Rezension: Peter Pan

Jill hatte bereits über die Geschichte von Peter Pan geschwärmt. Ich musste zu meiner Schande gestehen, dass ich das Buch dazu noch nie gelesen hatte. Umso erfreuter war ich, als ich hörte, dass der Diogenes Verlag eine Auflage des Klassikers in diesem Sommer erscheinen ließ.


Fakten

Titel:  Peter Pan | Autorenname: James Matthew BarrieSeitenanzahl: 272 | Verlag: Diogenes Verlag | Preis: 10,00 € Taschenbuch | ISBN: 978-3-257-24429-8 | Sprache: Deutsch | Erscheinungstermin: 27. Juni 2018 | Erworben: Rezensionsexemplar*


Inhalt

Kommen Sie mit auf die Insel Nimmerland, wo Peter Pan wohnt, Anführer der Verlorenen Jungs, die nie erwachsen werden wollen. Fiebern Sie mit, wenn sie Abenteuer gegen Captain Hook bestehen, und lassen Sie sich von der Geschichte um das Mädchen Wendy berühren. [Diogenes]


Lesezeit

Märchenhaft, abenteuerlich und beeindruckend vielseitig.

Mit den ersten Worten verzaubert bereits der eindrucksvolle Schreibstil von James Matthew Berrie und lädt einen in die wundersame Welt von Nimmerland ein. Sein durchsickernder Humor, die direkte Sprechweise mit dem Leser und die grandiose bildhafte Art die Situationen zu beschreiben und damit zum Leben zu erwecken, fesseln einen umgehend und lassen die Euphorie mit jedem neuen Satz wachsen. Die Begeisterung für die Art und Weise, wie uns diese Geschichte präsentiert wird und der Autor uns Leser verführt, ist bemerkenswert raffiniert.

Und wenn du morgens aufwachst, sind aller Unfug und alle bösen Gedanken, mit denen du eingeschlafen bist, auf dem Boden deines Verstandes ordentlich zusammengelegt, und obendrauf liegen schön gelüftet deine freundlichen Gedanken, damit du gleich hineinschlüpfen kannst.
Peter Pan | James Matthew Barrie | Seite 14

Mit so einem hohen Maß an Schreibkunst habe ich zu Beginn keineswegs gerechnet. Der Schreibstil ist es, der dieser Geschichte seinen Zauber verleiht. Die fantasievollen Bilder, die dadurch erzeugt werden, tanzen einem stets vor der Nase herum, umgarnen einen und sorgen dafür, dass Peter Pan, Wendy, Captain Hook und allen voran Nimmerland nicht so schnell in Vergessenheit geraten. Die Ideen, die dem Autor zwischen die Finger geraten sind, sind so außerordentlich und unvorhersehbar, dass sie einen nicht selten zum Schmunzeln bringen und der Geschichte eine abenteuerliche Lebendigkeit verleihen. Dadurch, dass der Erzähler den Leser hin und wieder direkt anspricht, fordert die Geschichte stets die eigene Aufmerksamkeit mit einer humorvollen Note.

Das sind vermutlich die Inselstraßen, denn das Nimmerland ist praktisch immer eine Insel, voller berauschender Farben, mit Korallenriffen und verwegenen Schiffen vor der Küste, mit Ureinwohnern und einsamen Höhlen, mit Zwergen, die meistens Schneider sind, mit Höhlen samt Fluss in der Mitte, mit Prinzen, die sechs ältere Brüder haben, mit einer längst verfallenen Hütte und einer hutzeligen Frau mit Hakennase.
Peter Pan | James Matthew Barrie | Seite 15

Der Inhalt selbst ist überraschend brutal, wenn auch abenteuerlich und fantasievoll gehalten, so war ich zwischendurch etwas schockiert, wie viele Köpfe zwischen diesen Buchdeckeln tatsächlich rollen. Diese Brutalität verleiht diesem Märchen etwas ungeahnt reales. Die Charaktere werden durch ihre Art zu handeln und zu sprechen, wunderbar in Szene gesetzt. Allen voran ist es Peter, der einen in den Wahnsinn zu treiben weiß. Obwohl das Buch nicht viele Seiten aufweist, so lernen wir ungemein viele Geschichten und Persönlichkeiten kennen, die durch den Schreibstil jedoch nicht oberflächlich abgehandelt werden. Barrie weiß wie er mit gezielten Worten seine Charaktere lebendig erscheinen lässt. Die Namenswahl fällt dabei stets erfinderisch aus und sorgt dafür, dass einem die Charaktere so schnell nicht aus dem Gedächtnis gestrichen werden.

