Der Weltenbummler reist

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Er fliegt mit alten Augen über die Welt, umkreist Runde um Runde jedes Fleckchen und mach keinen Halt. Er sieht, wie die Erde atmet, wie die Luft aufbraust und das Herz pocht: Das Leben blüht auf. Und obwohl er an so manchem Moment die Augen vor so allerhand Grausamkeit verschließen möchte und nicht sehen will, was Böses auf diesem Planeten atmet, lebt und Machenschaften plant, so sieht er auch dort hin. Wegschauen ist nicht seine Art. Alles wird in ihm aufgesogen, getragen durch die vielen Seelen des Lebens.
Über das Pergament kratzt seine Feder und hält jeden Gedanken, einzelne Fetzen und Momente, Bilder und Erkenntnisse aller Leben fest. Damit sie niemand vergisst.

 

 

So viele unbekannte Geschichten

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Ich sehe in diese tiefen Augen und verliere mich in ihnen. Was haben sie gesehen, wie viel mussten sie durchleiden und wie oft schweigen? Welche Abenteuer heckten sie aus? Wem bedachten sie mit Liebe? Und wer wurde mit hasserfülltem Blick geschändet?
Ich zähle die Falten und denke mir zahlreiche Geschichten aus. Wie viele Stunden sind sie wach geblieben, um ihrer Leidenschaft nachzueifern? Wie viele Leben mussten ihn verlassen, wie viel Leid ihn durchtreiben und wie viel Schmerz ertragen?
Ich betrachte dieses Gesicht des Lebens und sehe, wie er geboren wird. Aufwächst, geliebt, umringt von Menschen, die ihm Beachtung und Geborgenheit schenken. Wie er seine Liebe findet, ihr all das gibt, was er besitzt und sich für sein Leben in sie verliert. Ein erfülltes Leben folgt, bestückt mit Familienfreude und Glück. Nun sitzt er da in seinem verlassenem Haus und wartet, dass das Leben auch ihn verlässt.
Oder gar ward er allein, aufgewachsen auf den Straßen, durch die Welt gekämpft und Opfer erbracht, Abenteuer bei Nacht erlebt und mehrfach um sein Leben gefürchtet. Menschenleben gerettet, sein eigenes vermehrt riskiert und niemanden gefunden, der ihm seins schenkte. Was für ein Leben steckt in diesen verschlossenen Gedanken?

Menschen laufen zahlreich durch unser Leben, ohne, dass wir jemals ihre Geschichte kennen werden. Dieser Gedanke stimmt mich traurig.

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Sarah

Titelbild: Pixabay

Schulzeit – und dann kam das Leben

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Mit den Gedanken stillschweigend abschweifen und träumen. Freunde tagtäglich sehen, wie selbstverständlich. Sich verlieben, schweben und fallen. Lästern, Lachen und hin und wieder Lernen. Zurechtmachen. Sein Ich finden. Selbstdarstellung. Erfinderisch. Nachdenklich werden, gezwungen zu denken, Anregungen erhalten und mitreden. Interesse zeigen und Interessen finden. Plötzlich die Welt entdecken, mit den Augen begutachten und auf ihr laufen, als gehöre sie uns. Einen tatsächlich strukturieren Alltag aus Unterrichtseinheiten, Pausen, Essen und Feiern.
Und dann unerwartet erreicht uns das Ende. Der Fall ist tief, schmerzhaft und eiskalt.
Die träumerische Luftblase, die uns von der Welt dort draußen abschirmte zerbricht fürchterlich und hinterlässt eine Leere, die aussichtslos scheint. Die Welt erscheint weitaus größer, gar unerreichbarer als zuvor. Grenzen stellen sich auf. Pflichten müssen erfüllt werden. Der Alltag wird durchrüttelt und wir geraten in ein Meer aus Unsicherheiten und Zukunftsängsten. Das Leben schreitet mit erschreckender Geschwindigkeit auf uns zu und lässt uns keine Zeit zum denken. Rasches Handeln muss folgen. Entscheidungen können nicht überdacht, sondern müssen getroffen werden.
Die Welt wartet nicht.

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Sarah

Titelbild: Pixabay

Was wäre, wenn niemand lügen könnte?

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Wie wäre unsere Welt, wenn niemand lügen könnte? Wenn es die Option zu Lügen gar nicht gäbe? Wäre unsere Welt dann besser oder schlechter?

