Rezension: Jack

Jack Kerouac war mir ehrlich gesagt, bis zu diesem Roman, kein wirklicher Begriff. Obwohl er so viele Generationen und Künstler geprägt hat, wusste ich bis zu Anthony McCartens Werk Jack, rein gar nichts über diesen Mann. Aufmerksam wurde ich auf diesen Roman erneut durch Jill. Von Anthony McCarten wurde ich durch Superhero in den Bann gezogen, gerade durch seinen sehr direkten und faszinierenden Schreibstil. Auch in Jack zeigte er sein Können und vor allem seine Begeisterung zu diesem unglaublichen Schriftsteller, in all seiner nackten Wahrheit.

Fakten

Titel:  Jack | Autorenname: Anthony McCartenSeitenanzahl: 256 | Verlag: Diogenes Verlag | Preis: 22,00 € Hardcover | ISBN: 978-3-257-06856-6 | Sprache: Deutsch | Erscheinungstermin: 28. Februar 2018 | Erworben: Rezensionsexemplar*


Inhalt

Er ist nur noch ein Abglanz seiner selbst und säuft sich in Florida zu Tode: Jack Kerouac, Idol der Beatniks, der einst das Leben seines Freundes Neal Cassady ausschlachtete, um es zum Kultroman der 1950er Jahre zu verdichten. Da steht aus heiterem Himmel eine Literaturstudentin vor seiner Tür. Ihr Traum: als seine erste Biographin sein Leben aufzuschreiben. Jack weigert sich und lässt sich doch von Jans Bewunderung zu einem Blick zurück verführen. Ein Trip, aus dem keiner der Beteiligten heil herauskommt. [Diogenes]


Jack by Anthony McCarten-3
Lesezeit

Wild, nachdenklich und überraschend vielseitig

Die verschachtelten Sätze, welche stets eine gewisse Nachdenklichkeit und Botschaft vermitteln, begrüßen den Leser von der ersten Seite an und beweisen als Einleitung das schriftstellerische Können von McCarten. Mit präzisen Formulierungen weiß er genau, wie er die Gedanken aus den tiefen des menschlichen Seins zum Vorschein bringt. Stück um Stück legt er dabei die Abgründe offen, ohne, dass es dem Leser zunächst als offensichtlich erscheint. Ohne es zu merken, spielt er mit dem Leser und spindelt so ungeahnte Wege, die für die größten Überraschungsmomente Sorge tragen werden.

Für die Leser in meinem Alter war Kerouac unsere eigene Stimme, das Sprachrohr unserer Seele, und in meiner Erinnerung bleibt er das bis ans Ende aller Tage – denn was sin dSchriftsteller anderes als der Inbegriff der Zeit, in der sie uns begegnen, und das von da an für alle Ewigkeit?
Jack | Anthony McCarten | Seite 36

Durch den Verlauf zunächst eher skeptisch, ob mich der Roman wirklich begeistern würde, fesselte mich allen voran lediglich über die ersten Seiten hinweg das wilde Leben von Jack Kerouac, welches in kurzen Gedankenzügen zwischendurch von unserer Protagonistin erzählt und wiedergegeben wird. Sie ist auf der Suche nach Jack und verliert sich in ihrer Begeisterung über seine Persönlichkeit zwischendurch in ihrer eigenen Gedankenwelt. Dadurch kriegen wir einen ersten Eindruck über diesen berüchtigten Schriftsteller geliefert und erwarten gebannt sein erstes Auftreten.

Er war ein Meister der Verstellung, ein Virtuose im Spiel der Identität sein Leben lang.
Jack | Anthony McCarten | Seite 37

Das Ziel unserer Protagonistin ist eine Biographie über Jack verfassen zu dürfen. Sobald wir ihn antreffen und mit ihm ins Gespräch geraten, wunderte ich mich mit der Zeit, was eigentlich noch vom Roman zu erwarten sein wird. In welche Richtung wird uns McCarten schicken? Immerhin trägt der Roman den Namen Jack, erwartet uns also eine Wiedergabe seines Lebens? Mit der Zeit wurde ich skeptisch, ob mich der Roman noch überzeugen würde, bis mich die erste Wendung absolut mitriss.

