Unser Feind und Missetäter: Der Antagonist

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Sie tauchen zu unterschiedlichen Zeiten und Momenten auf. Schleichen sich in die Leben unserer geliebten Protagonisten. Sie nisten sich ein, streuen Unbehagen und erzeugen mehr Probleme, als es uns eigentlich lieb wäre. Allerdings ließe sich nicht ein Roman ohne sie lesen, geschweige denn schreiben. Genau genommen regieren die Antagonisten über jedes Wort, das eine Geschichte beherbergen soll.

Was ist ein Antagonist?

Zunächst sollte geklärt werden, was ein Protagonist ist: Kurz gefasst die Hauptfigur eines Romans. Unser Protagonist hat ein Ziel vor Augen. Ein praktisches Beispiel wäre die Geschichte von Rotkäppchen. Rotkäppchen soll ihrer Großmutter einen Korb von ihrer Mutter bringen. Klares, scheinbar einfaches Ziel. Eine Geschichte, die so keine Sonderheit aufweist. Jetzt allerdings kommt unser Antagonist ins Spiel.
Der Antagonist  bedeutet im altgriechischen antagonistés „Gegner, Widersacher, Feind“.* Damit die Geschichte einen interessanten Anklang erhält, wird ein Gegenspieler in die Story eingebracht, der das Vorhaben des Protagonisten in irgendeiner Weise verhindern will. Bei Rotkäppchen wurde der Böse Wolf gewählt. Und plötzlich verleiht diese Figur der Geschichte einen ganz und gar neuen Anklang und erzeugt die Spannung, die ohne sie nicht auftreten könnte.

Antagonisten in verschiedenen Formen

Der Bösewicht
Ein Klassiker. Ob der Joker in Batman, Lord Voldemort aus Harry Potter oder die Böse Königin in Schneewittchen: Ein jeder von ihnen will unserem Protagonisten böswillig Schaden zufügen, ihm das Leben erschweren und seine Ziele unerreichbar gestalten. Die  Charakterzüge sind meist gegensätzlich veranlagt. Durch einen Bösewicht kann der Leser mit dem Protagonisten gedanklich mitkämpfen und dem Ziel genauso entgegenfiebern. Dabei spielt der Antagonist meist eine ebenso große Rolle, wie der Protagonist und zeugt von einem sehr genauen Charakter und großen Auftritten. Ihre Namen bleiben dem Leser meist genauso gut im Gedächtnis, wie der des Protagonisten. Daher sollten die Charakterzüge und Intentionen sehr genau durchdacht werden, damit der Antagonist real und authentisch erscheint.

Der Konkurrent
In Liebesromanen kommt es allzu oft vor, dass neben unseres Protagonisten, ein weiterer um den Schwarm der Geschichte wirbt. Ein Konkurrenzverhalten tritt auf und wir hoffen darauf, dass unser Protagonist diese ganz und gar andere Schlacht gewinnt. Dabei stiftet der Kontrahent gewiss auch hier und dort böswilliges und handelt hinterlistig, allerdings kommt hier niemand in ernsthafte Gefahr. Durch diesen Konkurrent entsteht eine Art von Wettbewerb und die Geschichte kriegt plötzlich ein anderes Gesicht.

Der unscheinbare Antagonist
Ein Antagonist muss nicht immer eine reale Person sein. Ein kleines Beispiel wäre der Roman P.S. Ich liebe dich. Kurz gefasst: Der Ehemann der Protagonistin verstirbt und vermacht seiner Ehefrau zwölf Briefe. Durch diese Briefe soll unsere Protagonistin ihre Trauer überwinden und in ihr Leben zurückfinden. Dabei steht sich die Protagonistin durch ihre Trauer, den Schmerz und den alten Erinnerungen selbst im Wege und spielt gleichzeitig Protagonist und Antagonist.
Diese Form eines Antagonisten kann durch alte Geschichten, Geschehen der Vergangenheit, Gefühle, schlechte Charakterzüge, das Gewissen, vielleicht durch eine Legende, einem Mythos oder sonstiges allerhand nicht Greifbares hervorgerufen werden.

Die Gruppe
Bei einem Antagonisten muss es sich nicht gezielt um eine Person handeln, die es zu bekämpfen gilt. Es kann auch ein Regierungssystem sein, welches mit Hilfe einer Revolution gekippt werden soll. Das Leben unseres Protagonisten kann ebenso durch unterschiedliche Formen der Religion, Kulturen, Gesetze oder eine übergeordnete höhere Instanz erschwert werden. Dabei spricht sich der Protagonist gegen eine größere Gruppierung verallgemeinernd aus.

Vorkommen

Antagonisten können innerhalb eines Romans unerwartet zu unterschiedlichen Zeitpunkten und in verschiedenen Gestalten auftreten. Manchmal erscheinen sie geheimnisvoll im Prolog, verheißen nichts Gutes und lassen bereits Schlechtes erahnen. Sie können auch über viele Seiten hinweg stets nur als Gerücht, einem Wispern, vielleicht sogar in Form einer Legende auftreten, bis sie Wirklichkeit werden.
Vielleicht erkennen wir den Antagonisten zu Beginn gar nicht als solchen, wenn beispielsweise der Bösewicht sich in Form eines Freundes tarnt und die Auflösung erst recht spät kommt, so dass der Leser nur mit Indizien zurechtkommen muss.
Bei mehrbändigen Büchern kann es sich entweder stets um denselben Antagonisten handeln oder aber der Protagonist bleibt und der Antagonist wechselt stetig.