Kleine Lügen

Lügen fangen klein an und können sehr groß heran wachsen. Es beginnt bei einer alltäglichen Nachfrage nach dem Befinden, bei dem nicht jeder von uns ehrlich antwortet, ganz einfach, weil wir uns nicht jeder dahergelaufenen oder selbst einer nahstehenden Person zu jeder Zeit emotional offenbaren wollen. An sich auch keine Große Sache. Wie geht es dir? Gutgut und selbst? – Ist eine Floskel, die bei fast jedem von uns im Standardrepertoire der Selbstverteidigung der Seele sofort abrufbereit ist. Dann entstehen schnell bei der Hand Ausreden in Form von Lügen bei Zuspätkommen, Absagen oder irgendwelchen Unannehmlichkeiten, die man gerne verschönert ausdrückt, um nicht ganz so blöd dazustehen. Und wem schaden schon diese Alltagslügen? Sind sie denn so schlimm, obwohl es Lügen sind?

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Große Lügen

Daher laufen noch Lügen, die bodenlos erfundene Geschichten zum Vorschein bringen. Für einen Autor gar nicht mal so schlecht von Bedeutung, für die Realität jedoch kann es große Folgen haben. Neben der Politik und den Medien, werden wir überall und zu jeder Zeit von den Mitmenschen in großer Form belogen und hintergangen. Oft verstrickt sich jemand in solch einem Lügennetz, dass einem auf dem Weg dorthin die Wahrheit verloren geht. Die großen Lügen schaden oft unserem Leben. Sie dienen dazu, um etwas ebenso großes vertuschen zu können. Ein Beispiel hierfür dürfte weit oben in der List das Fremdgehen sein. Ein Lügennetz, welches am Ende jedem Schaden zufügt.
Und je höher die Rangposition des Menschen, desto größeren Schaden richtete am Ende die Lüge an. Bestes Beispiel wären in dem Fall die Politik, die nicht alles offenbart, um uns scheinbar zu schützen, doch sobald Wahrheitsfunken zum Tageslicht kommen und wir unsere eigene Meinung bilden können, ist es schon zu spät. Beim zweiten Weltkrieg wurden viele Lügennetze gestrickt, um jedem Deutschen klarzumachen, dass alle Anderen schlecht sind und nur sie die einzig wahren und Guten dieser Welt.

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Wären wir also ohne Lügen besser dran? 

Wenn von heut auf Morgen das Lügen schlichtweg nicht mehr möglich wäre, dann bin ich mir ziemlich sicher, würden wir uns in ein gewaltiges Chaos stürzen. Die Etikette nicht direkt jedem die Wahrheit ins Gesicht zu sagen (sieht mann, dass ich zu zugenommen habe? – Ähm, nee gar nicht…), um derer Gefühle zu schützen und sich in keinen mutwilligen Streit zu verwickeln, hat uns daraufhin erzogen, Unannehmlichkeiten aus dem Weg zu gehen. So habe wir stets uns und unsere Umwelt versucht zu schützen. Doch wenn wir plötzlich jedem die Wahrheit sagen, obwohl jeder es sein Leben lang gewöhnt ist, belogen zu werden, ich fürchte, dass viele Menschen (leider) schnell in Streitigkeiten verstrickt wären. Andererseits kann ich mir auch vorstellen, dass wir uns, wie mit so manch anderen Dingen die Neu sind, an die Situation gewöhnen würden. Und dann, ja vielleicht würden wir dann besser leben. Wesentlich besser. Keine Intrigen, keine Lügen, jeder müsste sich seinen Problemen stellen und viele Psychologen und Anwälte wären Arbeitslos. Oder es würden mehr Anwälte benötigt als zuvor, wer weiß das schon. Menschen würden merken, dass sie sich gar nicht leiden können und nur vorgaben Freunde zu sein, andersherum finden sich vielleicht so nur noch Freunde, die richtig sind? Keine Falschen Freunde mehr? Keine falschen Beziehungen mehr? Findet dann jeder zum Richtigen Menschen oder enden wir am Ende alle einsam und allein?
Bei der Politik hingegen und in den Medien wird es dann vielleicht zunächst ganz düster aussehen. Ich wüsste nicht, ob sie sich davon erholen könnten. Die Bild-Zeitung muss wahrscheinlich dann auf ein seriöses Blatt umsteigen.

Ohne Lügen aufwachsen 

Wenn wir jedoch ganz ohne Lügen aufwachsen, es also gewohnt sind mit der Wahrheit angesprochen zu werden, dann glaube ich, wäre dieser Ort vielleicht ein besserer. Vielleicht gäbe es keine Anschläge, keine Morde und vielleicht wird niemand hintergangen oder betrogen, vielleicht werden weniger Fehler gemacht, weil einfach jeder über seine und über all unsere Probleme spricht und so ganz vielleicht, keine Probleme mehr entstehen würden. Doch auch nur vielleicht. Es wäre ein schrecklicher Gedanke, wenn unsere Welt nur bestehen könnte, weil es Lügen gibt.

Was meint ihr?

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Sarah

Comics: islieb.de
Titelbild: pixabay.com