Rezension: Dear Evan Hansen

Triggerwarnung: Selbstmord, Drogen(-Sucht), Angststörungen

 

Fakten

TriggTitel: Dear Evan Hansen | Autorenname: Val Emmich| Seitenanzahl: 368 | Verlag: cbj-Jugendverlag| Preis: 18,00 €| ISBN: 978-3-570-16565-2 | Sprache: Englisch (auf Deutsch verfügbar) | Erscheinungstermin: 2. September 2019 |
Erworben: selbst gekauft


Inhalt

Nobody Deserves to be Forgotten

Ein nie für die Augen anderer bestimmter Brief lässt Evan Hansen als engsten Freund eines toten Mitschülers erscheinen. Dem einsamen Evan eröffnet sich durch dieses Missverständnis die Chance seines Lebens: endlich dazuzugehören. Evan weiß natürlich, dass er falsch handelt, doch nun hat er plötzlich eine Aufgabe: Connors Andenken zu wahren und den Hintergründen seines Todes nachzuspüren. Alles, was er tun muss, ist weiter vorzugeben, Connor Murphy habe sich vor seinem Selbstmord allein ihm anvertraut. Plötzlich findet sich der unsicht- und unscheinbare Evan im Zentrum der Aufmerksamkeit. Sogar der des Mädchens seiner Träume – Connors Schwester.
– randomhouse
Lesezeit

 

Tiefgründig und ruhig.

Bevor ich Dear Evan Hansen gelesen habe, habe ich nicht gewusst, was dieses Buch thematisiert. Ich wollte mich bewusst nicht informieren und wurde erneut durch die Buch-Community auf Instagram auf dieses Buch aufmerksam. Ich ahnte, dass das Buch wichtige Themen behandeln wird. Sehr wichtige Themen: Selbstmord, Depressionen, Mobbing, Angststörungen. Es sind Themen, die immer noch viel zu selten in Büchern ihren Platz finden und noch seltener als Hauptschwerpunkt. In Dear Evan Hansen wurden sie nicht nur umgesetzt, sondern auch feinfühlig und intensiv behandelt.

I wish that everything was different. I wish that I was a part of something. I wish that anything I said mattered, to anyone. I mean, let’s face it: would anybody even notice if I disappeared tomorrow?

Die Perspektive des Hauptcharakters Evan wurde rein sprachlich unglaublich authentisch umgesetzt. Das Buch liest sich ruhig, schnell und gleichzeitig chaotisch. Genauso verlaufen Evans Gedanken und sein Bemühen, mit sich selbst im Reinen zu komme und irgendwie sein Leben zu überstehen. Er hat Angststörungen. Angst, mit anderen auch nur zu reden. Die Art, wie Evans Ängste und sein Verhalten widergespiegelt wurden, hat mich sehr gerührt und mir ein tiefes Verständnis für seine Situation und den inneren Kampf, den er mich sich und der Welt austrug, näher gebracht.

Really, though, what do I know about what another person is capable of? I still don’t have a clue what I’m capable of. I keep surprising even myself.

Zwar würde ich mit dem nächsten Thema etwas vorweg nehmen, dennoch ist es für meine Rezension und die Wichtigkeit des Romans essentiell: Ein Mitschüler von Evan begeht Selbstmord. Er stand ihm nicht sonderlich nah, fühlt sich der Familie gegenüber jedoch verantwortlich und beschäftigt sich eingehend mit ihnen und dem Mitschüler. Wieso hat er es getan? Wie reagiert sein Umfeld? Seine engste Familie? Wie reagieren Menschen, die eigentlich gar nichts mit ihm zu tun haben? Und wie kann man Menschen helfen, die sich in ähnlichen Situation befinden?

I’m left with a loneliness so overpowering it threatens to seep from my eyes. I have no one. Unfortunately, that’s not fantasy. That’s all-natural, 100 percent organic, unprocessed, reality.

Dear Evan Hansen hat mich überrascht. Der Autor hat eine beeindruckend ruhige Art, mit der er die Handlung wiedergibt und trotzdem den Verlauf nicht eintönig wirken lässt. Es ist eine Ruhe, die einen als Leser einnimmt und dafür sorgt, die gesamte Aufmerksamkeit dieser Geschichte zu widmen und selbst vielleicht noch einmal überall genauer hinzusehen.

