Camp NaNoWriMo

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Zitat aus meinem aktuellen Projekt <3

Hallo liebe Wortakrobaten und Buchstabentänzer <3,

diesen Monat ist es wieder soweit. Gemeinsam schlagen wir die Tastatur nieder, bekämpfen den Buchstabensalat, um das Wort Ende unter unseren Projekten setzen zu können.

Doch warum diesen Monat?

Diesen Monat findet das Camp NaNoWriMo statt.

Was ist das der NaNoWriMo?

Bedeutet: National Novel Writing Month. Eigentlich findet dieser im November statt. Es ist ein Aufruf an alle Autoren weltweit, um gemeinsam einen Monat lang zu schreiben. Ziel ist es 50 000 Wörter niederzuschreiben. Dabei muss es sich nicht zwangsweise um einen Roman handeln. Es gibt primär darum überhaupt zu schreiben und das Schreiben wieder in unsere Zeit zu etablieren, damit auf das geschriebene Wort wieder aufmerksam gemacht werden kann. Es ist ungemein motivierend seinem exakten Ziel entgegenzustreben. In allerhand Blogs, unterschiedlichen Fb-Seiten und vielen Websiten berichten Autoren, Schreiberlinge und Manuskriptebezwinger von ihren Erfolgen und  Misserfolgen, es folgen ungemein viele Motivationen, die einem dabei helfen sein Ziel zu erreichen. Auf dem Weg konnte ich bereits viele neue Autorenkollegen kennenlernen & neue Freundschaften schließen. :)

Und was ist dann der Camp NaNoWriMo? Es ist doch gar nicht November!?

Ja, ganz recht. Ich leide keineswegs an einer Zeitstörung. Gewiss, es ist Juli. Denn im Juli findet das Camp statt. Anders als im November wird kein allgemeines Ziel festgesetzt. Jeder Schreiberling soll selbst bestimmen, welche Wortzahl er am Ende erreichen möchte. Dabei findet man sich in sogenannten Cabins zusammen. Es sind Gruppierungen, die in einem eigenen Chatroom gemeinsam Motivation tanken und sich über ihre Projekte austauschen. Meine Writing-Buddies sind Mika und Stella. Ich freue mich wahnsinnig auf unsere gemeinsame Schreibzeit :3

Mein Projekt

Derzeit sitze ich an der Überarbeitung meines Manuskripts, welches ich im November begonnen habe. Es umfasst zur Zeit 98 593 Wörter und soll in diesem Monat beendet werden. Das ist zumindest mein Ziel. Ich gehe davon aus, dass ich noch 25 000 Wörter benötige, um das tatsächliche Wort Ende dort nieder tippen zu dürfen. Was danach geschieht? BETALESER-ALARM :O. Und danach? Mal sehen!

  • SR

 

Der Sandmann schleicht sich herein

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Von Weitem schon da hört er sie, die müden, trägen Atemzüge. Mit einem gemächlichen Schmunzeln auf den Lippen, schnürt er seinen Sack voll Sand zusammen und tippelt durch die geheimen Gänge in die Nacht hinein. Niemand sieht ihn, natürlich nicht. Er ist zu klein, zu flink und ganz und gar gerissen. Das Haus Nummer vier ruft seine Fähigkeiten und das zu allzu später Stunde. Oft ist es so, dass seine letzte Schicht gar vor Sonnenaufgang eintritt und noch zu dieser Zeit der ein oder andere von ihm gerufen wird. Durch unsichtbare Lücken und Ritzen quetscht und huschelt das Männchen in das Haus hinein. Ungeachtet von seinen Bewohnern findet er jenen, der ihn rief. Vor einem Schreibtisch da sitzt er, erschöpft und gähnend vor der Tastatur: Der Schreiberling vor seinem Manuskript.
Natürlich hatte ihn niemand direkt gerufen. Es sind die Laute des Schlafs, die ihn, den Sandmann, zu den Menschen tippeln lässt. Der ein oder andere benötigt einen kleinen Schubser, um endlich die kuschelig warme Bettdecke aufzusuchen. Manchmal, so kommt der Sandmann etwas zu spät und dann kann es schon einmal vorkommen, dass sein Schützling die Tastatur zum Kopfkissen umfunktioniert und dort die Nacht gerädert verbrachte hatte.
Doch noch war er zur rechten Zeit erschienen. Mit einem schelmischen Grinsen klettert er den Rücken seines Schützlings empor. Natürlich kriegt dieser rein gar nichts mit. Seine großen, trägen Augen flackern verengt über den strahlend hellen Bildschirm und nehmen rein gar nichts um ihn herum wahr. Ja, ja, die Schreiberlinge wieder. Sie sind die Schlimmsten. Ganz und gar in eine andere Welt eingetaucht, kriegen sie überhaupt nichts mehr mit. Weder Zeit, noch Raum. Die Sturheit nicht das Bett aufzusuchen ist sensationell, genauso wie ihr enormer Koffeinverbrauch.
Jetzt allerdings lässt sich der Sandmann nicht lumpen. Hinterm Ohrläppchen angelangt klettert er die letzten Schritte über die Haarsträhnen zum Ansatz der Stirn empor. Triumphierend reißt er den Sandsack auf und schüttet reichlich Körner über die geringelten Stirnfalten hinweg. Der Schreiberling kneift die Augen verstört zusammen und reibt sie träge. Kaum noch ein Wort vermag er auf dem Bildschirm zu lesen. Die Wörter, sie werden unklar. Die Augen fühlen sich kratzig und ranzig an, die Müdigkeit steigt plötzlich rasant. Mit einem geknickten Nicken gibt er schließlich nach. Doch als er die Morgensonne erblickte lächelt der Schreiberling zufrieden. Ja, eine Nacht hatte er geschrieben, doch welch Erfolg hatte ihn durchtrieben. Ja, gewiss der Schlaf würde ihm den Tag verstreichen lassen, doch das trübt seine Gedanken keineswegs. Denn bei stiller Nacht, dann wenn jeder andere schläft, kriechen die Schreiberlinge aus ihrer kreativen Welt und tippeln neue Welten auf das leere Blatt Papier. Und nach gemachter Arbeit fühlt sich der Schlaf gleich viel erholsamer an. Der Schreiberling reckt und streckt sich, während die Bettdecke ihn wie durch Zauberhand in den seeligen Schlaf einmurmelt. Und der Sandmann lächelt zufrieden auf seinen Schützling herab. So ist’s recht und jetzt gute Nacht!

