Ein Verriss

Meine Lieben, heute muss ich euch hinsichtlich eines Autors aufklären. Denn ich finde, irgendwo sollten Grenzen gezogen werden, es müsste klar sein, was erträglich ist, was tragbar sein sollte und was ein Autor einem Leser eigentlich zumuten darf.

Zuvor habe ich mich noch nie an einen Verriss getraut, aber ich glaube irgendwann stößt jeder mal an seine Grenzen und meine sind heute erreicht. Vielleicht ist es einfach mal notwendig, diesen Autor auf sich selbst und die Art mit unserer geliebten Sprache umzugehen, aufmerksam zu machen. Es kann möglich sein, dass demjenigen gar nicht bewusst ist, was er der Gesellschaft mit seinen Werken eigentlich zumutet. Oder vielleicht doch?
Ich frage mich ernsthaft, wer eigentlich erlaubt hat, dass dieser Autor Bücher rausbringen darf. Andererseits sollte es mich auch nicht wundern. Immerhin ist dieser Autor Selfpublisher, anscheinend wurde da an der richtigen Stelle nicht die Notbremse gezogen. Wahrscheinlich ist es so gelaufen, dass Verlage sein Manuskript abgelehnt haben und wie ich als Leser merken musste, wohl leider zurecht. Und was denkt er sich dann? Dass er das Buch einfach selbst publiziert? Warum tust du uns das an? Es hätte eine Vorwarnung am Cover kleben müssen: Achtung, Achtung, dieses Buch ist eine einzige Schande, bitte fernbleiben!

Ich kann nicht genau sagen, was mich mehr stört: Die Zeit oder das Geld, welches ich durch den Roman des Autoren verloren habe. Das einzig gute an meinem Kauf ist, dass ich den Roman aus meiner derzeitigen Wut heraus, auch in Brand stecken kann, um so wenigstens etwas Frust abzubauen. Ich kann an dieser Stelle auch nicht abstreiten, dass ich dieses Ding direkt nach dem Ende in die nächste Ecke gepfeffert habe: Es war einfach nicht mehr vertretbar.

Eigentlich wollte ich dem Autor noch eine Chance geben. Ich dachte mir: Vielleicht lernt er ja dazu. Also habe ich mir die gesamte Reihe gekauft. Und es noch mehr bereut. Zudem bin ich mir nicht sicher, was ich eigentlich schlimmer finde: Den Autor, der diesen Text verfasst hat, oder die unzähligen Leser, die ihn in die Bestsellerlisten manövriert haben! Ich schäme mich für all jene fremd, die diesem Roman ernsthaft mehr als einen Stern abgewonnen haben.

Inhaltlich ist es eine reine Zumutung. Es werden unzählige Klischees verbraucht, die zum einen nicht in unsere heutige Zeit passen und zum anderen derart abgegriffen sind, dass es mir persönlich zu peinlich wäre, solche banalen Szenarien zu verwenden. Zudem ist es unfassbar langweilig, nervtötend geradezu. Ich hätte getrost den Klappentext mit dem Schlusssatz verbinden können und tadaaaa: Roman in einer Minute beendet, ohne mir diesen Schinken antun zu müssen. Warum ich nicht abgebrochen habe? Weil ich Hoffnung hatte. Hoffnung, die offensichtlich Fehl am Platz war. Es wurde mit jedem Kapitel immer schlimmer, so dass ich mich gegen Ende hin fragte, was mit dem Autor eigentlich nicht stimmt. Er hätte wohl eher einen eingehenden Psychiater aufsuchen sollen, bevor er uns mit so einem Werk belastet!

Und was die Sprache angeht: Grausig. Habe ich grausig geschrieben? Eine Unverschämtheit! Was unserer Sprache in diesen Werken angetan wird, grenzt bereits an Körperverletzung. Wenn ich solche Bücher lese, denke ich mir, es müsste eine Grammatik-Polizei geben, die uns unschuldige Leser, vor so einem Schund bewahrt. Ich mein: Das hätte ja selbst ein Kind besser schreiben können!

Ich hoffe, dass der Autor zukünftig keine Romane mehr schreiben wird. Damit würde er der Leserschaft einen gewaltigen Gefallen tun! Denn es ist so: Talent steckt nun einmal nicht in jedem von uns und in dir, junger Autor, ganz gewiss nicht.

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Das war ganz schön fies, oder?

Über wen rede ich eigentlich? Hätte ich das zu Beginn schon aufklären sollen? Na, ich verrate es euch ja jetzt! Es handelt sich um… einen fiktiven Autoren. Ja, ganz recht. Ich habe diesen gesamten Text erfunden. Allerdings besteht er inhaltlich nicht vollkommen aus meiner Fantasie: In meiner Kritik an einen fiktiven Autoren, habe ich hier und dort tatsächliche Beispiele aus Rezensionen verwendet, die reale Verrisse darstellten. Ja. Ganz recht. Ähnlich wie dort oben, werden Autoren recht häufig auseinander genommen. Dabei werden nicht nur die Romane, sondern gleich der Autor und – wenn man schon einmal dabei ist – auch die gesamt Leserschaft einmal durch den Dreck gezogen.

Es sind harte Worte. Es sind sehr persönliche Worte. Es sind Worte, die einen Menschen zerstören könnten. Viel zu oft werden wir durch die Tastatur und den Bildschirm geblendet und vergessen, dass sich am anderen Ende ein ganz echter Mensch befindet. Ein Mensch mit Gefühlen. Ein Mensch mit Träumen. Ein Mensch, den wir durch unsere Kritik sehr stark beeinflussen, kränken oder zerstören können.

Warum verfassen wir eigentlich Rezensionen? Eigentlich will man ja ein Werk beurteilen, vielleicht eine Empfehlung aussprechen. Sollte es einem nicht gefallen, wäre es dann nicht angebracht diese Kritik konstruktiv auf den Punkt zu bringen? Ganz ohne persönlich zu werden? Ohne Beleidigungen? Kritik ist insofern sinnvoll, weil es dem Autoren selbst weiterhilft.

Liebe Menschen, überlegt was ihr schreibt, überlegt was ihr sagt, überlegt wie ihr handelt. Mit eurem Tun, könnt ihr einen Menschen so intensiv beeinflussen – positiv wie negativ -, dass ihr damit sein Leben verändern könntet.

Dabei bedanke ich mich an all jene Leser, Schreiber, Rezensenten, Blogger, die objektive, konstruktive Kritiken schreiben, die keine Verrisse glauben schreiben zu müssen, weil dann die Quoten steigen, die Rezensionen schreiben, um einen Autor auf seinem Weg zu helfen und nicht um diesen Weg zu beenden.

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Niccis Beitrag