitete, doch gleichzeitig ist sie so unfassbar wichtig, weil sie zum Nachdenken anregt. Weil diese Worte, die Hartig so unverschämt direkt ans Tageslicht brachte, Themen ansprechen, die wichtig sind. Themen, über die wir nachdenken müssen. Dinge, die nicht totgeschwiegen werden dürfen, ganz gleich wie hässlich und unangenehm und schrecklich sie sind.

 Wir folgen uns gegenseitig auf Facebook, Twitter und Instagram und doch habe ich den wenigsten schon mal persönlich Hallo gesagt. Verrückte Welt.
-Floyd | Fuck you, Love | Daniela Hartig

In Fuck you, Love begegnen wir dem Protagonisten Floyd. Er ist reich, verwöhnt und orientierungslos. Er begeht einen Fehler. Oder viel mehr glaubt er einen begangen zu haben. Allerdings ist es etwas, was nicht verziehen werden kann. Etwas, das sein Leben auf den Kopf stellt, ihn plagt, verfolgt und einen Charakterwandel vollbringt, der mich beeindruckte. Dabei wählte Hartig eine bedachte Abfolge, ohne Hektik oder überschlagenden Szenen. Die Art und Weise wie wir Floyds Entwicklung über den Roman hinweg verfolgen, bewegte mich sehr. Seine inneren Konflikte, die er auszutragen versuchte, die Stadien, die er durchwandelte und die Art und Weise wie er versuchte einen Sinn zu finden und gleichzeitig alles zu hinterfragen, was ihm etwas im Leben bedeutete, verlieh der Geschichte eine ungeahnte Tiefe.

Das übliche Publikum. Menschen, die die letzten Stunden des Wochenendes verzweifelt ausdehnen, bevor sie in ihr langweiliges Leben zurückkehren. Arme Kreaturen. Immer auf der Suche nach dem einen. Dem einen Kerl, der einen Frau. Dem einen Job, dem einen Abenteuer, das ihr Leben verändern wird. Wann werden sie erkennen, dass es eine endlose Suche ist? Nichts kann die Eintönigkeit durchbrennen. Es wird immer so weitergehen. Bis sie sterben.
– Floyd | Fuck you, Love | Daniela Hartig

Auf der anderen Seite wird uns Storm vorgestellt. Wie ihr Name vermuten lässt, gesellt sich hier eine sehr aufbrausende Persönlichkeit zu uns. Mit Storm umzugehen, zerrte an meinen Kräften. Szenen zu lesen, in denen sie mitspielte, brachten mich dazu, immer wieder eine Pause einzulegen. Storm bringt das zum Vorschein, was wir nicht sehen, hören oder wissen wollen. Wie ein tatsächlicher Sturm fegt sie über unser Leben und hinterlässt viele Narben. Durch Storm wird die Dramatik eingefügt. Ihr Charakter ist deutlich durch ihre Vergangenheit gezeichnet, wodurch sie es einem nicht leicht macht, Sympathie für sie zu entwickeln. Doch genau das bezweckte Hartig: Den inneren Zwiespalt für Storm Mitleid oder vielmehr Mitgefühl auszusprechen, obwohl sie es einem so schwer macht, überhaupt etwas für sie zu empfinden.

Kennst du das Gefühl, dass alles keinen Sinn hat? Egal, was du versuchst, egal, wie sehr du dich anstrengst, es ändert sich einfach nichts? Alles bleibt dunkel. So dunkel, dass kein Licht der Welt stark genug ist. Es wird einfach verdammt noch mal nicht hell, Floyd.
– Storm | Fuck you, Love | Daniela Hartig

Neben den wichtigen Themen, die behandelt wurden, hatte ich jedoch eine geraume Zeit lang große Schwierigkeiten den Roman zu genießen. Allerdings bezwecke die Autorin eben dies: Innere Konflikte, Gedankenspielereien, das Hinterfragen von Moralvorstellungen und Vorurteilen. Sie wollte uns keine Stereotypen vorlegen. Uns wurden Menschen präsentiert, deren Charaktere die Leser auf die Probe stellen und herausfordern. Nichts ist so wie es scheint und genau das erleben wir als Leser immer wieder. Dabei kann einem der Handlungsverlauf durchaus in den Wahnsinn treiben und die eigenen Grenzen in Frage stellen. Ich muss zugeben, dass ich zwischendurch sogar gewollt war, das Buch abzubrechen, da es mich an gewissen Stellen drohte in den Wahnsinn zu treiben. Jedoch ist es gerade das Ende und die Auslösung, was diesen Roman zu einem wichtigen Werk herauskristallisiert und alle Intentionen der Autorin offenlegt.

