Rezension: Happy End

Fakten

Titel: Happy End | Autorenname: Amélie Nothomb | Seitenanzahl: 192 | Verlag: Diogenes Verlag | Preis: 20,00 € Hardcover | ISBN: 978-3-257-07042-2 | Sprache: Deutsch | Erscheinungstermin: 26. September 2018 | Erworben: Rezensionsexemplar*

Inhalt

Der kluge Sonderling Déodat liebt das einsame Studium der Vögel, die Beobachtung ihres Flugs am Himmel über Paris. Auch Trémière wächst isoliert auf, im verwunschenen Haus ihrer exzentrischen Großmutter. Und wie Déodat lernt sie früh, die Dinge genau zu betrachten und in ihrem Wesen zu erfassen. Eines Tages trifft der altkluge Junge auf das bildhübsche Mädchen, und eine wundersame Geschichte nimmt ihren Lauf. [Diogenes]

Lesezeit

Wunderschön, unterhaltsam und mit vielen Weisheiten versehen.

Märchenhaft wird der Leser in die Geschichte eingeladen und durchweg mit dieser Atmosphäre begleitet. Der Schreibstil allein umgarnt einen und verschafft eine wundersame Stimmung, die einem ein Schmunzeln kaum entbehren lässt. Dieser Roman schmiegt sich an die eigenen Gedanken und verweilt dort wie ein warmer Hintergedanke, selbst nach dem man die Buchdeckel bereits gefühlte Ewigkeiten geschlossen hat: Dieses Märchen bleibt einem erhalten, mit seinem Humor, den Besonderheiten der Liebe und vor allem den Eigenheiten der Menschheit.

Er müsste nur lernen, wie die Vögel zu leben, nicht mit den Menschen, sondern parallel zu ihnen, immer ein paar Meter entfernt.
– Déodat | Happy End by Amélie Nothomb | Seite 65

Der Begriff Ornithologie erhält in diesem Roman eine interessante Anekdote. Den Vögeln, ihre überweltliche Art und vor allem die Faszination zu ihnen, wird in dieser Geschichte eine ganz besondere Rolle zugeordnet. Allzu intensiv habe ich mich zuvor nicht mit Vögeln auseinandergesetzt, doch nach dem Lesen dieser Geschichte, komme ich kaum umher diese besonderen, fernen Wesen nicht mit Bewunderung zu betrachten.  So banal diese Wesenskunde zunächst klingen mag, verleiht ihnen Déodat, unser erster Protagonist, eine so interessante und vor allem tiefsinnige Bedeutung, dass man sich als Leser kaum von ihnen distanzieren kann und automatisch eine gewisse eigene Faszination zu ihnen entwickelt.

Außergewöhnliche Schönheit lässt niemanden kalt – sie ruft Zorn hervor. Hässliche Menschen werden manchmal bemitleidet – sehr schöne meist erbarmungslos gehasst.
Happy End by Amélie Nothomb | Seite 73

Die Idee eines hässlichen Klugen und einer schönen Dummen, die sich ineinander verlieben sollen, auf eine so herzerwärmende und vor allem lehrende Art zu Papier zu bringen, begeisterte mich während der gesamten Geschichte hinweg. Stets war ich bemüht schnell zu lesen, um endlich zu dem Part zu gelangen, bei dem sie endlich aufeinander treffen würden. Gleichzeitig fesselte Amélie Nothomb mich durch ihren Schreibstil derart, dass ich einige Passagen vermehrt zu lesen vermochte, allein um ihre Art zu formulieren und allen voran den Humor noch etwas länger genießen zu können.
Das Leben dieser äußerst unterschiedlichen Personen zu erfahren und die Vorurteile sowie die Konfrontation mit ihrer Umwelt, wurden beeindruckend authentisch dargestellt. Sowohl die Schönheit als auch die Hässlichkeit der Menschen, ihrer Gedanken und gesellschaftlichen Normen, wird deutlich ausgearbeitet und in Gefühle verwandelt, die einen als Leser mitreißen und verfolgen werden.

Er will die beiden vor einem absurden Fluch erlösen, um ihnen ein absurdes Liebesglück zu schenken, das ihnen genauso zusteht wie allen anderen auch.
Happy End by Amélie Nothomb | Seite 153

Amélie Nothomb misst selbst Kleinigkeiten in ihrer Geschichte eine Bedeutung bei. Angefangen bei den Namen der Protagonisten, die Eigenart ihrer Eltern und die Reaktionen ihrer Umwelt, bis hin zu der Wahl ihrer Berufe. All diese Dinge gingen ineinander über und erschufen ein perfekt eingefädeltes Muster, welches dem Leser unfassbar viel mit auf dem Weg gibt.

Märchen haben einen merkwürdigen Status in der Literatur: Sie werden übermäßig geschätzt. Die Doppeldeutigkeit des Märchens rührt daher, dass es so tut, als ob es für Kinder wäre, sich aber auch und vielleicht vor allem an die Erwachsenen richtet.
Happy End by Amélie Nothomb | Seite 167

Fazit

Amélie Nothomb hat mit Happy End ein wunderschönes modernes Märchen geschrieben, welches dem Leser viele Werte und Tugenden vermittelt, ohne dabei belehrend zu wirken. Sie lässt den Leser Beobachter sein und vollbringt es, die Gefühle der Protagonisten und ihr Leben nah und authentisch rüberzubringen. Dabei kommt man kaum umher keine Faszination für die Liebenden und die Menschheit zu hegen.

Soulmate

Weitere Rezensionen

Schreiblust – Leselust | Musenblätter


LoveSarah

Vielen Dank an den Diogenes Verlag für die Bereitstellung meines Rezensionsexemplares!

Eine Antwort auf „Rezension: Happy End

  1. Bonsoir, Sarah.
    Hoffe es geht Dir gut. Folge ich Deinen Zeilen sitzt Du zumindest auf einer literarischen Wolke, umgeben von allerlei bunten Wortvögeln.
    Das aufeinander Treffen von Schönheit & Hässlichkeit ist nicht ohne Tradition, wenn man/frau an „Die Schöne & das Biest“, „Der Glöckner von Notre Dame“ oder „Das Phantom der Oper“ denkt. Allen gemein ist das Erkennen einer Schönheit, die im Inneren eines Menschen steckt.
    Der Roman behandelt, dass Hässlichkeit wie Dummheit keine Gründe darstellen, Menschen an einen Rand zu stellen, von dem aus sie den „Normalen“ nicht im Weg sein sollen. So macht die Autorin den Rand zum Mittelpunkt & Ihre beiden Charakteren zu den Hauptfiguren darin.

    „Die Fähigkeit zu Menschlichkeit ist zugleich Weisheit & Schönheit.“
    (Florance Ippdit)

    bonté

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