Das Online Semester

In diesem Sommer werde ich mein Physikum schreiben und möchte euch auf diesem Weg mitnehmen. Dabei stelle ich meinen Lernplan vor und wie meine Kommilitonen und ich uns trotz der derzeitigen Corona-Lage gemeinsam auf die erste staatliche Prüfung vorbereiten. In dem heutigen Beitrag berichte ich über das Online-Semester, wie ich es wahrnehme und welche Vor- und Nachteile diese Form des Studiums mit sich bringt.

Dieses Semester wird allen Studenten noch lange in Erinnerung bleiben. Weltweit stellt sich seit einigen Wochen das Online-Semester vor, welches die optimale Lösung für ein sicheres und gesundheitlich umsetzbares Studium darstellt. Je nach dem, wie sich die jeweiligen Universitäten auf diese Art des Studiums einstellen, erleben die Studenten das Studium mit unterschiedlichen Qualitäten. Da Studenten und Dozenten auch nur Menschen sind, wirkt sich das Online-Studium entsprechend auch unterschiedlich auf die Umsetzung und Handhabung aus. Es gibt viele positive Stimmen, jedoch auch ein paar negative, die diese Art des Lernens bevorzugen oder lieber meiden würden.

Vorlesungen unterschiedlicher Formate

Je nach Universität oder Fachhochschule werden die Online-Semester in einem unterschiedlichen Umfang vorgestellt. Bei einigen Universitäten werden Vorlesungen online als Video hochgeladen, so dass diese zu jeder Zeit und nach eigenem Empfinden und eigenem Tempo abgespielt werden können. Der Vorteil daran liegt eindeutig an der Flexibilität. Gerade für Studenten, die einem Nebenjob nachgehen oder das Familienleben bewerkstelligen müssen, dürfte sich dieser Punkt als sehr vorteilhaft herausspielen, da so Vorlesungen auch bequem am Abend abgespielt werden können. Der Nachteil wäre jedoch, dass bei Videos keine Fragen direkt gestellt werden können, allerdings besteht weiterhin die Möglichkeit eine E-Mail zu schreiben, um Fragen loszuwerden. An dieser Stelle ist natürlich ein hohes Maß an Selbstdisziplin gefragt, da das Vorhandensein von Vorlesungsvideos auch dazu verleiten können, sich diese irgendwann anzusehen, wodurch schnell ein gewisses Zeitproblem entstehen könnte.
Ein weiteres Konzept ist es, die jeweiligen Vorlesungen zur normalen Zeit live zu streamen. So ist es beispielsweise bei mir der Fall. Diese Art des Online-Semesters kommt mir sehr gelegen, da ich so gezwungen bin, früh aufzustehen und beim Lernstoff auf dem aktuellsten Stand zu bleiben. Zudem ist es in den Zoom-Meetings möglich, in einem Chat den Dozenten direkt oder im großen Kreis, Fragen zu stellen. Diese werden entweder sofort durch den Dozenten oder sogar Kommilitonen beantwortet, oder am nächsten Tag noch einmal aufgearbeitet. Außerdem ist es auch möglich, sich direkt per Mikrofon und Kamera zu beteiligen, was jedoch durch den Stoffumfang nicht immer möglich ist. Die Chat-Funktion hat sich als großen Vorteil für viele Studenten herausgestellt. Es ist gerade für Studenten, die schüchtern und zurückhaltend sind, von großem Vorteil, im Chat eine Frage an den Dozenten stellen zu können, ohne befürchten zu müssen, öffentlich zu viel Aufmerksamkeit zu erhalten. Entsprechend haben wir auch das Feedback erhalten, dass dieser Chat anscheinend in vielen Semestern einige positive Stimmen erhalten hat. Von Kommilitonen aus anderen Universitäten habe ich leider erfahren, dass nicht alle Dozenten allzu zuverlässig sind, was das Hochladen der Vorlesungen betrifft, so dass einige Studenten im jeweiligen Kurs weit zurückliegen. Das ist natürlich seitens der Dozenten keine gute Handhabung und sollte abgeklärt werden.