In der Dunkelheit kann sie meine Tränen nicht sehen. Sie laufen mir über das Gesicht, sammeln sich in meiner Halsbeuge, mein schlechtes Gewissen badet in ihren Salz.
– Floyd | Fuck you, Love | Daniela Hartig


Fazit

Fuck you, Love ist keine gängige Geschichte. Es ist kein normales Buch. Vielmehr wird uns hier eine Herausforderung geboten, an der wir mit jeder Seite wachsen werden. Diese Story wird einen nicht mehr loslassen. Themen werden angesprochen, die wichtig sind, auch wenn sie einen innerlich zerfressen werden. Allerdings sei wichtig zu erwähnen, dass Menschen mit psychischem Leiden oder einem labilem Zustand nicht unbedacht zu diesem Buch greifen sollten.

lover

Weitere Rezensionen

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LoveSarah

10 Antworten auf „Rezension: Fuck you, Love

  1. Konban wa, Sarah san.
    Geschichten erheitern uns, lehren uns, fügen sich in unsere Erwartungen ein. Und es gibt Geschichten, die uns unterpflügen, weil sie Substanz abverlangen, den Blick nicht freigeben & unerbittlich nachhallen. Nicht selten, dass man/frau eine solche Story nur ein einziges Mal durchleben will & kann.
    Für mich wäre Cormack McCarthys „The Road“ ein solches Beispiel.

    Tatsächlich brauchen wir allerdings solche Geschichten, die den Sinn für Richtiges & Falsches scharf herausfordern.

    „Aus Ungerechtigkeit wird Willkür, wird Machtrausch, wird Barbarei – wenn jeweils nicht dagegen eingestanden wird.“
    (Myrelle Minotier)

    Sorry übrigens noch!
    Als ich gestern den Link zu ‚Barash‘ einfügte, hatte ich nicht erwartet, dass der Trailer direkt bei Dir eingebunden wird. Kann dann wie ein „Überfallkommando“ wirken. Sorry.

    bonté

    Gefällt 1 Person

    1. Hey, sag mal, wie rede ich dich eigentlich an?
      Du sprichst es exakt aus: Geschichten können so viel bewegen und in uns auslösen, uns gar verändern. Es beeindruckt mich wie das Worte vollbringen können, immer wieder aufs neue. Mittlerweile stehe ich vor meinen eigenen Worten und Sätzen und Geschichten mit einer gewissen Ehrfurcht, aus Angst ihnen nicht gerecht zu werden. Wenn man bedenkt, was andere damit schaffen können, es fasziniert mich.
      Danke für die Empfehlungen! Direkt notiert.
      Mach dir keinen Kopf, das mit dem Link ist vollkommen in Ordnung, leider ist diese Woche die Zeit etwas mau, so dass ich mir den Trailer und Details erst kommende Woche ansehen werde.

      Alles Liebe,
      Sarah

      Gefällt mir

      1. …Robert, Rob – wie es Dir gefällt.

        „Wir finden die Worte, die wir suchen. Es sind die Worte, die zu uns gehören, die uns eigen machen. Jede Geschichte findet demnach ihre Quelle.“
        (Florance Ippdit)

        Always at your service, madame!
        Die Empfehlungen sind die Woche darauf ja auch noch aktuell.

        bonté

        Gefällt mir

  2. Liebe Buchnachbarin,
    ich habe deine Rezension nur überflogen, damit ich nicht unbewusst Formulierungen oder so übernehme, wenn ich meine Rezension schreibe.
    Aber das, was ich gelesen habe, gefällt mir wirklich gut und ich glaube, dass du viele Menschen neugierig auf diese besondere Geschichte machen wirst. <3
    Storm hat mich regelrecht in den Wahnsinn getrieben :-D Aber ich glaube, es war einfach wichtig, dass sie ist wie sie ist.

    SUPERLIEBE

    Gefällt 1 Person

  3. Ich fand das Buch sehr anstrengend zu lesen und war auch mehrmals kurz davor, es abzubrechen, wollte dann aber doch zu sehr wissen, wie es weiter- und ausgehen wird. Ich muss aber klar sagen, dass ich das Ding zwischen Storm und Floyd nicht okay finde und mache mir echt Sorgen, was im zweiten Band passieren wird. Den werde ich deshalb auch nicht mehr lesen.
    Aber klar, das Buch regt ganz sicher zum nachdenken an und ich fand es auch wirklich gut gemacht, dass man selber oft über die Grenze „ist das jetzt okay oder nicht?“ nachdenkt und dabei vielleicht sogar scheitert und einfach keine Lösung findet.

    Gefällt 1 Person

    1. Liebe Anja,
      hach, wie schön, das freut mich total! Eine Zeitlang hatte es mich tatsächlich auch eher negativ aufgeregt, doch irgendwie auch auf eine gute Art. Zum Schluss hin war ich wirklich sehr angetan und konnte die gesamte Handlung perfekt reflektieren. Die Handlung lässt einen definitiv aufgewühlt zurück und löst viele innere Konflikte aus. Ich kann es ausdrücklich empfehlen :)

      Alles Liebe,
      Sarah

      Gefällt mir

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