Erfahrungsbericht: Krankenpflegepraktikum

Hallo und herzlich Willkommen zu meinem ersten Erfahrungsbericht. Ich bin Medizinstudentin und zu diesem Studium gehört bis zum Physikum, der ersten Staatsprüfung, neben einem abgeschlossenen Erste-Hilfe-Kurs, auch das dreimonatige Krankenpflegepraktikum in einem Akutkrankenhaus. Mittlerweile habe ich die geforderten 90 Tage absolviert, so dass ich euch gerne von meiner Erfahrung erzählen und euch einige Tipps mit auf dem Weg geben möchte.

Vorzeitige Vorstellung

Eine Vorstellung mag zunächst offensichtlich erscheinen, doch in einem turbulenten Ort wie einem Krankenhaus, werden einem stets neue und vor allem viele unterschiedliche Kollegen begegnen. Und das jeden Tag. Damit die Station weiß, auf wen sie sich einlassen und umgekehrt, ist es ratsam, sich der Stationsleitung und vielleicht schon ein paar Kollegen eine Woche vorher vorzustellen. Erzählt, dass ihr die neue Medizinstudentin seid, die ein Pflegepraktikum absolvieren wird. Und das macht ihr am ersten Tag noch einmal. Und bei jedem weiteren, dem ihr begegnet und den ihr noch nicht kennt. Es wirkt zunächst trivial, da eine Vorstellung selbstverständlich klingt. Doch in den meisten Betrieben, ist eine einmalige Vorstellung oft ausreichend, da das Kollegium nicht allzu groß ist. Im Krankenhaus werden einem durch die unterschiedlichen Schichten zu Beginn fast täglich neue Kollegen begegnen und deren Namen kennenzulernen, auch wenn man nur „der Praktikant/die Praktikantin“ ist, ist dennoch sehr wichtig und vor allem: Höflich.

Zeigt Interesse

Schätzt die Arbeit der KrankenpflegerInnen. Und redet darüber, wenn euch etwas interessiert oder ihr etwas nicht versteht. Das ist vollkommen normal, immerhin habt ihr von dem Beruf keine Ahnung, es ist nicht euer Ausbildungsgebiet und entsprechend fehlt euch sowohl Wissen als auch Erfahrung. Daher fragt nach. Viele denken, dass sie aus dem Pflegepraktikum nichts mitnehmen werden, doch das täuscht. Wenn ihr aufmerksam und wissbegierig seid, werdet ihr sehr viel vor Ort lernen.

Seid offen

Viele haben eine gewisse Ehrfurcht und Angst vor dem Krankenpflegepraktikum. Zum einen zeugt es von Horror-Erzählungen und zum anderen der Tatsache, dass es ein sehr intensives und menschennahes Erlebnis sein wird. Redet über eure Vorstellungen und auch darüber, wenn ihr euch überfordert fühlt. Denn das wird vorkommen und sollte euch den Spaß und die Erfahrung, die auf euch zukommen wird, nicht nehmen. Macht zum einen klar, dass ihr neu und unerfahren seid, zeigt jedoch auch klares Interesse und eure Bereitschaft mitzuhelfen und Erfahrungen zu sammeln.

Helft

Viele neigen dazu, zuerst nur zuzugucken, was schnell den Eindruck erweckt, man wäre faul. Daher rate ich: Packt an. Helft mit. Fragt, was ihr machen könnt, wo ihr helfen könnt, was euer Aufgabengebiet ist. Ihr seid Praktikant, dazu gehören viele einfache Arbeiten, doch nehmt es nicht als Bestrafung oder Last, sondern eher als Entspannung: Was spricht gegen Aufräumen und Helfen? Das Praktikum müsst ihr machen, also macht das Beste draus. Nicht stur oder faul daneben stehen: Anpacken, Mithelfen, Dabeisein und viel Erfahrung mitnehmen. Dazu gehören sowohl Kleinigkeiten wie Wasser auffüllen, Schränke mit Wäsche einräumen, Essen verteilen und Nahrung anreichen, doch auch Messungen durchführen und erlernen: Blutdruck, Blutzucker, Puls, Atmung.

Keine Bewertung, doch viel Erfahrung

Natürlich erhaltet ihr für eure Arbeit keine Benotung und niemand würde mitbekommen, wenn ihr faul in der Ecke gesessen habt. Ich habe bereits Kommilitonen erlebt, die genau das gemacht haben. Diese Herangehensweise ist nicht nur arrogant und herablassend, sondern auch absolut unverschämt. Ja, es gibt keine Fleißpunkte. Doch weshalb sollte das wichtig sein? Es ist ein Beruf mit Menschen. Daher: Seid menschlich. Dieses Praktikum ist nicht zu umgehen, also nutzt es und genießt die Zeit, statt sie zu verfluchen. Wenn ihr Probleme mit jemandem vom Personal habt, sprecht es direkt an. Das kann vorkommen. Versucht die Zeit so gut wie möglich zu nutzen und macht es euch durch Sturheit oder zu viel Stolz nicht unnötig schwer, euch in das Team zu integrieren. Seid offen, interessiert, neugierig, hilfsbereit und freundlich. Lasst euch nicht durch eigene Vorurteile abschrecken.


Mein Pflegepraktikum war unglaublich wertvoll und hat mir nicht nur viel Erfahrung sondern auch eine schöne Zeit eingebracht. Ich wurde auf die Onkologie zugeteilt und durfte mit einem offenherzigen und humorvollen Team zusammenarbeiten.

2 Antworten auf „Erfahrungsbericht: Krankenpflegepraktikum

  1. Liebe Sarah,

    ein wirklich toller, spannender und interessanter Beitrag! Mich fasziniert das Thema Medizin unglaublich und zwar in allen möglichen Facetten. Ich höre wahnsinnig gerne Erzählungen zu, lasse mir von Erfahrungen berichten, schaue entsprechende Filme und Serien – einfach weil ich es so wahnsinnig spannend und vor allen Dingen auch beeindruckend finde. Selbst in diesem Bereich arbeiten könnte ich allerdings nicht, aus einigen Gründen. Vermutlich ist das auch der Grund, weshalb ich euch so bewundere, dass ihr all dies meistert, ganz gleich ob nun in einem Krankenhaus in der Notaufnahme, bei einem Arzt, in der Alten- und Krankenpflege, in psychiatrischen Unterbringungen etc. pp.

    Es war toll, einen kurzen Einblick in deine Erfahrungen zu erhalten. Gerne mehr davon :-)

    Liebste Grüße
    Ivy

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