Mehr Zeit

Dieser Punkt fällt vor allem vielen Pendlern, zu denen ich mich ebenfalls zähle, sehr positiv auf. Um eine Vorlesung um 8 Uhr besuchen zu können, müsste ich beispielsweise bereits um 6 Uhr aufstehen, damit ich die Zug- und Busverbindungen auch rechtzeitig bewerkstelligen kann. Hinzukommt die morgendliche Badezimmerzeit, sowie Frühstücken und das Packen der jeweiligen Utensilien für den Tag. In einem Online-Semester fängt die Vorlesung ebenfalls um 8 Uhr an. Für Langschläfer ist es durchaus möglich, auch erst 5 Minuten vorher aufzustehen, den PC einzuschalten und sich für die Vorlesung online anzumelden. Frühstück, Badezimmer und Sonstiges kann gerne danach oder sogar währenddessen aufgeholt werden, denn aufgrund der jeweiligen Kapazitäten, sollten bei Online-Vorlesungen die Kameras größtenteils ausgeschaltet sein, so dass die Vorlesung bequem über Kopfhörer mitgehört werden kann. Natürlich sollte es nicht zur Routine werden, dass die Vorlesung nur nebenbei abläuft. Die zusätzliche Schlafzeit und die Energie, die ich durch das Nicht-Pendeln nicht verliere, sind mir persönlich sehr willkommen. Am Tag habe ich so viel mehr Zeit und spare obendrein noch Geld, da ich Zuhause Essen kann und nicht auf die Mensa oder Sonstiges angewiesen bin.

Direktes Lernen

Ein Vorlesungssaal ist sehr groß, da auch viele Studenten an einer einzigen Veranstaltung gleichzeitig teilnehmen müssen. Dadurch fällt die Akustik und die Bearbeitung der Folien oder sogar Tafelmitschriften ganz anders aus. Die persönliche Aufmerksamkeit schwindet, wenn der Dozent nicht gut zu hören ist oder wenn die Mitschriften oder Folien nur schlecht zu betrachten sind. Online gestaltet sich so eine Vorlesung viel interaktiver und direkter. Die Folien erscheinen durch die Funktion der „Bildschirmfreigabe“ direkt am eigenen Bildschirm. Außerdem laden unsere Dozenten die Folien stets vorher hoch, so dass wir diese parallel bearbeiten können. Das ist sehr angenehm und sorgt bei mir persönlich dafür, dass ich wesentlich aufmerksamer bin.

Mehrere Lerntypen werden abgedeckt

Es gibt viele unterschiedliche Lerntypen. Ich selbst lerne am Besten durch Lesen, Schreiben und Wiederholen. Am schlechtesten tatsächlich durch das Zuhören. Jeder sollte für sich herausfinden, welcher Lerntyp am besten zu einem passt, um so die höchste Effektivität zu erzielen. Übrigens: Ich habe mal eine Studie gelesen, demnach es keine Lerntypen geben soll. Vielleicht reden wir uns diese Art des Lernens auch nur ein, allerdings muss ich sagen, dass ich subjektiv bemerke, wie viel leichter mir gewisse Lerntechniken fallen, als andere.

Zuhören: Dadurch, dass die Vorlesungen über Kopfhörer direkt zugeschaltet werden, ist es gerade für so einen Lerntyp ideal, alles viel näher und direkter zu hören. Zudem kann man sich eine eigene passende Umgebung gestalten, in der es ruhig ist und auf die Situation des Lernens angepasst. Das ist gerade in Vorlesungen, die immer einen gewissen Geräuschpegel durch die Kommilitontn erzeugen, nicht immer so einwandfrei möglich. Natürlich hat nicht jeder eine eigenen Wohnung oder ein eigenes Zimmer, sodass sicherlich auch an dieser Stelle ein paar Nachteile zu berücksichtigen sind.