Wahnsinn!

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Gleichsam ist das gemeinschaftliche Schreiben während des NaNoWriMo motivierend und niederschmetternd. Es ist erstaunlich, wie schnell die Worte plötzlich fließen. Durch die stetige Anwesenheit von Kommentaren und Blogeinträgen anderer Mitschreiber fühlt man sich regelrecht dazu genötigt auch endlich weiter zu schreiben. Ich ertappe mich dabei, wie ich wirklich zu jeder Minute in meiner Gedankenwelt abdrifte und stetig an meiner Geschichte im Kopf weiter schreibe. Die Ideen können gar nicht schnell genug gefunden werden, verzweifelt versuche ich mir alles zu merken und Zuhaus angekommen scheint die Tastatur gar nicht schnell genug tippen zu können. Eigentlich bleibt zwischen Arbeit, Fernstudium und Ehegatten überhaupt keine Zeit, um ein so wahnsinniges Projekt in einem Monats-Marathon durchzurattern – doch was soll ich sagen? Da bleibt einem Schreiberling schlichtweg keine andere Wahl, als mitzumachen! Getrieben durch die Masse, wird man in den Strom der Schreibnächte mitgerissen und muss einfach in diesem Monat schreiben, was das Zeug hält.
Und ich muss sagen: Es ist fantastisch! Schon länger war ich nicht mehr so müde, erschöpft und hocherfreut zugleich. Gefühlt könnte ich in diesem Monat alles schaffen! Ja wirklich, es ist faszinierend, wie einem das gemeinschaftliche Schreiben vorantreibt. Zu wissen, das in diesem Augenblick auch viele Hunderte, Tausende Andere genau das gleiche aus denselben Gründen tun, ist einfach berauschend. Die Geschichte nimmt Formen an, die ich so vorher nicht erwartet hätte. Auf einige Abzweigungen und Ideen wäre ich zuvor wahrscheinlich gar nicht gekommen, doch gezwungen durch den Schreibfluss müssen Lösungen schnell bei der Hand sein, so dass sich plötzlich Kapitel wie von selbst schreiben und beenden. Faszinierend. Der absolute Wahnsinn.

Die Kehrseite ist natürlich zu erkennen, dass Kollegen weiter und schneller sind. Doch irgendwie treibt mich dies zur Zeit mehr an, als dass es mich niederschmettert. Es spornt mich an, am Ende nicht zu versagen und die 50 000 Wörter zu knacken.

Und weiter gehts, die Wörter warten.

Bild: DAVID MELCHOR DIAZFlickr.com

Die kleinen Heinzelmännchen

Flink, geschickt und schnell schleichen sie unter geschlossenen Augen in das Arbeitszimmer. Listig horchen sie auf und lauschen der Stille der Nacht. Neben den knatschenden Dielen und dem peitschendem Wind, der die Fenster quietschen lässt, umgibt sie nur das Schnarchen und tiefe Atmen der schlafenden Bewohner dieses Hauses. Mit einem schelmischen Grinsen hüpfen sie von Taste zu Taste, überfliegen mit raffinierten Blicken den Bildschirm und kichern triumphierend vor sich hin. Klick.Klick.Klick. Leise wie tippelnde Mäuse schreiben sie Zeile um Zeile, folgen ihren eigenen Ratschlägen und verkriechen sich kokett wieder zurück in ihr Versteck, sobald die ersten Sonnenstrahlen den finstren Nachthimmel durchbrechen.
Und unerkannt und vergessen, wurden weitere Kapitel geschrieben, das Buch fast vollendet, durch die winzigen unsichtbaren Hände der Nacht.