„Eine Blockade, meinen Sie?“
„Viel schlimmer als das. Verstehen Sie, wenn man kreativ sein will, muss man in die dunkelsten Bereiche des eigenen Wesens eintauchen. Das mag eine Bereicherung für die Welt und so weiter sein, aber der Haken an der Sache ist, dass man dabei seine Seele verliert. Das ist das Paradox der Kunst. Ich habe meine Seele verloren, das spüre ich, aber mein Körper, mein Körper weigert sich aufzugeben.“
Jack | Anthony McCarten | Seite 104

Anthony McCarten schreibt in meisterhaftem Geschick, lässt den Leser auf falsche Wege laufen, so überzeugend, dass jedes seiner Worte real erscheint, bis man vor neuen Tatsachen gestellt wird, die den gesamten Roman in ein anderes Licht rücken lassen. Die Wendungen und Darstellungen der Protagonistin und Jack, haben mich begeistert. Ich bemerkte, wie ich immer wieder die Werke von Jack Kerouac nachschlug, mehr über ihn erfahren wollte, Vergleiche mit seinem Leben und diesem Roman zog.
Die Art wie McCarten das wahre Leben von Jack Kerouac in den Roman einfädelte und gleichzeitig wichtige Persönlichkeiten von ihm in diese Geschichte eingliederte und seine grundlegenden Themen analysierte, ist wohl mitunter das größte Lob, welches er Jack Kerouac jemals machen konnte. Es handelt sich um eine Hymne an den Schriftsteller. Eine Interpretation seines Lebens in einer vollkommen neuen Umgebung.

Was für eine Frage! Ha! Wer bin ich? Ich weiß noch, dass ich das gedacht habe. Fast so etwas wie die existenzielle Frage dieser Zeit. Wer bin ich, wer bin ich. Und was antwortet man? Jeder Mensch ist ein Abgrund. Wenn man hinabblickt, wird einem schwindelig.
Jack | Anthony McCarten | Seite 220


Fazit

Faszinierend, wild und in eine ungeahnte menschliche Tiefe blickend, ist Jack allen voran ein meisterhaft überraschendes Werk, welches mit dem Leser spielt und einen ungeahnte Abgründe finden lässt. Die Auseinandersetzung mit dem eigenen Ich, der Bezug auf das Leben und die Wichtigkeit von Literatur werden hier in großen Worten geschrieben.

lover

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LoveSarah

Vielen Dank an den Diogenes Verlag für die Bereitstellung meines Rezensionsexemplares!

Rezension: Superhero

Superhero habe ich einzig deswegen angefragt, da Becca es im Diogenes Verlag entdeckt hat. Zuvor ist mir die Geschichte noch gar nicht aufgefallen, doch Becca war umgehend Feuer und Flamme und ließ mich auch neugierig werden. Der Klappentext klang vielversprechend, also fragte ich den Roman an. Daher an dieser Stelle: Vielen lieben Dank lieber Diogenes Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars! Ich muss gestehen: Mit dem, was ich schließlich antraf, habe ich absolut nicht gerechnet und wurde mit einer unglaublich besonderen Geschichte überrascht. „Rezension: Superhero“ weiterlesen

Rezension: Crown of Midnight

Achtung: Bei dieser Rezension handelt es sich um den zweiten Band der Throne of Glass Reihe von Sarah J. Maas. Es könnte eventuell den ersten Band spoilern.

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Fakten

Autorenname: Sarah J. Maas
Titel: Crown of Midnight (dt.: Kriegerin im Schatten)
Seitenanzahl: 418 Seiten
Preis: 18,99 $ (englisch) 9,95 EUR (Taschenbuch Deutsch)
Genre: Fantasy

Inhalt

From the throne of glass rules a king with a fist of iron and a soul as black as pitch. Assassin Celaena Sardothien won a brutal contest to become his Champion. Yet Celaena is far from loyal to the crown. She hides her secret vigilantly; she knows that the man she serves is bent on evil.

Keeping up the deadly charade becomes increasingly difficult when Celaena realizes she is not the only one seeking justice. As she tries to untangle the mysteries buried deep within the glass castle, her closest relationships suffer. It seems no one is above questioning her allegiances—not the Crown Prince Dorian; not Chaol, the Captain of the Guard; not even her best friend, Nehemia, a foreign princess with a rebel heart.

