Kurzgeschichten – Ein Leben in wenigen Worten

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Für mich persönlich stellen Kurzgeschichten unfassbar, fast nicht erreichbare Herausforderungen dar. Weshalb auch mein Kurzgeschichten-Projekt Die Geschichte des Luchris Sarberry für mich selbst ein Schritt in eine ganz und gar andere Richtung offenbarte. Es ist die erste Kurzgeschichte gewesen, die ich jemals geschrieben habe. Sich kurz zu fassen, war nie eines meiner besten Eigenschaften gewesen *Quaselstrippe*

Viel Inhalt in wenigen Worten

Dass für mich Schwierige stellt die geringe Wortzahl dar. In wenigen Seiten soll eine ganze Geschichte niedergeschrieben sein, die bestenfalls noch allerhand Emotionen hervorbringen soll und am Ende vielleicht ein kleines Schmunzeln hinterlässt. So manch einer würde behaupten, dass Kurzgeschichten viel einfacher wären, als einen Roman zu schreiben, schließlich braucht mal viel weniger Worte und der Aufwand ist geringer. Das mag so sein, schließlich hat ein Roman auch mehr Tiefgang und braucht einen gewaltigen Spannungsbogen. Und dennoch. In einem Roman kann ich mir Zeit lassen. Viel Zeit. Kann Figuren und ihre Geschichten exakt planen, ihre Leben durchlaufen und sie so richtig kennen lernen. All ihre Facetten und Teile ihrer Geschichte kann ich auf reichlich Seiten niederschreiben. Es ist herrlich. Ich liebe es Romane zu schreiben, erst zwischen all den vielen Wörtern kann ich meinen Ideen ihren Freiraum geben und hier und dort auch mein eigenes Weltbild zwischen versteckten Zeilen offenbaren, vielleicht dem Leser etwas mit auf dem Weg geben. Doch dafür braucht es Zeit. Zeit an Seiten, die ich niederschreibe.
In Kurzgeschichten ist dies allerdings nicht so, da bedarf es viel Geschick und Überlegung, um eben das, was vermittelt und erzählt werden soll, kurz, jedoch nicht zu abgehackt klingen zu lassen. Es sollte trotzdem schön geschrieben sein und dazu noch reichlich Inhalt haben. Andere schaffen das sogar in einem kurzen Satz. Einem wunderschönen Zitat. Ich brauche dafür 500 Seiten.

Sich der Herausforderung stellen

Und trotzdem habe ich es versucht. Es war anstrengend und hat viel Herzblut und Einhornspucke (*Einhornrotze wohl eher*) gekostet, mit etwas Koboldgold bespickt und vielleicht Feenstaubglück, damit meine Kurzgeschichte es tatsächlich in die Anthologie geschafft hat. Ich habe viele Nächte an der Rohfassung gesessen und ewig daran den Text auf die richtige Größe zu kürzen. Radikal, als wäre ich ein Serienmörder, schnitt ich Zeile um Zeile, ach Papalapapp! Absatz um Absatz, ja gar eine GANZE SEITE, einfach heraus. Zack: Das kann weg. Oder muss vielmehr. Am Ende musste ich schluchzend feststellen, dass daraus nur eine Kurzgeschichte wurde, weil ich an einem Wettbewerb mitgemacht habe. Hätte ich mir selbst vorgenommen daraus eine Kurzgeschichte machen zu wollen, tja, dann wäre daraus wohl eher ein Roman geworden. Die Idee hat sich auch nebenher gesponnen, während ich die Wortzahl auf ein Drittel reduziert habe. Was soll ich sagen, meine gesamte Mitwelt kann wohl lachend und Augenrollend bestätigen, dass ich ein gewaltiger Quaselkopf bin. Und wie solche Menschen nun einmal sind: Sie haben sehr viel zu erzählen!

Karikatur der Literatur

Dennoch mag ich Kurzgeschichten sehr. Eine schöne kleine Geschichte, in wenigen Minuten durchgelesen und man weiß sofort alles. Das ist wirklich der Wahnsinn! Ich mein für ein Buch braucht man Stunden… aber eine Kurzgeschichte hingegen: Schwub. Vorbei. Und endlich weiß man das Ende. Und alles was passiert ist. Etwas schade ist es natürlich schon, schließlich kann man die Charaktere nicht noch näher kennen lernen. Doch die Message wird einem schnell vermittelt, man lernt irgendwie den Autor dadurch besser kennen und mit Kurzgeschichten lassen sich Weltbilder sehr gut reflektieren, gleich einer Karikatur der literarischen Welt.