Why would he do this? I mean, i understand how low a person can get. I also know that when you’re not in the best headspace, the trivial can turn into the insurmountable and all of sudden you’re heading down a dark path and you can’t find your way back.

 

Fazit

Dear Evan Hansen ist eine Geschichte, die so viele Menschen betrifft und noch von viel zu wenigen erzählt wird. Dieses Buch liefert eine Stimme, die spricht und zuhört und die vor allem eines aussendet: Verständnis und den Mut zum Handeln. Eine absolute Leseempfehlung.

Weitere Rezensionen

Habt ihr eine Rezension zu Dear Evan Hansen geschrieben?
Dann hinterlasst mir in den Kommentaren gerne euren Link!

 

LoveSarah

Entstehungsgeschichte: Einmal im Jahr für immer

Meine Lieben, heute findet der letzte Tag meiner Blogtour statt! Dabei möchte ich euch etwas über die Entstehungsgeschichte zum Roman erzählen, wie ich auf die Idee dazu gekommen bin und warum mir dieses Thema sehr am Herzen liegt und ich nicht anders konnte, als darüber eine ganze Geschichte zu schreiben.

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In meinem Roman Einmal im Jahr für immer verliert die Protagonistin Amelie Red ihren Ehemann und muss lernen wieder zurück ins Leben zu finden. Dabei soll ihr ein Clown behilflich sein. Ein Clown? Hä?
Die meisten wundern sich über eben jenen Clown, finden es komisch, eigenartig und gleichzeitig macht eben das neugierig. Wieso eigentlich? Und warum habe ich mir diese Person ausgesucht?

Amelie und ihr Verlust

Nach sieben gemeinsamen Jahren verstirbt der Ehemann von Amelie Red: Mathiew Red. Die Gründe hinter seinem Tod werden mit der Zeit geklärt, an dieser Stelle möchte ich darauf auch nicht weiter eingehen, damit ihr es selbst erfahren könnt. Doch warum wähle ich so ein Thema aus? Weshalb den Tod, die Trauerverarbeitung? Wieso so einen Verlust behandeln? Es sind mehrere Gründe, die mich dazu verleiteten diese Geschichte aus ihrer Perspektive zu schreiben. Die Geschichte von Amelie.
Der Leser erlebt hautnah, wie sie leidet, wie sie sich durch die Trauer quält und sich selbst am Leben hindert. Amelie Red will nicht leben. Sie will nicht weiterleben, nicht weitermachen, will sich dieser Welt nicht fügen, wenn der Schmerz um ihren Verlust doch so stark ist.
Mir war es wichtig diesen Trauerprozess so intensiv wie möglich darzulegen. Dazu habe ich einen wichtigen Faktor als Grundvorraussetzung in den Vordergrund gestellt: Amelie und Mathiew sind sehr wohlhabend. In vielen Geschichten, die über den Verlust einer Person handeln, werden Menschen vorgestellt, die sich noch ihrem Alltag fügen müssen, die weitermachen müssen, aufgrund dessen, dass sie eben eine Arbeit und Familie haben, für die sie Sorge zu tragen haben.
Bei Amelie ist dies nicht so.
Sie muss sich um niemanden kümmern, weil sie und Math keine Kinder hatten.
Sie muss nicht arbeiten gehen, denn sie und Math waren sehr wohlhabend.
Diese Kriterien waren eines meiner wichtigsten Punkte, um zu verdeutlichen, dass man im Leben alles besitzen kann, sorgenfrei leben könnte und all dies dennoch vollständig an Bedeutung verliert, wenn der Sinn dahinter verendet: Nämlich der Verlust des Menschen, den man liebt. Wenn der Grund zum Leben fort ist, weshalb sollte sie dann weitermachen? Wieso weiterleben, wenn der Schmerz über diesen Verlust sie zu stark runterzieht, dass Amelie das Gefühl hat nie wieder den Willen dazu finden zu können?
Mir war es unglaublich wichtig das Verständnis für Trauer und Verlust hervorzuheben. Denn den meisten Menschen ist es nicht bewusst, wie schmerzhaft und qualvoll so ein Prozess sein kann. Dass es eben nicht einfach ist. Dass man nicht weitermachen kann. Dass Worte einen nicht weiterhelfen, genauso wenig eine Umarmung oder zum Beispiel der Luxus sich alles leisten zu können. Ich wollte das Leben in seiner Brutalität darstellen, wie es wirklich ist, nämlich, dass man diesen Menschen nicht vergisst, auch nicht nach Jahren.
Der Reichtum von Amelie war obendrein noch ein wichtiger Faktor, um zu verdeutlichen, wie fatal der Gedanke ist, dass es das Leben leichter gestaltet. Dass solche Menschen weniger Probleme hätten oder sie unantastbar wären. Denn so ist es nicht.

