Rezension: Die allertraurigste Geschichte

Fakten

Titel: Die allertraurigste Geschichte | Autorenname: Ford Madox Ford| Seitenanzahl: 320 | Verlag: Diogenes VerlagPreis: 25,99 € Hardcover | ISBN: 978-3-257-60911-0 | Sprache: Deutsch | Erscheinungstermin: 28. November 2018  |
Erworben:  Rezensionsexemplar


Inhalt

Im Vorabend des Ersten Weltkriegs verbringen die Ehepaare Ashburnham und Dowell alljährlich glückliche Tage in Bad Nauheim. Erst nach dem Tod seiner Frau entdeckt John Dowell, dass der Schein in all den Jahren getrogen hat, und er beginnt, den wahren Charakter seiner Freunde und seiner Frau zu erkennen. Ein bewegender Roman, der den Leser mit jedem seiner betörenden Sätze tiefer in das Labyrinth der menschlichen Seele lockt. [Diogenes Verlag]


Lesezeit

Dramatisch, klassisch und bedrückend.

Mit einem ruhigen Schreibstil führt uns der Protagonist durch seine tragische Lebensgeschichte. Dabei schildert er in einem verstrickten Handlungsumfang wie sich die Ereignisse um ihn herum ergeben haben. John Dowell, der sich selbst namentlich kaum erwähnt, obwohl er seine Lebensgeschichte schildert, erzählt eindrucksvoll und mit Geschick über seine Ehefrau und deren Freunde, die Ashburnhams. Zunehmend wirkt die Geschichte dabei so, als hätte John selbst nie wirklich an diesem Leben, sein Leben, teilgenommen. So weiß er gekonnt die Geschehnisse so wiederzugeben, dass allen voran er unschuldig und geradezu wohlwollend heilig wirkt. In Gegensatz zu allen anderen, die jeder für sich ihre furchtbaren Seiten zum Vorschein bringen.

Ich weiß nichts – wahrhaftig nichts – von den Herzen der Menschen.
– Seite 18 | Die allertraurigste Geschichte | Ford Madox Ford

Der Zeit entsprechend erzählt John über sein Leben mit einer übertriebenen Dramatik. Jede Handlung wird überdramatisiert, romantisiert und vor allem furchtbar tragisch dargestellt. Als Leser kommt man kaum umher nicht gerade wegen dieser Theatralik zwischendurch zu schmunzeln. Jedem schlechten Wetter wird dabei eine Note und eine gewisse Tiefsinnigkeit beigemessen. Ganz der Klassik und dem Zeitalter entsprechend.

Plötzlich spürte ich etwas Heimtückisches, etwas Erschreckendes, etwas Unheilvolles an diesem Tag.
– Seite 60 | Die allertraurigste Geschichte | Ford Madox Ford

Seine Lebensgeschichte schildert John allerdings nicht der Chronologie entsprechend. Er neigt dazu massiv abzuweichen und sich in Details zu verrennen, die zunächst banal wirken, jedoch später immer wieder ihre Bedeutung finden und so dem großen Ganzen eine beeindruckende Wende und Sinn verleihen. Der rote Faden, so sehr er zu Beginn kaum vorhanden scheint, ist vor allem gegen Ende hin deutlich zu erkennen und verdeutlicht wie ausgeklügelt sich Ford beim Schreiben Gedanken um die einzelnen Wege, die Verstrickungen und Heimtücken, gemacht hat, um schließlich alles zusammenlaufen zu lassen und der Geschichte eine Spannung zu verleihen, die einem erstmal gar nicht bewusst scheint.
Jeder Charakter wird dabei möglichst genau und detailliert beschrieben. Die Romanfiguren werden real dargestellt und erhalten jeder für sich die eigene Bühne, um der eigenen Dramatik Raum zu geben. Dadurch hallen die einzelnen Geschichten noch eine Weile nach und lassen einen die Ashburnhams und Dowells, sowie all deren Bekanntschaften nicht so schnell vergessen.

Ich weiß, ich habe die Geschichte in einer sehr weitschweifenden Weise erzählt, so dass es schwerfallen mag, den Weg durch diese Art Labyrinth zu finden.
– Seite 212 | Die allertraurigste Geschichte | Ford Madox Ford


Fazit

Ob der Roman Die allertraurigste Geschichte wirklich so traurig ist, sollte wohl jeder für sich selbst heraufinden. Ich konnte mich mit der Dramatik und den Gedanken von John Dowell kaum identifizieren, so dass mir der Roman leider eher weniger Freude bereitet hat. Dennoch kann ich diesem Meisterwerk seiner Zeit fast nur Lob abgewinnen. So sehr der Roman für mich persönlich kaum Emotionen geregt hat, gehört er absolut zu den Klassikern und geben die damalige Zeit, ihre Dramas und die Problemen der wohlhabenden Gesellschaft gekonnt wieder und zeigen, welch Zwiespalt sich junge reiche Menschen ausgesetzt sehen und wie sehr sie sich in ihren gesellschaftlichen Zwängen gefangen fühlen.

Stranger


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LoveSarah

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