Rezension: Fast genial

Fakten

Titel: Fast Genial | Autorenname: Benedict Wells| Seitenanzahl: 336 | Verlag: Diogenes VerlagPreis: 12,00 € Paperback; 9,99 € E-Book | ISBN: 978-3-257-60929-5 | Sprache: Deutsch | Erscheinungstermin: 01. September 2011 | Erworben: E-Book Rezensionsexemplar

Inhalt

»Ich hab das Gefühl, ich muss meinen Vater nur einmal anschauen, nur einmal kurz mit ihm sprechen, und schon wird sich mein ganzes Leben verändern.«
Die unglaubliche, aber wahre Geschichte über einen mittellosen Jungen aus dem Trailerpark, der eines Tages erfährt, dass sein ihm unbekannter Vater ein Genie ist. Gemeinsam mit seinen Freunden macht er sich in einem alten Chevy auf die Suche nach ihm. Eine Reise quer durch die USA – das Abenteuer seines Lebens.
[Diogenes Verlag]


Lesezeit

Abenteuerlich, ungewohnt, spannend und aufwühlend.

Der Inhalt von Fast genial klingt bereits faszinierend. Ein Junge macht sich auf dem Weg zu seinem Vater, der ein Genie ist. Roadtrips bergen einige Abenteuer, die ich mir selbst gerne im Hinterkopf behalte. Immer wieder begegnen einem neue Städte, Denkmähler und Geschichten, die man so vorher nicht kannte. Umso mehr versprach dieser Roman ein großes Abenteuer durch die USA zu werden, mit drei Teenagern, die alle irgendwie auf der Suche nach ihrer Zukunft sind. Der Protagonist hingegen hatte die größte Motivation: Er wollte seinen Vater kennenlernen.

An dem Tag, der sein Leben in ein Davor und ein Danach teilen würde, saß Francis auf den Stufen vor dem Trailer.
– Fast genial | Benedict Wells | Seite 57

Francis lebt mit seiner Mutter in einem Trailer. Sie existieren gerade so unter ärmlichsten Verhältnissen. Oft träumt Francis von einem anderen Leben. Einem Leben, in dem er erfolgreich sein würde, ein Leben, in dem er glücklich und zufrieden sein könnte. Durch den Roadtrip hofft er, sein bisheriges Leben grundlegend verändern zu können. Es ist eine packende Reise durch die USA und Francis Gedankenwelt, die zwischen Glück, Horror und Verzweiflung schwankt.

Er wollte frei sein, er wollte anders sein, und ihm wurde bewusst, dass er auf dieser Reise die Gelegenheit hatte, die Dinge zu ändern.
Fast genial | Benedict Wells | Seite 122

Wells widmet sich wie gewohnt den Auswirkungen der Kindheit auf das spätere Leben. Die Art, wie Francis aufwuchs, die Chancen, die in ihm hätten aufkeimen können und all die Möglichkeiten, die ihm verwehrt blieben, kommen in diesem Roman zum Tragen. Doch nicht nur Francis Leben wird durchleuchtet. Auch das seiner Freunde und seiner weiteren Familie, immer wieder reflektierend, wie sich die Kindheit und das umgebende Familienleben auf das eigene Dasein auswirkt und wie gravierend die Tragweite des Elternhauses eigentlich ist.

Niemand kannte seine Gedanken und Erinnerungen. Wenn er starb, würden sie vergessen werden, und ein paar Erdumdrehungen später würde es sein, als hätte es sie nie gegeben.
– Fast genial | Benedict Wells | Seite 147

Neben dem Familienleben, werden die unterschiedlichen Lebensbedingungen sozialer Schichten aufgezeigt. Was bedeutet Geld? Und wie wichtig ist es eigentlich? Das Leben von Francis ist aufwühlend, seine Handlungen oft von vielen Emotionen zugleich gelenkt, was den Leser durchaus in den Wahnsinn treiben kann. Die Frage, ob das Leben mit Glück und Pech gehandhabt wird und wie leicht ein Leben beeinflusst werden kann, wird durchweg thematisiert.

Er ließ wirklich eine winzige weiße Kugel über sein Schicksal entscheiden. Andererseits wusste er, dass er hier richtig war, denn das Leben war ohnehin nichts anderes als Roulettespielen. Mal hatte man Glück, lebte in einem reichen Land oder war mit Gesundheit und Intelligenz gesegnet, mal hatte man Pech und war leider dumm, bekam Krebs oder kam in einem Slum von Afrika auf die Welt und starb, ehe man das Wort sterben überhaupt buchstabieren lernte.
– Fast genial | Benedict Wells | Seite 316

Francis selbst ist ein eher schwieriger Protagonist, was Wells jedoch mit Bravur ausgearbeitet hat. Die Gedanken eines Siebzehnjährigen, der versucht seine Träume zu verwirklichen, wurden hervorragend umgesetzt. Seine Handlungen sind oft unberechenbar, dennoch passte es ins Gesamtbild von Francis und verdeutlicht mit jedem seiner Fehltritte, wie sehr ihm sein Leben zur Last fällt.


Fazit

Mit Fast genial hat Benedict Wells einen Roman geschrieben, der nachdenklich stimmt und die Verzweiflung junger Menschen wieder mit einer beeindruckenden Authentizität reflektiert. Durch Francis Emotionen wird der Leser durch den Roman gelenkt, was zwischendurch für gewaltige Konflikte sorgt und auch die eigenen Gedanken aufwirbelt.

lover

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