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Der Clown

Nun hatte ich Amelie und die Geschichte, die ich schreiben wollte, doch irgendwie fehlte noch ein Element, etwas, dass sie an dieses Leben bindet und ihr helfen kann, weiterzumachen. Über dieses gewisse etwas grübelte ich  ganze zwei Jahre. Denn die Idee hinter Amelie und Mathiew kam mir bereits vor einer gefühlten Ewigkeit, doch erst durch den Clown hatte ich das Gefühl die Geschichte endlich auch erzählen zu können.
Während ich über die Trauer von Amelie nachdachte, wurde mir bewusst, dass etwas Gewaltiges folgen müsste, um sie wachzurütteln. Etwas gänzlich gegensätzliches. Etwas, womit einfach nicht zu rechnen ist und was in dem Zusammenhang überhaupt keinen Sinn macht: Ein Clown.
Ein Clown hat mit der tristen finstren Trauer absolut gar nichts zu tun. Es passt nicht ins Bild. Immerhin ist ein Clown bunt, soll Kindern Freude bereiten (wir sind hier nicht bei ES! Haha) und albern aussehen.
Bunt. Laut. Dreist.
So tritt der Clown in Amelies Leben und verwüstet alles, um sie in den Wahnsinn zu treiben, von ihren Gedanken fortzuzerren. Fort von ihrer Trauer, ihrem Loch, in welches sie ihr Bewusstsein eingesperrt hat, um sich dort mit Maths Tod zu verschließen.

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Die Briefe

Amelie schreibt Briefe an ihren verstorbenen Ehemann. Die Briefe haben zwei Funktionen: Zum einen helfen sie Amelie langsam von ihm Abschied zu nehmen. Zum anderen lernt der Leser durch die Briefe Erlebnisse mit Math kennen. Durch die direkte Anrede an Math, entsteht eine ganz andere Verbindung zu ihm, obwohl er eigentlich tot ist.
Solch einen Brief habe ich auch an alle Taschenbuchbestellungen bei mir weitergegeben. Ich kann mir vorstellen, dass der Gedanke tröstend sein kann, jemandem noch einmal zu schreiben, als wäre er noch da, obwohl er eigentlich fort ist. Um so auf eine ganz andere Art, sehr direkt und persönlich, Abschied zu nehmen.

*** SPOILER ***

Hier kommen wir zu einem Teil, den ich euch nicht vorenthalten möchte, der jedoch nur von denjenigen gelesen werden sollte, die das Buch bereits gelesen haben. Es betrifft die Todesursache von Math und weshalb ich dieses Thema überhaupt ausgewählt habe.

So. Ich hoffe ab hier liest niemand mehr mit: Das große Thema Selbstmord. 

Wieso habe ich dieses Thema gewählt?