Ohne Antagonist existiert keine Geschichte

Erst durch einen Antagonisten, ganz gleich welcher Form, herrscht innerhalb einer Geschichte das gewisse Etwas. Spannung wird erzeugt. Rätsel werden hervorgerufen. Verzwickte Charaktere entstehen. Unterschiedliche Parteien werden ergriffen. Welten prallen aufeinander, Meinungen zerfetzen sich, Argumentationen unterschiedlichster Art treten auf.
Ohne unsere Antagonisten wird keine Geschichte auf Dauer überleben.
Denn, was wäre schon ein Buch ohne Probleme?

 

Quellen

*Wikipedia

Entwicklung von Charakteren

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Die Geschichten werden durch die handelnden Personen getragen. Sie schmücken und vertiefen die Geschehnisse und sorgen dafür, dass der Leser sich nicht mehr von den Seiten lösen kann.

Geschichten zeichnen sich vor allem durch die Charaktere aus. Wir kennen sie mit jeder verstrichenen Seite fast so gut wie wahrhaftige Freunde oder Familie. Wir entdecken uns selbst oder Menschen, die wir kennen und lieben in ihnen wieder. Doch wie schafft der Autor das?

Charaktere entwickeln

Wenn ich eine Idee zu einem Buch habe, schreibe ich mir zu Beginn allerhand Ideen und Gedanken zu dem Plot auf. Darunter fällt natürlich auch die Hauptfigur. Soll es ein Held sein? Oder ein Feigling? Jung oder alt? Erfahren oder ein Neuling? Frau oder Mann? Kind oder Erwachsener? Es ist wichtig zu wissen, wer die Geschichte leiten soll. Dann dahin richtet sich die gesamte Handlung. Eine Erzählung aus der Perspektive eines Kindes wird sich gänzlich anders abspielen, als aus der Sicht eines Teenagers oder gar einer Person, die mitten im Leben steht, mit einem Beruf oder in einer Ausbildung.
Neben dem Alter spielen noch allerhand weitere Faktoren eine große Rolle. Die Person muss echt erscheinen, wirklich real sein. Dazu muss man alles über diese Person erfahren. Diese Dinge müssen gar nicht im Buch auftauchen, doch sie sind wichtig, um dem Autor in erster Instanz ein Gefühl für den Charakter zu geben. Denn erst wenn sie mir lebendig erscheinen, kann ich sie auch so im Buch darstellen und agieren lassen.

Viele Autoren notieren sich auch die Geburtstage, Sternzeichen, Lieblingsfarbe und Musik, so wie Idole. Je nach dem, was für ein Buch es werden soll, notiere ich mir die jeweiligen Merkmale für meinen Charakter. Daneben muss natürlich auch eindeutig sein, was die Person ausmacht. Ist sie höflich? Offen oder eher distanziert? Bei mir kommt es manchmal vor, dass sich der Charakter mit der Geschichte selbst entwickelt. Das klingt erst mal komisch, doch geschieht ganz automatisch. Selbst, wenn der Plot komplett steht, kann der Charakter sich durch plötzliche Handlungen oder Dialoge die spontan entstehen, ganz anders entwickeln. Er oder sie lebt durch die Geschichte auf und beginnt auf eine merkwürdige, kaum erklärbare Art ein Eigenleben. Gruslig, was ;)

Stammbaum

Bei Fantasy-Geschichtne spielen meist sehr viele Charaktere auf einmal mit. Damit so eine gewisse Übersicht entsteht, schreibe ich mir oft ganze Familien-Baumstämme auf. Zum einen schreibe ich gerne über viele Personen zugleich, damit die Geschichte lebendig und hautnah wirkt. Schließlich tummeln sich um uns herum auch allerhand Menschen, Freund und Familie, die unser Leben beeinflussen. So sehe ich das in meinen Geschichten auf. Natürlich kann man nicht jeden einzelne Charakter ausführlich darstellen, man darf nicht Gefahr laufen sich in Details von nebensächlichen Personen zu verlaufen, damit der Leser nicht die Lust an der Geschichte verliert. Es kommt oft vor, dass ich zu allerhand Personen eine ganze Lebensgeschichte aufdichten könnte, doch sie bleibt ganz bei mir und findet seinen Platz oft nicht zwischen den Zeilen. Wie viel Aufwand der Autor tatsächlich hatte, um den Buchstaben das nötige Leben einzuhauchen, wird meist gar nicht deutlich. Doch es ist wichtig diesen Aufwand zu betreiben, damit der Leser die Geschichte so nah fühlt, als spiele sie sich direkt vor ihren Augen ab.

Nebencharaktere

Es ist nicht nur wichtig, wer die Hauptperson ist und welche Merkmale sie annimmt. Auch all die anderen Figuren im Buch sind wichtig, damit die Beziehungen untereinander klar sind und die Dialoge nicht zu langweilig werden. Jemand der nur zustimmt, reizt keine wirklich beeindruckende Diskussion hervor. Einen Bösen im Buch gibt es immer, es wichtig zu wissen, warum er böse ist, was ihn dazu gebracht hat, wie er denkt, was er unternimmt. Intrigen? List? Ist es schlau?

Abschluss

Am Ende jeder Geschichte lösen sich zu meist alle Geheimnisse, die während der Story entstanden sind. Dabei dürfen auch die Auflösungen der Nebenfiguren nicht fehlen. Ich habe schon hier und dort ein Buch gelesen, in dem sich so manch Geheimnis nicht gelüftet hat, weil sie schlichtweg vergessen wurden.

 

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Sarah

Titelbild: pixabay