Wahnsinn!

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Gleichsam ist das gemeinschaftliche Schreiben während des NaNoWriMo motivierend und niederschmetternd. Es ist erstaunlich, wie schnell die Worte plötzlich fließen. Durch die stetige Anwesenheit von Kommentaren und Blogeinträgen anderer Mitschreiber fühlt man sich regelrecht dazu genötigt auch endlich weiter zu schreiben. Ich ertappe mich dabei, wie ich wirklich zu jeder Minute in meiner Gedankenwelt abdrifte und stetig an meiner Geschichte im Kopf weiter schreibe. Die Ideen können gar nicht schnell genug gefunden werden, verzweifelt versuche ich mir alles zu merken und Zuhaus angekommen scheint die Tastatur gar nicht schnell genug tippen zu können. Eigentlich bleibt zwischen Arbeit, Fernstudium und Ehegatten überhaupt keine Zeit, um ein so wahnsinniges Projekt in einem Monats-Marathon durchzurattern – doch was soll ich sagen? Da bleibt einem Schreiberling schlichtweg keine andere Wahl, als mitzumachen! Getrieben durch die Masse, wird man in den Strom der Schreibnächte mitgerissen und muss einfach in diesem Monat schreiben, was das Zeug hält.
Und ich muss sagen: Es ist fantastisch! Schon länger war ich nicht mehr so müde, erschöpft und hocherfreut zugleich. Gefühlt könnte ich in diesem Monat alles schaffen! Ja wirklich, es ist faszinierend, wie einem das gemeinschaftliche Schreiben vorantreibt. Zu wissen, das in diesem Augenblick auch viele Hunderte, Tausende Andere genau das gleiche aus denselben Gründen tun, ist einfach berauschend. Die Geschichte nimmt Formen an, die ich so vorher nicht erwartet hätte. Auf einige Abzweigungen und Ideen wäre ich zuvor wahrscheinlich gar nicht gekommen, doch gezwungen durch den Schreibfluss müssen Lösungen schnell bei der Hand sein, so dass sich plötzlich Kapitel wie von selbst schreiben und beenden. Faszinierend. Der absolute Wahnsinn.

Die Kehrseite ist natürlich zu erkennen, dass Kollegen weiter und schneller sind. Doch irgendwie treibt mich dies zur Zeit mehr an, als dass es mich niederschmettert. Es spornt mich an, am Ende nicht zu versagen und die 50 000 Wörter zu knacken.

Und weiter gehts, die Wörter warten.

Bild: DAVID MELCHOR DIAZFlickr.com

Wo Autoren schreiben

Zwischen flüsternden Büchern in einer Bibliothek, dort wo die Gedanken laut schreien, sich die wildesten Geschichten ausbauen und ein Irrsinn den nächsten Jagd, unter den Augen vieler Zuschauer, doch niemand ahnt, was sich gerade dort unter den Tasten abspielt. In einem Café bei einem leckeren Soja-Frapucchino und einem Stück Kuchen, während der Genuss die Sinne spielen lässt und die nächsten Szenen fast wie von selbst ihren Platz finden. Außerdem ist ein Café innerhalb einer belebten Innenstadt der perfekte Ort, um Schreibblockaden den Kampf anzusagen. Nichts reizt mehr zu neuen Geschichten an, als Geschichten zu beobachten. Bei tiefer Nacht, plötzlich gereizt durch den Schreibtrieb, in einer finstren Ecke vor dem Laptop oder dem PC zwischen Schokolade und Tee, Zuhause in Decken gemurmelt. Auf der Arbeit, im Kopf, dort wo nichts unentdeckt, nichts unverwehrt und keine Grenzen gesetzt sind. Und leider auch kein Stift weit und breit. Bei Zugfahrten, während jedermann seinen Tagträumen hinterherhinkt und der Schreiberling selbst mit einem Schmunzeln im Gesicht die merkwürdigsten Wörter zustande bringt und sich wundert ob jemand im Umkreis wohl seine Gedanken lesen kann und ahnt, was dort gerade geschrieben wird. Ganze Filme rennen vor dem inneren Auge ab und die Tasten können gar nicht schnell genug klimpern! Und dann geschieht es. Dem Schreibwahn verfallen können die Sätze gar nicht schnell genug niedergeschrieben werden, die Ideen purzeln wie losgetretene Tornados aus dem Gedankenstrom, Lösungen kommen ohne Umwege einher, das Ende ist endlich in Sicht und dann wagt es tatsächlich jemand uns anzusprechen! Ja! Da redet jemand einfach plump und plötzlich einher, ohne gefragt zu werden. Mit verwirrtem Blick versucht man die komischen Worte zu verstehen, parallel zwingt man die Gedanken auf die mentale Pause zu drücken und den Schreibstrom ja nicht in den See der Vergessenheit zu schubsen, doch es ist zu spät! Kaum unterbrochen, ist alles vergessen. Die Laune getrübt. Der Tag vorbei.