Was haltet ihr von Kurzgeschichten? Habt ihr schon einmal Anthologien gelesen? Oder glaubt ihr, dass so etwas eher aus der Mode ist?

Psssssst! Schaut doch gerne noch ganz schnell bei meinem Gewinnspiel vorbei :) dort könnt ihr nämlich meine und 22 weitere Kurzgeschichten unserer Anthologie: Flucht in ein sicheres Leben, gewinnen! Dazu müsst ihr mir nur einen lieben Kommentar über euch selbst hinterlassen :) klingt doch ganz einfach ;)

<3

Sarah

Bild: pixabay.com

 

Nachdem Schreiben – Zeit verstreichen lassen

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Stephen King sagt, man solle nach der ersten Rohfassung einige Wochen verstreichen lassen, bevor es an die Überarbeitung geht.

So direkt habe ich darüber zuvor noch nicht nachgedacht, muss ich gestehen.
Sobald ich mit einem Manuskript fertig war, wollte ich irgendwie automatisch Abstand gewinne. Bewusst habe ich das gar nicht getan. Doch jetzt, da ich darauf aufmerksam geworden bin, muss ich Schmunzeln.

Einen klaren Kopf bekommen

Erst durch das Zeitverstreichen gewinnt man eine gesunde Distanz zu der eigenen Geschichte. Die eigenen Worte erscheinen viel klarer und plötzlich sieht man Fehler, derer man sich zuvor gar nicht bewusst gewesen ist. Man liest sonst blind.
Außerdem erkennt man dann, welche Dinge wohl fehlen mögen oder was  heraus gestrichen werden muss.
Es ist wichtig sich von Passagen trennen zu können. Nicht alles ist für einen Leser unbedingt interessant. Wenn man selber merkt, dass man den Worten nicht folgen kann oder gar Zeilen überspringt, dann wird es ein Fremder wohl kaum lesen wollen, oder?

Weiter geht’s!

Schaut auch gerne Mal bei meiner Facebook-Seite vorbei, um bei meinem derzeitigen Projekt, der Anthologie: Flucht in ein sicheres Leben, immer auf dem Laufenden zu bleiben.

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Sarah

Jenny Karpe: Ein Roman in 3 Tagen

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Vor einiger Zeit schon habe ich von Jenny Karpes Projekt gehört: Einen Roman (Umfang 60 000 Wörter) in drei Tagen zu schreiben. Natürlich klingt das auf dem ersten Blick etwas Weltfremd. Und lockt genial Hörer und Leser an.

Jenny Karpe hat sich ausführlich auf ihren Roman vorbereitet und detailiert geplottet. Sie hat die Handlung exakt aufgelistet und sich eine Struktur erarbeitet, mit der sie erhofft die Geschichte innerhalb von drei Tagen zu Papier zu bringen. Eine wirklich interessante und aufregende Idee!

Durch den NaNoWriMo 2015 habe ich selbst fantastische Erfahrungen über das Marathon-Schreiben gelernt. Noch nie zuvor sind durch mich so viele Ideen geströmt und zu Papier geflossen. Wenn ein Projekt so intensiv erarbeitet wird, dann fügt sich das große Ganze perfekt zusammen. So entstehen Kapitel nicht über Monate, sondern über Stunden hinweg. Es war faszinierend und erfolgswirksam.
Zunächst ist man stets motiviert zu schreiben und hat ein exaktes Ziel. Es macht Spass sich die noch bevorstehenden Wörter zu erdenken und dem Ende entgegen zu sprinten. Man fiebert mit sich selbst mit und will mit jedem Wort mehr Zeilen zu Papier bringen. Die Geschichte ist einem so nah, wie sonst nie zuvor.