Schreiben: Die Tische der Vorlesungssäle sind nicht dafür bekannt, viel Platz zu bieten. Entsprechend ist man etwas eingeschränkt. Zuhause am eigenen Schreibtisch, kann man sich die Vorlesung ansehen und parallel mit allen wichtigen Materialien mitschreiben.

Wiederholen durch Videoaufzeichnungen: Das ist natürlich ein großer Vorteil, wenn Vorlesungen aufgezeichnet werden. Neben dem flexiblen Aspekt, kommt natürlich der Punkt der eigenen Geschwindigkeit hinzu. Ob mehrere Wiederholungen notwendig sind oder man gerade einen Punkt mehrfach hören möchte, um es richtig zu verstehen.

Lernen durch Bewegung: Diese Art des Lernens habe ich heute durch meinen Instagram-Post erfahren. Das ist von Zuhause aus natürlich problemlos möglich. Es soll sogar Studenten geben, die sich ein langsames Laufband (Ohne Gestell) unter den Schreibtisch legen und so während der Vorlesung in Bewegung bleiben. Das ist natürlich nicht nur für die Gesundheit und dem Kreislauf von großem Vorteil, sondern auch für die Menschen, die eine gewisse körperliche Interaktion beim Lernen benötigen.

Soziale Interaktion

Die sozialen Kontakte leiden bei den meisten Menschen in der derzeitigen Situation. Vor allem Menschen, für die körperlicher Kontakt und der gemeinsame direkte Austauschs sehr wichtig ist, spüren diese Zeit umso stärker. Es sind nicht nur die persönlichem Beziehungen zu Freunden und Familie, die dabei ins Gewicht fallen, sondern auch die zufälligen Bekanntschaften und Gespräche, die während des Alltags zusammenkommen, die einem gerade in dieser Zeit fehlen und entsprechend auch durch diese Lücke immer stärker auffallen. Aus diesem Grund, habe ich mit zwei engen Freunden Skype- und Zoom-Meetings vereinbart, zu denen wir uns zum Lernen treffen und entsprechend das Sprechen verbessern und so auch mehr Kontakt zueinander haben. Gerade für die mündlichen Prüfungen leiden derzeit die mangelnden Kommunikationsmöglichkeiten, die jedoch leicht durch entsprechende Eigeninitiative überbrückt werden können. Übrigens gibt es auch eine witzige App, die sich Houseparty nennt, bei der man sich mit Freunden online zusammentreffen und lustige Spiele gemeinsam erleben kann. Ich kann diese App sehr empfehlen, wir hatten bereits einen solchen Abend, es lohnt sich wirklich!
Vor allem unsere Dozenten beklagen hin und wieder, dass ihnen die Online-Veranstaltungen schwer fallen, da sie anhand unserer Gesichtsausdrücke über die Kamera nicht immer beurteilen können, ob wir anwesend sind und verstehen, was sie uns erklären und ihnen folgen können. Daher hier auch ein persönlicher Appell von mir: Sorgt durch eure direkte Teilnahme dafür, dass Seminare und Praktika lebendiger erscheinen und ihr so dem Dozenten auch ein positiveres Gefühl verleiht. Außerdem verliert ihr so selbst nicht den Anschluss und ihr lernt das Sprechen für mündliche Prüfungen umso leichter, wenn ihr direkt über das Mikrofon zugeschaltet seid. Interaktion ist so wichtig, unterschätzt das nicht!

„Für mich persönlich stellt sich das Online-Semester als positiven Nebeneffekt heraus. DABEI SPARE ICH VIEL ZEIT, KANN EFFEKTIVER LERNEN UND NUTZE DIE DIREKTE INTERAKTION INNERHALB DER SEMINARE UND PRAKTIKA IN VOLLEN ZÜGEN.“

Erzählt mir gerne unter den Kommentare, wie sich die derzeitige Situation auf euer Leben auswirkt. Befindet ihr euch im Homeoffice? Wie erlebt ihr diese Art Arbeiten? Oder studiert ihr sogar und befindet euch im Online-Semester? Wie handhabt eure Universität die Umsetzung?

LoveSarah

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