Rezension: Spinner

Spinner von Benedict Wells erinnert mich daran, warum ich das Schreiben und Lesen so sehr liebe. Er verkörpert in seinem Schreibstil und der Art seiner Geschichten die Leidenschaft, die hinter dem Schreiben von Büchern steht. Mit Spinner habe ich bei Benedict Wells wieder zu einem Buch gegriffen, was jetzt bereits zu meinen Jahreshighlights zählt.


Fakten

Titel: Spinner | Autorenname: Benedict Wells| Seitenanzahl: 320 | Verlag: Diogenes VerlagPreis: 12,00 € Paperback | ISBN: 978-3-257-24384-0 | Sprache: Deutsch | Erscheinungstermin: 01. September 2016 | Erworben: Selbst gekauft

Inhalt

»Ich habe keine Angst vor der Zukunft, verstehen Sie? Ich hab nur ein kleines bisschen Angst vor der Gegenwart.«
Jesper Lier, 20, weiß nur noch eines: Er muss sein Leben ändern, und zwar radikal. Er erlebt eine turbulente Woche und eine wilde Odyssee durch Berlin. Ein tragikomischer Roman über Freundschaft, das Ringen um seine Träume und über die Angst, wirklich die richtigen Entscheidungen zu treffen. [Diogenes Verlag]

Lesezeit

Faszinierend, unfassbar lebensnah und authentisch.

Die Geschichte über einen jungen Mann, der versucht seine Träume zu verwirklichen und dabei sogar sich selbst riskiert, spiegelt so viele Leben und Gedanken all jener orientierungslosen jungen Menschen wieder, die sich auf der Schwelle zwischen Schulabschluss und dem nächsten Schritt befinden. Wohin will ich gehen? Was will ich aus mir machen? Und ist es überhaupt das Richtige?

Jesper sein bedeutet, im entscheidenden Moment zu verstummen.
– Spinner | Benedict Wells | Seite 26

Mit einem großen Träumer als Protagonisten schreibt Wells eine klare Botschaft an all jene, die unsicher in ihren Gedanken hängen und unentschlossen Entscheidungen fällen müssen, ohne zu ahnen, was das für Konsequenzen für ihr Leben hat. Was bedeutet eigentlich Glück? Wie funktioniert das Leben und lohnt es sich überhaupt daran festzuhalten? Wie wichtig ist Sicherheit? Und warum bedeutet sie so vielen Menschen so viel und weshalb werden Träume eigentlich sooft belächelt?

„Bei mir zu Hause halten mich sowieso schon alle für einen Loser. Und dann diese ewigen Fragen. Wie läuft’s? Was machst du? Ich hab dauernd das Gefühl, dass ich mich ändern muss, dass ich vorankommen muss. Die wollen alle bloß, dass ich endlich auf Sicherheit setze und mich anpasse – wie mich das ankotzt.“
– Spinner | Benedict Wells | Seite 84

Der Zwang, der einem auferlegt wird, etwas aus seinem Leben zu machen, Versicherungen abzuschließen, Kapital anzulegen, einen festen Job und am besten einen Festvertrag an Land zu ziehen, wird hier reflektiert und auseinander genommen. Warum streben Menschen nicht ihren Träumen hinterher? Und weshalb ist es eigentlich so schwer, sie zu erreichen? Der Protagonist Jesper kämpft mit sich, seiner Gedankenwelt und seinem ganzen Leben. Sein großer Traum ist es, Schriftsteller zu werden, doch versucht er zu begreifen, was dieser Weg überhaupt für Auswirkungen auf ihn hat. Selbstzweifel, Selbsthass und Depressionen durchziehen den Roman und spiegeln immer wieder das tatsächliche Leben wieder. Hier wird kein Märchen geschrieben, sondern eine wahre Geschichte, die sich in so vielen Gedanken wiederfinden lässt.

Alle hatten Angst vor Lücken in ihrem Lebenslauf. Aber niemand schien Angst davor zu haben, seine Träume zu verraten.
– Spinner | Benedict Wells | Seite 99

Durch den grandiosen Schreibstil von Wells erhält der Roman eine gewisse Leichtigkeit trotz der schweren Thematik. Mit viel Humor bespickt entwickeln sich selbst tiefsinnige Dialoge hier und dort zu einer amüsanten Unterhaltung und erscheint viel mehr wie aus dem echten Leben geschrieben. Keine Szene wirkt gestelzt oder inszeniert: Der Leser erlebt Jesper Lier mit jeder Faser seines Daseins. Die guten und die schlechten Seiten. Ein gewisser Wahnsinn besticht die verzweifelnden Gedanken von Jesper und lassen seine Ausweglosigkeit authentisch und nah wirken.

“ (…) Das ist Bullshit. Wir sind doch nichts anderes als psychopathische Affen, die auf einer blauen Müllkugel durchs Weltall rasen. Wir sind verloren und dem Tod geweiht, und wir sollten lernen, das zu akzeptieren.“
– Spinner | Benedict Wells | Seite 148

Die Nebencharaktere Frank und Gustav trugen jeweils ihre eigenen Lebensgeschichten und Entwicklungen bei. Dadurch erhielt der Roman weitaus mehr Tiefe und Lebendigkeit und wurde mit weiteren Perspektiven ausgeschmückt, die die Hilflosigkeit und das Streben nach Träumen und ihre Verwirklichung noch einmal von einer anderen Seite verdeutlichten.
So ernst die Themen zunächst wirken, so vollbringt es Wells durch seine Art zu Schreiben, dennoch eine großartige Unterhaltung darzubieten, die dem Leser Hoffnung und viel Humor beschert und dafür sorgt, dass man den Roman mit einem Schmunzeln beendet.

Manchmal muss man ein kleines bisschen sterben, um wieder ein wenig mehr zu leben.
– Spinner | Benedict Wells | Seite 314


Fazit

Benedict Wells hat mit Spinner einen grandiosen, ergreifend authentischen Roman über die Verwirklichung von Träumen und ihre Wichtigkeit geschrieben. Die Orientierungslosigkeit und Verzweiflung von jungen Menschen, die sich auf der Schwelle zwischen Schulabschluss und dem eigenständigen Leben, losgelöst vom Elternhaus, befinden, wird hier detailliert und lebensnah niedergeschrieben. Ausgeschmückt mit einem humorvollen Schreibstil und großartigen Nebencharakteren, erhält der Roman obendrein eine gewisse Leichtigkeit, obgleich der tiefgreifenden Thematik.

Soulmate

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LoveSarah

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