„Nein. Heutzutage sind die Kinder so schlau, da glauben sie ganz schnell nicht mehr an Feen, und jedes Mal, wenn ein Kind sagt, dass es nicht an Feen glaubt, fällt irgendwo eine tot um.“
Peter Pan | James Matthew Barrie | Seite 47

Das Ende konnte mich schließlich erst nach einer reichlichen Überlegung überzeugen. Durch die Beharrlichkeit, mit welcher der Autor an den Eigenschaften seiner Charaktere festhält, sorgt er dafür, dass seine Geschichte authentisch wirkt, ohne Hollywood-Drama oder Wunsch-Happy-End.


Fazit

Eine wundersame, abenteuerliche und überraschend brutale Kindergeschichte, die weiß, wie man Herzen verzaubert und nicht mehr loslässt: Peter Pan und Captain Hook bewähren sich aufs Neue und ermöglichen Träume intensiver und gewaltiger aufleben zu lassen. Es ist eine Geschichte, die vor Fantasie und Kinderwünschen nur so trotzt und durch die bildhafte Erzwählweise ein unglaubliches Erzählerlebnis bietet.

Soulmate


Weitere Rezensionen

Letterheart | Bellas Wonderland (Schmuckausgabe) | Zeilenmelodien


LoveSarah

 

Vielen Dank an den Diogenes Verlag für die Bereitstellung meines Rezensionsexemplares!

10 Antworten auf „Rezension: Peter Pan

  1. Hallo Sarah! :)
    Juchu! Noch ein Peter-Pan-Fan mehr! :) Ich liebe die Geschichte um den Jungen, der nie erwachsen werden wollte und es gehört zu denen, die ich gerne immer und immer wieder lesen will. Eben gerade auch deswegen weil es entgegen der vorgefertigten Meinung gar nicht so kuschelig zugeht, wie man immer meinen möchte, im Nimmerland.

    Übrigens, wenn du noch nicht ganz Abschied von Peter nehmen magst, kann ich dir Broms Adaption Der Kinderdieb nur empfehlen, ich habe es geliebt! Nur ist das dann wirklich keine Kindergeschichte mehr :)

    Liebste Grüße,
    Gabriela

    Gefällt 1 Person

  2. Sali, Sarah.
    Ich denke man/frau merkt, dass Barrie die Geschichte(n) direkt für die Kinder erdacht & für das Theaterstück nacherlebt hat. Eine Geschichte erzählt mit Herzblut.

    „Alles in Märchen lebt durch eine Phantasie; die keinem Zweck dienlich folgt & nur für sich da zu sein mag. Endet aber alle reine Phantasie, verdörrt ein weiterer Garten, der die Welt besser zu machen vermag.“
    (F. Claire Serine)

    Leider ist die allgemeine Wahrnehmung von „Peter Pan“ arg verkitscht worden – nicht zuletzt durch Hollywood.

    bonté

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  3. Hallo liebe Sarah!
    Hachja, Peter Pan. Wie die meisten Kinder kannte ich Peter Pan ganz lange nur aus sämtlichen Adaptionen (allen voran der gleichnamige Disneyfilm), bis ich dann eine recht düstere Neuerzählung (Lost Boy von Christina Henry) gelesen habe und den Entschluss faste, endlich mal das Original zu lesen. :D Ich war so geschockt, wie brutal die Handlung ist – und welch selbstsüchtige, egoistische und verantwortungslose Züge die Figur von Peter Pan hat. Trotzdem hat meine Faszination am Ende überwogen – abgesehen davon, dass ich den Schreibstil von J.M. Barrie liebe. :) Ein grausames, aber zugleich großartiges Buch.
    Liebste Grüße,
    Ida

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  4. „Der Inhalt selbst ist überraschend brutal, wenn auch abenteuerlich und fantasievoll gehalten“

    Liebe Buchnachbarin,
    ich muss gestehen, dass mich vor allem dieser Satz deiner Rezension neugierig gestimmt hat, aber auch dein begeistertes und mitreißendes Fazit :)
    Leider konnte ich bisher nie Viel mit Peter Pan anfangen, aber jetzt habe ich Lust, mir die Geschichte mal vorzuknöpfen, dieses Buch scheint eine super Möglichkeit dafür zu sein.

    SUPERLIEBE

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  5. Guten Morgen Sarah,

    wow, das klingt nach einem wirklich guten und lesenswerten Buch. Ich hatte das bisher gar nicht auf dem Schirm, aber nach deiner Rezension wird es auf jeden Fall auf der Wunschliste landen. :)

    Liebe Grüße
    Denise

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