Es gibt zwei Hintergrundstorys dazu, die mich dazu inspirierten und mich derart schockierten, mich traurig stimmten, dass ich nicht anders konnte, als dazu eine Geschichte zu schreiben.
Als sich 2009 Robert Enke das Leben nahm, war ich platt. Ich bin kein Fußballfan, ich kannte diesen Menschen vorher nicht. Dennoch ergriff mich sein Tod sehr. Es war nämlich der Moment, in dem ich das erste Mal mit Selbstmord konfrontiert wurde, der zudem noch so öffentlich thematisiert wurde. Selbstmord. Depressionen. Ein großes Tabuthema. Kaum jemand traut sich darüber offen zu reden. Aus unterschiedlichen Gründen. Zum Einen: Es ist verdammt persönlich. Zum Anderen: Die Angst nicht Ernst genommen zu werden. Dass man belächelt wird. Dass niemand einen hört, bis es zu spät ist. Dass niemand da sein möchte. Dass es niemanden interessiert.
Oder: Wenn es jemand ernst nimmt, sie einen selbst dann nicht mehr für vollwertig nehmen. Dass man ausschließlich auf diese Krankheit und diese Gedanken reduziert wird, ganz gleich, was für ein Mensch man ansonsten auch ist.
Es ist ein schwieriges Thema. Eines, wie ich finde, das viel zu selten überhaupt aufgegriffen wird. Die Presse hat Angst vor den Werther-Effekt. Einem Nachahmungseffekt, der dem Roman „Der Werther“ zugesprochen wird, nach dessen Veröffentlichung (nicht nachweislich) eine Serie von Selbstmorden stattgefunden hätten und weshalb die Publizierung vorübergehend unterbunden worden war. Aus dem Grund wird das Thema in der Presse oftmals gar nicht erst angesprochen. Doch nützt es wirklich mehr, dieses  Thema todzuschweigen, anstatt es offen anzusprechen? Vervielfältigt man nicht die Angst derer, dass sie nicht gehört werden, wenn überhaupt nie darüber gesprochen wird? Haben sie nicht eher das Gefühl nie gehört oder gesehen zu werden, eben weil niemand darüber ein Wort verlieren will?
Über diesen Selbstmord musste ich noch sehr lange grübeln, tue es heute immer noch. Und mit den Jahren frage ich mich immer wieder: Wie ist es der Familie ergangen? Wie haben sie das geschafft?
Danach folgten über die Jahre hinweg Selbstmorde von öffentlichen Persönlichkeiten, wie Robin Williams und zuletzt Chester Bennington und Chris Cornell, die noch einmal die Aufmerksamkeit auf dieses große Thema lenkten. Vor allem zeigen diese Fälle, dass es vollkommen gleich ist, wie viel ein Mensch im Leben besitzt, ob er Familie hat, jemanden liebt, reich und berühmt ist, seine Lebensbestimmung und alles Glück der Welt gefunden hat: Depressionen suchen sich ihr Ziel nicht aus. Jeden kann es treffen und jeder hat gleichermaßen damit zu kämpfen. Gerade solche Fälle zeigen nur zu deutlich, wie schrecklich diese Krankheit sein muss, wenn alles nicht hilft und sie sich dennoch nicht retten könnten, keinen anderen Ausweg gesehen haben. Dieser Gedanke ist schrecklich und gleichzeitig wachrüttelnd: Denn diese Krankheit muss ernst genommen werden. Auf diese Krankheit muss hingewiesen werden und es muss darüber gesprochen werden. Aus dem Grund habe ich diesen Roman geschrieben, um für einen Moment das Schweigen zu brechen.

*** Spoiler Ende ***

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Das war mein Beitrag zu meinem Herzensbuch. Mein Roman-Debüt, in das ich mein ganzes Herzblut, mein Alles reingesteckt habe. Ich hoffe euch damit berühren, euch in die Welt von Amelie und Mathiew führen zu können und mit dem Clown etwas Konfetti und Freude zu bringen.

Habt ihr Einmal im Jahr für immer schon gelesen? Schreibt mir unbedingt, wie ihr es gefunden habt!

Übrigens: Über eine Rezension freue ich mich jedes mal unglaublich sehr! Schickt sie mit unbedingt! Ich lese mir jede durch und freue mich über jedes einzelne Wort! Solltet ihr etwas Zeit finden und eure Rezension bei Amazon reinstellen, würde ich im Dreieck springen vor Freude <3 Gerade im Bereich Selfpublishing ist man sehr auf die Rezensionen bei Amazon angewiesen, damit auch andere Leser auf einen aufmerksam werden! Ich würde mich wahnsinnig freuen.

Ihr habt Einmal im Jahr für immer noch nicht gelesen, möchtet es aber gerne? Dann gäbe es mehrere Möglichkeiten: Zum einen wäre es bei Amazon als Taschenbuch und E-Book erhältlich. Wenn ihr kein Freund von Amazon seid, schaut unbedingt bei Neobooks vorbei, dort ist es ebenfalls als Ebook erhältlich! Zum anderen könnt ihr gerne eine Konfetti-Buchpaket-Bestellung samt Signierung bei mir einreichen: books@ricchizzi.de

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Ihr fragt euch, wer alles bei der Konfettiparty mitgemacht hat? Seht selbst!
Die Bilder habe ich übrigens bei der Aktion Einmal Clown sein mit Lydia gemeinsam gemacht! Es war total spaßig. In ihrem Beitrag könnt ihr nochmal die gesamte Fotosession sehen.

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