Manch einer mag sagen, dass die Qualität auf der Strecke bleiben würde, doch das sehe ich ganz und gar nicht so. Es prasseln unfassbar viele Ideen auf das Papier nieder, die Geschichte fühlt sich wie ein Satz, wie ein zielgerader Faden an, der gewiss zu wissen scheint, wo er entlang schwinden muss. Die Überarbeitung muss immer folgen, genauso die Vorbereitung. Ganz gleich, ob es nun mehrere Jahre oder wenige Tage sind, in der das Manuskript niedergeschrieben wird.
Jedes Buch umfasst die Zeit, die es braucht, um das Ende finden zu können.

Ich bin gespannt, wie Jennys Erfahrungen sein werden und werde mir selbst ähnliche Gedanken um einen Schreibmarathon machen, hehe.

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Sarah

Der Sandmann schleicht sich herein

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Von Weitem schon da hört er sie, die müden, trägen Atemzüge. Mit einem gemächlichen Schmunzeln auf den Lippen, schnürt er seinen Sack voll Sand zusammen und tippelt durch die geheimen Gänge in die Nacht hinein. Niemand sieht ihn, natürlich nicht. Er ist zu klein, zu flink und ganz und gar gerissen. Das Haus Nummer vier ruft seine Fähigkeiten und das zu allzu später Stunde. Oft ist es so, dass seine letzte Schicht gar vor Sonnenaufgang eintritt und noch zu dieser Zeit der ein oder andere von ihm gerufen wird. Durch unsichtbare Lücken und Ritzen quetscht und huschelt das Männchen in das Haus hinein. Ungeachtet von seinen Bewohnern findet er jenen, der ihn rief. Vor einem Schreibtisch da sitzt er, erschöpft und gähnend vor der Tastatur: Der Schreiberling vor seinem Manuskript.
Natürlich hatte ihn niemand direkt gerufen. Es sind die Laute des Schlafs, die ihn, den Sandmann, zu den Menschen tippeln lässt. Der ein oder andere benötigt einen kleinen Schubser, um endlich die kuschelig warme Bettdecke aufzusuchen. Manchmal, so kommt der Sandmann etwas zu spät und dann kann es schon einmal vorkommen, dass sein Schützling die Tastatur zum Kopfkissen umfunktioniert und dort die Nacht gerädert verbrachte hatte.
Doch noch war er zur rechten Zeit erschienen. Mit einem schelmischen Grinsen klettert er den Rücken seines Schützlings empor. Natürlich kriegt dieser rein gar nichts mit. Seine großen, trägen Augen flackern verengt über den strahlend hellen Bildschirm und nehmen rein gar nichts um ihn herum wahr. Ja, ja, die Schreiberlinge wieder. Sie sind die Schlimmsten. Ganz und gar in eine andere Welt eingetaucht, kriegen sie überhaupt nichts mehr mit. Weder Zeit, noch Raum. Die Sturheit nicht das Bett aufzusuchen ist sensationell, genauso wie ihr enormer Koffeinverbrauch.
Jetzt allerdings lässt sich der Sandmann nicht lumpen. Hinterm Ohrläppchen angelangt klettert er die letzten Schritte über die Haarsträhnen zum Ansatz der Stirn empor. Triumphierend reißt er den Sandsack auf und schüttet reichlich Körner über die geringelten Stirnfalten hinweg. Der Schreiberling kneift die Augen verstört zusammen und reibt sie träge. Kaum noch ein Wort vermag er auf dem Bildschirm zu lesen. Die Wörter, sie werden unklar. Die Augen fühlen sich kratzig und ranzig an, die Müdigkeit steigt plötzlich rasant. Mit einem geknickten Nicken gibt er schließlich nach. Doch als er die Morgensonne erblickte lächelt der Schreiberling zufrieden. Ja, eine Nacht hatte er geschrieben, doch welch Erfolg hatte ihn durchtrieben. Ja, gewiss der Schlaf würde ihm den Tag verstreichen lassen, doch das trübt seine Gedanken keineswegs. Denn bei stiller Nacht, dann wenn jeder andere schläft, kriechen die Schreiberlinge aus ihrer kreativen Welt und tippeln neue Welten auf das leere Blatt Papier. Und nach gemachter Arbeit fühlt sich der Schlaf gleich viel erholsamer an. Der Schreiberling reckt und streckt sich, während die Bettdecke ihn wie durch Zauberhand in den seeligen Schlaf einmurmelt. Und der Sandmann lächelt zufrieden auf seinen Schützling herab. So ist’s recht und jetzt gute Nacht!