Then one terrible night, the secrets they have all been keeping lead to an unspeakable tragedy. As Celaena’s world shatters, she will be forced to give up the very thing most precious to her and decide once and for all where her true loyalties lie… and whom she is ultimately willing to fight for. [goodreads]

Meine Lesezeit

Gefährlich. Gerissen. Gnadenlos. 

Celaena wurde zum Champion des Königs auserwählt. Wir befinden uns wieder im Palast des Königs und lernen Celaenas Geschichte kennen. Zu Beginn ist die Atmosphäre eher ruhig, was mir persönlich allerdings sehr gut gefallen hat. Allmählich steigt man in das Leben von unserer geliebten Badass Protagonistin ein und lernt Personen ihrer Vergangenheit kennen.

“I worry because I care. Gods help me, I know I shouldn’t, but I do. So I will always tell you to be careful, because I will always care what happens.”

Sarah J. Maas vollbringt es wieder, die Seiten mit Geheimnissen und Andeutungen ihrer speziellen Art zu sprenkeln, so dass man mit der Zeit mit so vielen Geschichten konfrontiert wird, dass man mit Anspannung auf die Lösungen wartet. In diesem Roman werden uns direkt einige neue Charaktere vorgestellt, an denen ich allerdings keinen wirklichen Narren fressen konnte. Sie waren nun einmal da, mein Herz konnten sie jedoch nicht erobern, was allerdings nicht wirklich schlimm war. Mein Hauptaugenmerk ist stets auf die Story von Celaena gerichtet. Ich liebe ihre Art zu denken, ihre ungenierte, direkte Art. Gleichzeitig weist ihr Charakter solche menschlichen, geradezu unschuldigen Züge auf, dass sie mir mit jeder kleinen Schwäche, und sei es nur für gewaltige Schokoladenkuchen (oder vielleicht gerade deswegen), noch sympathischer wird.

“Why are you crying?“
„Because,“ she whispered, her voice shaking, „you remind me of what the world ought to be. What the world can be.”

In diesem Buch zeigt unsere geliebte Assassine ihre kämpferische Art. Wer dieses Mal auf mehr Aktion hofft, wird belohnt werden. Im ersten Band versteckte sie noch zur Tarnung ihre wahren Talente, doch hier offenbart sie die Killerin, die vor der sich jeder fürchtet: Die Attentäterin. Die beste Assassine, von der ihr jemals gehört habt: Celaena Sardothien.

But death was her curse and her gift, and death hat been her good friend long, long years.

Gleichsam wie im ersten Band, wird hier auch die dritte Erzählperspektive gewählt, was mir persönlich unglaublich gut gefällt. Meist erfahren wir die Geschichte aus Caleanas Sicht, werden jedoch immer häufiger mit Gedanken aus Chaols und Dorians Sicht belohnt. Um die Spannung anzuheizen, fügt Sarah J. Maas hier und dort unerwartete Passagen aus Sicht des Königs oder anderen Rivalen ein, die für gewaltige Schockmomente sorgen und mich manchmal mit Gänsehaut zurückließen.

„You must learn to ask the right question before you can receive the right answer.“

Ab der Hälfte nimmt das Buch eine Erzählgeschwindigkeit an und eine Dramatik ein, mit der ich nicht gerechnet habe. Zu Beginn werden wir mit Geschichten und Anfangskonflikten konfrontiert, danach folgt ein Sturm, der einen solange  mitreißt, bis das Wort Ende auf der letzten Seite vor einem prangert und das nächste Buch bereits verheißungsvoll wartet. Die Wendung und weiteren Geschehnisse ließen mich sprachlos zurück, geradezu fassungslos.

Honestly, she sometimes wondered if there was something a bit wrong with her for being able to cry so easily.

Die Romantiksparte kommt hier auch nicht zu kurz, allerdings spielt das Liebesleben von Celaena eine eher nebensächliche Rolle, ebenso wie im ersten Band. Der Fokus liegt eher auf dem Königreich, die Entwicklung der Protagonisten und das Überleben.

Mein Fazit

Im zweiten Band der Throne of Glass Serie werden wir mit Schockmomenten, Humor und Action belohnt. Sarah J. Maas bringt wieder ein Kunstwerk aufs Papier, mit dem sie ihre Sprache Emotionen malen lässt, die einen sprachlos zurücklassen. Der zweite Teil überzeugte mich vor allem durch den Wandel und die bittere Spannung zum Schluss.

Lover

 

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